Reportage

Heute war Marygotchi zu Besuch und wir arbeiteten ein wenig “kreativ” an den viereckigen, elektronischen Kisten. Ein schöner und angenehmer Tag. Bevor sie jedoch zu mir kam, hatte ich noch das TV-Gerät ein wenig laufen und stolperte prompt über eine ARTE-Doku mit dem Titel “André Brink, Schreiben für Südafrika” – inhaltlich nicht unbedingt ein Thema, das ich pausenlos verfolge oder wo ich sehr bewandert bin – aber die Art, wie die Reportage/Portrait gemacht wurde, hat mich mal wieder sehr angespornt… nämlich selber eine zu machen.

Den ersten Input bekam ich bereits vor circa einem halben Jahr bei dem Portrait von Im Auftrag des Terrors – großartig. Detailliert, der/die Autoren haben sich intensiv mit der Materie beschäftigt, es war nicht nur oberflächliches Gekratze, sondern auch “tiefgründig” und ein richtiges, persönliches “Menschen-Bild” – das jedoch alle Antworten oder ein Urteil über diesen Menschen offen lässt.

Und seitdem möchte ich selber eine Reportage bzw. Portrait drehen – ich glaube, ich habe das sogar schon vor langer Zeit mal hier im Blog gepostet. Technisch hätte ich sogar alles dazu (Film, Ton, Licht), dieser Bereich wäre also einzurichten – und man könnte ganz frech sagen, dass ich momentan den Moment der Stille dazu noch intensiv nützen sollte… bevor wieder der Ernst des Alltags-Hamster-Lebens beginnt. Das Einzige – ich bin mir inhaltlich nicht sicher.

Ich schwanke zwischen meiner Welt – einer Reportage über die österreichische OpenSource-Szene (Urgestein bis zum jungen Nachwuchs) – und völlig anderen Gebieten stark hin und her (beginnt bei Kultur/Einwanderern, Alltagsberufswelt eines österr. Model, Physiker bei einem aktuellen Projekt oder auch einem Künstler bei der Arbeit an einem aktuellen Projekt). Einerseits kann man sich nicht reinstürzen ohne Vorkenntnisse – es bedarf also Vorarbeit – und zudem benötigt man auch Ansprechpersonen und weiterführende Kontakte. Die bilden sich dann zwar, aber einen Initialzünder benötigt man dennoch – und der muss der Richtige sein. Denn inhaltlich sollte es auch sauber sein und es soll kein falsches Bild vermitteln oder verkauft werden.

Und außerdem – leider ein echtes Problem – ist die Mobilität. Ohne Auto und Führerschein ist so etwas auch nicht gerade “mal schnell eben gemacht”. Was mache ich, wenn einer in Niederösterreich sitzt? Oder in Linz? Stativ, Lampen und Co. im Rucksack schleppen?

Und eine Reportage besteht nicht nur aus Erzählung eines Menschen vor der Kamera, sondern begleitet auch im Alltag oder themenspezifisch. So gesehen eigentlich zu groß… zeitlich, finanziell und vom Aufwand.

Vernünftigerweise muss man sagen, sollte man klein beginnen und einfach in unmittelbarer Umgebung mal einen 15-minütigen Kurz-Doku-Spot realisieren. Eine Person, ein Thema, ein Schwerpunkt, die Basis ankratzen. Aus. Dann schauen, was rauskommt, wie das Ergebnis ist und dann weiter zu Größerem. Aber nicht leicht – vor allem, da ich das Familien-Gen des Größenwahns in mir trage. ;)

Und es soll auch nicht den Rest ankratzen – ganz wichtig – weder das laufende Team-Projekt (wichtiger mehr als je), den privaten Pflicht-Aufgaben hinsichtlich Job, Einkommen, Absicherung und Co. Es müsste also etwas sein, dass inhaltlich nicht “wegläuft” oder wo kein Zeitdruck besteht. Ich hätte nämlich kein Problem, wenn es auch sich über Monate oder ein Jahr erstreckt. Zudem muss ich damit rechnen, auch wieder im 40h-Arbeitsalltags-Rad zu laufen.

Fakt ist, ich will es machen. Viel mehr als die Modedesignergeschichten früher, stumpfsinnige Animationen am Computer im Wohnzimmer und das tausendste, grafische Icon in der Nacht. Online sehe ich sowieso – ausgenommen dem Teamprojekt – immer weniger eine “Aufgabe” für mich. Dazu ist das Netz zu schnell, zu groß, zu breit gefächert und vor allem auch unüberschaubar geworden. Als Einzelner hat man da sowieso kaum noch Chancen, eher als Team – und auch das muss sehr gut und marketingtechnisch professionell aufgestellt sein. Und technisch… was will man. Webseite, Handyapplikationen, Ebooks, IPads, intelligente Netzwerke, usw… es ist zuviel geworden. Und für Nischen muss man mittlerweile echter Profi sein, selbsternannte Experten gibt es nämlich wie Sand am mehr. Insoferne ist die Online-Welt nicht gerade verlockend. Lieber ein Hobby, das einem wenigstens persönlich geistig mehr erfühlt. Besser sind sowieso immer die anderen… da darf man sich nichts vormachen.

Und ja, liebe Skeptiker. Natürlich wird man mich in 3 Monaten fragen “Und? Der Stand der Dinge?” und ich werde mir vermutlich schwer tun. Aber ohne Ziele und Meilensteine tut sich gar nix. Aber man bleibt wenigstens am Ball. Try and error. Mal wirklich zuerst klein beginne.

Es kann übrigens sein, dass ich mal jemanden von Euch (in meinem Freundeskreis) anquatsche und derjenige dann vor meiner Kamera kleben muss. Und sei es nur zum Ton-Test.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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