30 Jahre

Ja, ich weiß – ich bin jetzt schon zweimal gefragt worden, warum ich den nichts zum Geburtstag gepostet habe… nun… ganz einfach, weil ich nicht wüsste was. In Feierstimmung bin ich nicht und soziales Angehäufe um einen Kalendertag zu feiern ist nun mal auch nicht so mein Ding. Vor allem auch dann, wenn auf diversen Social-Media-Plattformen Pseudowünsche kommen, von Menschen, die man schon seit Jahren nicht gesehen oder gehört hat oder die sich sonst auch nicht melden.

Immerhin – drei Jahrzehnte bin ich also seit gestern auf dieser Erdkugel… auf jeden Fall länger, als ich es mir früher erdacht hätte. Und trotz ganz schönen Katastrophen, Schwierigkeiten, Tiefs und Co. ist es ziemlich gut und spannend gelaufen. Soviel kann ich sagen. Vieles erlebt, viele tolle Menschen kennengelernt und neue Dinge im Leben gefunden, die dem Ganzen auch die richtige Würze verpassen. So gesehen – ja, freue ich mich darüber, andererseits ist so ein Tag auch immer für ein Resumee gut. Und da fehlen viele Dinge, die ich eigentlich schon seit langem erreichen wollte… in diesem Alter jedoch wohl eher nicht mehr schaffen werde. Man darf mich da nicht falsch verstehen – ich fühle mich innerlich jung, sogar sehr jung und bin definitiv (und glücklicherweise) kein 30-jähriger Mann in mir drinnen, sondern hab mir meinen kindlichen Charakter und dessen unbedarfte Freude bewahrt.

So weit so gut auch eigentlich, aber dennoch laufen viele Dinge auf anderen Bahnen. Das ist zwar ebenfalls ganz normal im Leben – bei wem läuft es denn tatsächlich rund und perfekt – aber etliche Teile oder Aspekte sind leider gänzlich falsch verlaufen. Nachdem man natürlich jeden der Schritte selber setzt, muss man auch ihre Konsequenzen tragen (was ich auch gerne tue), aber einfach runterschlucken kann man sie nicht – ist auch menschlich. Wer das tut, lügt sich selber in die Tasche oder läuft einer Fake-Coolness-Haltung hinterher. Es ärgert mich, dass ich viele berufliche Dinge nicht früher in Angriff genommen habe, dass ich nicht meine kreativen Outputs stärker in Szene gesetzt und ausgenützt habe, dass ich nicht mehr meine eigenen, unabhängigen Wege gegangen bin, dass ich mich von der Umgebung zu sehr verleiten lassen habe, dass ich viele Dinge beendet habe, nur um jemanden einen Gefallen zu tun, und so weiter und so fort. Dinge, die ich nicht mehr vorkommen lassen werde. Never again.

Innerlich, als Person meiner selbst, habe ich unverändert die kindliche Fröhlichkeit, freue mich über stupide Cartoons, bin verspielt und neugierig geblieben. Aber als Person meiner Person bin ich jetzt bei den 30 gelandet, ohne viele der Punkte zu treffen, die ich eigentlich anvisiert hatte. Dazu hat viel beigetragen – zum Beispiel meine Nettigkeit zu allem und jedem. Immer diplomatisch, immer freundlich und immer offen. Immer da und immer hilfsbereit. Immer rücksichtsvoll. Fakt ist, dass man aber dabei von jedem ausgenutzt wird. Da macht es keinen Unterschied ob nahestehend oder entfernt. Die meisten haben vorwiegend ihr eigenes Ego vor Augen (merken es auch nicht oder umgarnen es charmant) und ziehen sich die Energie, die sie selber zum Leuchten und Glücklichsein brauchen, von anderen. Damit sollte eigentlich Schluss sein und ich merke auch, dass mein Moral diesbezüglich sowieso recht erschöpft ist, dass ich immer öfter mit Nüchternheit auf die Befindlichkeiten dieser anderen Menschen innerlich reagiere. Aber kein Wunder… tun die ja auch. Manipulatives, egeozentrisches Gleichgewicht der Humanität. So gesehen auch richtig.

Fakt ist auf jeden Fall, dass ich hier strenger sein werde. Wer mit mir spielt, mit dem spiele ich auch. Das gilt auch für meinen näheren Umkreis. Ganz simpel. Eigentlich für alle. Wer mir gegenüber offen ist und mir von sich aus etwas als mentaler Mensch schenkt und eine Stütze bildet, den stütze ich auch und bin offen, schenke etwas zurück. Es muss mehr einfach mehr Gleichgewicht her. – und das ist momentan nicht so. Deshalb – positives Handeln wird mit positivem Handeln verdankt, negatives Handeln wird mit der selben Energie vergütet. Zeit wird’s. Das wird zu Reibungspunkten führen, aber das Gute ist – was soll da jetzt schon (noch) schief gehen.

Let’s play a game. Und dieses Mal ohne die üblichen netten Resetknöpfe.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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