Zeit der Wohnhöhlen

Vorhin bin ich gerade nach einem kleinen, gemeinschaftlichen Ausflug mit einem ungewöhnlichen Menschen in der Innenstadt heimgekehrt und durch die Seitengassen bei mir heimwärts gewandert. Und habe festgestellt: es ist wieder soweit. Endlich. Die Höhlen-Zeit ist angebrochen. Und das hat nichts mit dem Wetter zu tun, sondern mit den Lichtern der Nacht.

Denn nachdem Weihnachten sich ganz undezent langsam wiedermal anpirscht, haben nun viele wie jedes Jahr in ihren Fenstern diverse Weihnachtsbleuchtung – angefangen von unechten Kerzen bis hin zu kompletten blinkenden Girlanden. Zumeist kitschig und sogar grausig, gibt es bei mir hinten jedoch einen Straßenzug, bei dem alles irgendwie anders ist.

Aus einem unerfindlichen Grund haben die meisten dort normale Glühlämpchen oder Kerzen-ähnliche Gestelle – durchgängig – und die ein warmes, leicht flimmerndes, dezentes, warmes und gelb-rotes Licht werfen. Und es handelt sich um Altbauten, mit breiten, tiefliegenden Fenstern, meist alte in der Mauer versenkten Doppelfenster und Vorhänge auch dazu. Zudem finden sich bei fast der Hälfte der Altbauten diverse Verzierungen und Anbauten rund um die Fenster – und all das zusammen führt dazu, dass man zwar das Licht sieht, aber nicht die Beleuchtungskörper an sich, weil sie zu tief liegen.

Durch die Vorhänge und hin und wieder einem Blinklicht in Kombination mit den statischen Lämpchen könnte man zeitweise meinen, man geht durch einen dunklen, stillen Straßenzug – und in den Fenstern oder Räumen sind überall mal da und dort Fackeln aufgestellt. Es bekommt eine ganz eigene Magie… es ist eine Mischung zwischen Modern, Mittelalter, Steinzeit, Endzeit und Filmen wie Momo, Mogli, die unendliche Geschichte und dergleichen… sehr eigen.

Das Video hier – ja, nicht neu und schon mal gepostet – verkörpert das Stimmungsbild recht gut. Es beginnt mit der Musik und steigert sich dann langsam durch die “Feuer” auf den Dächern… und diese gleiche Emotion findet man – in ruhigerer und stillerer Form – in den Seitengassen hinter mir. Zumindest manchmal und eben nur vor Weihnachten.

Einfach schön.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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