Mein Blog

Immer mehr und mehr verliebe ich mich in die Seite hier – trotz des absichtlich veraltetem und grauenhaften, nicht vorhandenen Designs (ausgerechnet ich als Clean-Website-Purist) – aber es tut gut. Wie oft war ich in den letzten Wochen dran und wollte das Design auf ein weißes, zart-grau-elegantes Template umstellen, gemischt mit ein oder zwei kräftigen Farben und grafischen Elementen… aber nein! Finger weg! Nur solange diese Seite hier eine Form von Chaos, Old-School und Nerd verkörpert, solange funktioniert es auch, dass ich meine Gedanken hier 1:1 eintrage… und nicht womöglich “style” und der Blog zu einem “Das ist mein zweites Portfolio” verkommt. Da muss ich immer wieder aufpassen und mir regelmäßig auf meine eigenen Finger klopfen.

Ich habe gestern zufällig bei einem Blogeintrag von Dan den folgenden Absatz gefunden und er verkörpert genau das, was ich mit dieser Seite hier gefühlsmäßig verknüpfe:

(…) I have to be a bit selfish. I have a vested interest in this site: after all, this site is me. This blog has been running for nearly seven years – over a quarter of my life. In that time, I have graduated from college, gotten married, moved three times, crossed thousands of miles, met hundreds of people. I have seen the world, experienced so much, and grown into who I am today. As I have grown, so has this blog. (…)

Ich blogge ebenfalls seit vielen Jahren und wenn ich da mal so überlege, was sich in der Zeit getan hat… Ich bin von daheim ausgezogen, ich habe begonnen zu fotografieren, Webseiten zu bauen, Mode-Projekte erschaffen und erlebt, war finanziell dazwischen völlig am Ende, habe mit Kindern im Sommer gearbeitet, bei Kunstprojekten mitgearbeitet, bei Dreharbeiten, neue Freunde fürs Leben gefunden und andere verloren, meine Weisheitszähne verloren, verschiedene Haustiere gehabt, neue Einrichtung bekommen, einen Staplerschein aus Spass gemacht, eine Freundin mit einem Kind gehabt, immer wieder ein Haus im Burgenland besucht, war am Meer, ein Hund ist gestorben, bin an einer Herz-OP knapp vorbeigeschrammt, habe meinen visuellen Geschmack grundlegend verändert, meine Ansichten völlig neu ausgerichtet, die Biennale in Venedig besucht, einen Angestellten-Job gefunden und wieder verlassen, mir selber einen Schlüssel in die Mode-Welt geöffnet, bin bei Shootings und Casting dabei gewesen, habe selber kleine Filmchen gemacht, der gute Mike ist aus Wien weg gezogen, habe eine Freundin in L.A. kennengelernt, ein Magazin mit einem internationalen Team verwirklicht, viele Menschen aus aller Welt seitdem kennengelernt, sogar eine kleine Schwester bekommen… und meine beiden alten Blogs sogar in Buchform gedruckt.

Eigentlich schon beeindruckend, wenn man darüber nachdenkt, was so ein kleiner Blog alles im Laufe des Lebens mitbekommt. Es ist fast mehr wie ein Tagebuch, nicht so privat, aber dafür “näher” – zumindest für mich als Computer-Mensch. In irgendeiner Form greifbarer, weil ich zudem auch immer die Hand anlegen kann und es jederzeit in eine neue Form gießen, sortieren, filtern und zusammenfassen kann.

Mein Blog ist auch sowas wie mein Schatten sozusagen, aber nicht in düsterer Form (ja, ich weiß, das dunkle Design ist kein gutes Beispiel), sondern eher sowas wie ein Schatten, auf den man sich stützen und ausruhen kann. Sich Sachen von der Seele spricht oder mit jemanden teilen kann. Bewusst ohne Kommentare mittlerweile, denn es geht nicht darum, mein Ich zu kommentieren oder in Frage zu stellen oder mit Vorschlägen, oder was auch immer, zu bereichern.

Der Blog hier ist sowas wie eine innere Schachtel in mir, in die ich beinahe täglich etwas ablege. Gedanken, Ideen, Trauer, Freude oder das Leben an sich. Meine kleine Insel, die durch die Weiten des Lebens und des weltweiten Netzes treibt… und ich sitze am Ruder. Ich mag das.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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