Gerade vorhin habe ich mir den Livestream “Day in a life” auf Youtube angeschaut – die Wiederholung der gestrigen Premiere. 90 Minuten zusammengeschnittenes Film-Material von Menschen auf der ganzen Erde… alle von einem einzigen Tag des Vorjahres. Freude, Trauer, Schicksale und Momente des Lebens von Menschen in verschiedenen Ländern, Kulturen, Religionen und Eigenheiten… war interessant, wobei aber erst am Schluss – finde ich – die Emotion oder das Gefühl für das Ganze erst so richtig enstanden oder aufgekommen ist.
Und der Abschluss hat vielleicht auch so ein wenig etwas von der “Vergänglichkeit” unseres Lebens verdeutlicht. Oder noch besser gesagt, das Leben eines Einzelnen. Unikat, besonders, einmalig… emotional – aber vergänglich. Und ich habe mir gerade die Frage gestellt, was eigentlich bleiben würde, wenn es mich mal nicht mehr gibt…?
Die Festplatten aus dem vorigen Eintrag haben keinerlei Bedeutung in einem realen Bezug – und will ich auch nicht. Ja, bunte Grafiken und Bilder und Fotos – aber in ihrer elektronischen Form vergänglicher denn je. Meine Webseiten… nun, bis auf diesen Blog hier, würde ich wollen, dass alle Seiten eingestellt werden würden, gelöscht und geschlossen (oder vom Team weitergeführt werden). Aber außer dieser kleinen Gedankensammlung an Textdateien sollte es elektronisch keine Spuren mehr meinerseits geben – aber nicht aus irgendwelchen tiefenpsychologischen Gründen. Sondern ganz einfach, weil in dieser virtuellen Welt, so stark sie mich auch beschäftigt und mein Leben aktiv tagtäglich “bereichert” und in Beschlag nimmt, ich dafür keine Wertigkeit spüre oder empfinde. Gar nicht. Ich mag Computer. Ich mag das Virtuelle. Ich mag das Netz. Ich mag die elektronischen Möglichkeiten. Ich mag ein wenig das Nerd sein. Aber all das trägt keine Emotion in sich. Die findet man nur bei einem Menschen, der einem gegenüber sitzt oder einem berührt und umarmt, nicht bei oder in einem Computer.
Ich kann mich noch erinnern, dass ich als Kind in einen Stein (eher kleiner Fels) im Süden des Landes einen Schriftzug gekratzt hatte… und diesen viele, viele Jahre später wieder entdeckte (fast 15 Jahre?), eher zufällig und auch erst in dem Moment wieder mit der Erkenntnis “Stimmt, das war ich! Ich.” Der Moment hat mir viel mehr gegeben, als auf einer alten Festplatte irgendein Foto oder eine Illustration von mir zu entdecken, an die man sich nicht mehr erinnern kann. Wenn also etwas erhalten bleiben soll von einem Emanuel, dann wäre ein kleines Zeichen in einem Felsen irgendwo in unbewohnter Gegend das Schönste für mich. Das ist das, was ich für mich mir selber hinterlassen wollen würde.
Der Blog hier soll hingegen als unbedeutender, aber dennoch zum Gesamtbild beitragender, kleiner Schnappschuss des historischen Jetzt erhalten bleiben – um späteren Generationen einen Einblick auf ihre Grundlagen (also den Generationen und ihre Welt, Fehler und Gedanken vor ihnen) bieten zu können. Auch wenn diese Zeilen hier wohl kaum dann einer lesen wird. Aber wie wir (ich) schon letztens geschrieben habe – auch ein einzelnes Sandkorn trägt zu einer Küstenlinie und damit zum Gesamtbild der Natur bei.



