Ich lese gerne andere Blogs. Mag das. Ein wenig Inspiration bekommen. Und zugleich einen Schub, sich auch zu öffnen. Aber lesenwerte Blogs zu finden… ist wirklich nicht leicht. Und vor allem auch solche, die dann auch noch regelmäßig befüllt werden. Momentan befinden sich beispielsweise mehr als zwanzig Blogs in meinem Feed-Reader unter Beobachtung, aber bei fast allen gibt es höchsten einmal in der Woche etwas neues – wenn überhaupt. Und oft handelt es sich dann nur um ein obligatorisches Foto oder ein Video. Das ist schade und etwas fad…
Überhaupt – ja, natürlich – es gibt tausende Blogs und irgendwo stand auch unlängst, was für eine gigantische Zahl täglich an Blogs hinzukommmt, aber beinahe alle haben eines gemeinsam: nach etwa drei Monaten beginnen sie zu vereinsamen, still zu werden… und dann ist es wieder aus. Solange bis der nächste Blog aufpoppt. Oder deren Leser springen wild hin und her und switchen ständig von einem Blog oder Plattform zur nächsten. Oder quartieren sich eben auf Facebook ein. Aber so richtige Blogs, die kontinuierlich seit Jahren regelmäßig befüllt werden – und sich dabei NICHT nur ausschließlich spezifisch um entweder Technik oder Computer oder Mode oder Fashion oder Lifestyle oder Porno- und Party-Bilder drehen – oder NICHT nur alias Tumblr einfach tausendfach Bilder reposten – sowas zu finden ist wirklich eine mühsame Herausforderung.
Es gibt einige, kleine – vor allem deutsche – Netzwerke an Bloggern, die sich gegenseitig antreiben und so ihre Studium-Porno-Sex-Lifestyle-Hip&Chic-Meine-Fresse-gefickter-Verstand-Fuck-Party-Bitch-Cool-hab-was-entdeckt-Ich-bin-mein-eigens-Lookbook-Lebensweisheiten-Blogs führen… aber um ehrlich zu sein, sie sind auch alle irgendwie ident. Die Sprache ist die selbe, die Inhalte sind die selben, sie sind alle optisch toll gestylt und miteinander verknüpft, vollgestopft mit sexy Girls, Party-Videos und Fotos und sonstigen Eyecatchern… aber das war’s dann auch schon. Natürlich – auch ich schaue da immer wieder mal rein, aber es gibt kaum welche, die irgendwie dauerhaft in meinem Reader gelandet sind. Entweder weil sie irgendwann kippen und sich in sich ständig wiederholen (wohl um die Userzahlen immer weiter in die Höhe zu treiben um dann Banner und sonstige Ads schalten zu können) oder sich irgdendwann an große Blogger-Netzwerke verkaufen und einklinken, um dann auffällig unauffällig brav Einträge zu schreiben, die dann am besten in das vertragliche Knebel-Schema passen – dafür ist man dann hip und dabei. Diese Blogs sind nett für ein paar Monate zum verfolgen, werden aber genauso schnell wieder abgelöst von anderen.
Bisher gab es nur eine kleine handvoll anderer Blogs, die ich über Jahre treu verfolgt hatte und die aber leider alle mittlerweile aufgehört haben. Einmal gab es einen Programmierer, der vor vielen Jahren seinen Job nieder gelegt hatte und mit Kind und Kegel nach Ägypten gezogen ist – war eine spannende Sache, weil man sowohl den grauen Alltag am Anfang bis hin zu dem Abenteuer eines Aufbruches und Veränderung eines Lebens mitverfolgen konnte – quasi unverfälscht und echt. Oder der eines Motorrad-Fahrers, der durch die Welt tingelte, fast vier Jahre lang bis zu dreimal in der Woche über das Leben, die Erlebnisse und Schwierigkeiten berichtet. Oder aber auch ein – ebenfalls zufällig – wieder ein Programmierer aus dem Ami-Land, afro-amerikanisch, der etwas ausgebrannt über sein Leben berichtete und dabei auch einen guten Einblick über die Lebensumstände in seinem “Ghetto” schrieb. Und so weiter… gab einige im Laufe der Zeit.
Man könnte diese Art von Blogs mit einer gut geführten und gefilmten ARTE-Dokumentation vergleichen, während die anderen Blogs meistens eher das Standard-Unterhaltungsprogramm der breiten Massen-TV-Kanäle repräsentieren – dutzende Serien, die sich aber alle irgendwie gleichen oder an den selben Stellen den Zuschauer-Lacher einspielen und alle fünfzehn Minuten von Werbung unterbrochen werden.
Und genauso wie dünn das TV-Programm in diesen Sparten gesäht ist, ist es online nicht anders. Blogs erschlagen einem fast und man kann sich permanent durchzappen, aber so richtig hängen bleiben… das ist das was ich vermisse. Und vor allem solche, die sich ausnahmsweise nicht um Computer-Themen oder die klassischen Self-Foto-Lookbooks drehen. Wenn jemand einen Tipp hat (ja, die diversen Reise-Blogs wie zum Beispiel auf Geo.de und so kenne ich), dann nur her damit: (saforge@gmail.com)[mailto:saforge@gmail.com]



