Eigentlich musste ich vorhin gerade ziemlich lachen – über den vorherigen Cartoon-Eintrag zu den Freunden. Ich befürchte, die wenigsten würden mich knappe 30 schätzen, sondern eher 15 oder 18 – zumindest wenn man dem folgt, was man hier und woanders meinerseits so online findet.
Cartoon-Figuren. Kleines hüpfendes Lama links in der Seitenleiste. Schaue in meiner Freizeit Zeichentrick-Filme wie Dexters Labor, Spongebob Schwammkopf oder genieße mit einem glücklichen, zufriedenen Gesicht alte Donald Duck-Filme. Kann mich noch immer über Mangas und Kitty erfreuen. Erfinde mit dem guten alten Mike Joghurtbecher-Telefon-Zellen oder baue Schneemänner am Fensterbrett. Bevor ich ein Foto meinerseits poste, nehme ich lieber ein Cartoon-Bild. Und ja, am Computer sitze ich auch noch dazu.
Und erfülle damit eigentlich alle Kriterien für den belächelten, gestrigen, steckengebliebenen, pubertierenden Freak. Aber soll ich ehrlich sein? Ich bin verdammt glücklich darüber.
Ich bin heilfroh, dass ich nicht irgendein Kapperl-Träger bin, der mit seiner Silberkette und lässiger Zigarette am Eck vor seinem tiefergelegten Golf GTI steht, frisch aus dem Fitnessstudio und dann weiter zur Sauftour fährt. Der eine seriöse und ernste Stirnfalte bereits im Gesicht fest eingraviert hat und ausschließlich über Poltik und Wirtschaft trocken philosophiert. Der immer mit tiefer und schwergewichtiger Stimme aus dem Handgelenk den anderen die Welt erklärt und für den alles selbstverständlich ist. Der mit ernster Miene und einem hochgezogenen Augenbraun die Welt betrachtet und bei einem hübschen Mädchen mal eben gerade mal den Mundwinkel seitlich hochzieht und einen Spruch loslässt. Dessen Alltag vor Karriere und Seriösität in Grau und Schiefer nur so glänzt.
Danke. Nein!!! Ich will mich über die kleinen Dinge freuen, mal über etwas lachen, dass auch abseits einer Norm ist. Beim Spaziergang zwischen den Gräsern ein glänzendes Spinnennetz entdecken und das Geheimnis für mich behalten, während alle anderen stumm vorbeilaufen. Und ja, auch ich schaue Dokus, Reportagen und Co. – aber zu einem gemütlichem Tag (sofern er mit TV durchsetzt ist) gehört dann halt mal ein Cartoon oder ein kleiner Smilie. Oder dass man in einem Cafe sitzt und draußen vor den Fenstern eine eigene, fantastische, chaotische und bunte Abenteur-Welt sieht. Sein eigenes Universum baut. Bevor ich einen Shooter spiele, spiele ich lieber ein Computer-Spiel wie Zelda und folge einem Abenteuer. Und bevor ich durch den Wald gehe, nur um zur nächsten Saufstube zu kommen, schnapp ich mir lieber ein imaginäres Holz-Schwert und verschwinde gedanklich zwischen den Bäumen. Leben!
Und ich hoffe inständig, dass ich auch mit 40 noch so bin. Dann wenn alle anderen bereits grau sind. Vertrocknet, nicht mal mehr wissen, wie man von Herzen lacht oder sich nicht mal auf den nächsten Mauervorsprung setzen, weil sonst das Sacko oder der Mantel schmutzig wird. Fuck drauf. Wenn ich mit 40 ein Comic oder ähnliches lese oder ein Stoff-Mulischaf in meiner Tasche habe – und mich noch immer darüber freue – dann ist alles gut… dann ist das Leben gerettet. Alles andere ist unwichtig.
Ich habe gestern mit Chai gesprochen – und darüber, dass sie in sich eine Pippi Langstrumpf trägt. Und auch nicht anders sein möchte. Oder Mike, der am liebsten mit Umhang und Schwert durch den Wald reiten würde. Oder Erbse, in deren Welt Libellen und Bären herumschwirren. Marygotchi und ihr Zelda-Kampf. Und so weiter… gibt es etwas Schöneres?! Ich kann es mir nicht vorstellen. Und darauf bin ich verdammt nochmal stolz.



