Heute blogge ich mal etwas, wo man durchaus sagen könnte “Warum hat jeder dieses pseudo-idiotische Verlangen, den kleinsten Stuss des Lebens online zu stellen?”. Tja, keine Ahnung, ich gehöre auf jeden Fall dazu. Also – nach einer viel zu kurzen Nacht, in dessen Vorabend Tofu-Erbsen-Gotchi und ich amüsiert am TV-Bildschirm klebten und uns über die heimische Volksverblödung lustig machten – und ich dadurch dann irgendwie endgültig picken geblieben bin und mit der weiteren Folge, dass ich das Bett somit erst um zwei in der Früh belegte – und zusätzlich auch noch vergessen hatte, den Wecker um halb sechs Uhr in der Früh zu deaktivieren – bin ich dementsprechend etwas schlaff aufgewacht und kroch um acht in der Früh durch den Supermarkt – um den Massen zu entgehen.
Aber einfach reingehen und seine Sachen nehmen, zahlen und wieder heim kriechen und man hat seine Ruhe… geht nicht. Denn – da war sie. Die Frau, die ich nicht kannte, die aber an diesem Morgen vor hatte, mein buntes Supermarkt-Glücksgefühl zu zerstören. Mit Vorsatz, ich weiß das!
Der erste Schritt ihres Putschversuches meiner herrschenden Schokoladenabteilung-Glückshormon-Welt war, dass sie sich bereits beim Eingang mit dem Einkaufswagen gleich mal quer stellte und mir gefühlte, lange und mühsame Minuten den Weg versperrte. Was sie tat, entzog sich meiner Kenntniss, aber es war klar – sie versuchte mich auszuschalten. Nachdem wir uns beide irgendwann dann endlich mit dem Einkaufswagen durch die elektronischen Türen gestoßen hatten (die immer mit einer drei-sekündigen Verspätung öffnen – autsch) rollten wir auf getrennten Wegen durch die Reihen der Regale. So. Mir fiel ein, dass ich dringen Milch und Eier kaufen wollte – für die wochenendlichen Palatschinken – und schob mich zum Kühlregal.
Wer stand da? Richtig – die Gute. Und stand prompt vor der Milch und blockierte zudem den Weg zu den Eiern… das Einkaufswagerl quer über den Durchgang stehend, ihre breiten Schultern als zusätzlicher Block und die spitzen Schuhe als Drohung. Ein Durchlassen oder zur Seite schieben gab es nicht, trotz einer hörbaren und kräftigen Aufforderung. Also bin ich den ganzen Weg zurück und versuchte über einen größeren Regal-Umweg einstweilen zu den Eiern zu kommen und während mein Feind ja die Milchpackungen belagerte. Doch… ich wurde ausgetrickst. Sie stand bereits – nach ihrer Abkürzung – dort und studierte wie zufällig natürlich die Eierpackungen intensiv. Ich gesellte mich also zu den Chips und beobachtete sie aus dem Augenwinkel. Fast eine Minute lang… in der Zeit starrte sie nur die Packungen an und tat rein gar nichts. Es war klar – diese Aktion war ein Versuch mich mürbe zu machen. Nun gut – Herausforderungen sind dazu da, sie zu meistern – also bin ich zurück zur Milch. Immerhin – ich war da nun endlich erfolgreich.
Es ging dann wieder zu den Eiern zurück, denn mein Feind war augenscheinlich nun ins Nichts verschwunden – und ich suchte mir eine der Packungen aus. Doch um ganz sicher zu gehen, ob mit der Packung alles in Ordnung war, drehte ich sie mehrfach hin und her und schaute zusätzlich durch das durchsichtige Plastik auf das Produkt meiner Wahl… und fiel prompt einem Anschlag zum Opfer. Denn eines der aufgebrochenen Eier entleerte sich dabei fast vollständig in meinen Jacken-Ärmel. Nur mit viel Glück blieb meine Hose verschont… das konnte kein Zufall sein. Fast hätte sie es geschafft.
Frustriert und leicht fluchend ging es weiter zu den Packungen mit Mehl, Nudeln und sonstigen Teigwaren. Wer stand dort? Richtig. Sie belagerte also bereits die Essensvorräte, versuchte mich damit von der Lebensmittel-Versorgung abzuschneiden, mich auf eine tückische Art und Weise auszuhungern. Und das mitten im Supermarkt. Ich rollte tollkühn und dezent langsam hinter ihr vorbei, um in einem unbeobachteten Moment zuschlagen zu können. Es bedurfte durchaus ein wenig Geduld, doch als sie sich nach rechts lehnte, griff ich blitzschnell nach einer Packung mit glattem Mehl. Zog sofort auch wieder meine Hand zurück und versuchte nun vor ihr bei den Süßigkeiten zu sein – ja, ich weiß… keine Schokolade. Aber von Marzipan hat ja keiner was gesagt (hust). Lassen wir das Thema… Ich weiß nicht, aber sie hatte auch Verbündete – das ist mir auf jeden Fall klar. Denn plötzlich schnitt mir einer der Regalschlichter den Weg mit einer der Kehrputzmaschinen ab. Ich musste also warten… solche Zufälle… und dann…. schlagartig, war sie wieder da. Sie hatte sich über einen anderen Regalweg an das Zielobjekt angepirscht und blockierte abermals den Zugang. Sie stand vor dem Marzipan.
Dieses Mal war ich zu müde für weitere Konflikte, rollte einfach zur Kassa, blieb aber dann leider doch noch einmal kurz stehen und begutachtete die Ausläuferregale von Käse und anderen kulinarischen Köstlichkeiten. Ein fataler Fehler… denn wie könnte es anders sein, mein Feind nützte die Gelegenheit sofort und platzierte sich in der Warteschlange an der Kasse vor mich. Auffallend langsam und träge bewegte sie sich dabei, räumte absichtlich das komplette Förderband voll und blieb dann einfach stehen. Richtig, das Band bewegte sich unablässig, sie blieb stehen. Und zwar solange, bis das Förderband fast wieder leer war und sich vorne alles auftürmte. Und dann schnellte sie nach vorne, räumte alles wieder blitzschnell ein und verließ den Schauplatz des Geschehen. Und ich stand starrend und müde da, wurde von hinten bedrängt, endlich weiter zu machen und stolperte wenige Minuten später aus dem Supermarkt. Sie hätte mich fast gebrochen.
Müde wankte ich also heim und überlegte mir, welche Tricks ich anwenden hätte können… immerhin gab es auch ein wenig Sonnenschein und meine Wohnhöhle war nicht mehr weit entfernt… mmrrrrrr…. doch wer wankte vor mir am Weg – und natürlich mit zwei Einkaufssackerl rechts und links? Jap, da war sie wieder – ich bin dann stagnierend auf der Fahrbahn daneben heimwärts gestolpert.
Beim nächsten Mal lege ich eine Schleuderspur mit Senf in den Regalreihen und Chips mit Katzenfutter gemischt als Fahrsperren. Und werfe saure Würmer nach ihr. Und ja – es ist mir dabei völlig egal, dass sie fast 90 Jahre alt, 1,50 groß ist und schwerhörig.



