Korruption

Nachdem ich mir gerade auf ARTE den Themenabend rund um Berlusconi, Italien, Rom, Neapel, Mafia, Korruption, Medien und Bestechung und Co. anschaue, arbeitet mein Gehirn automatisch weiter und ersetzt diese Wörter sozusagen on fly mit Begriffen aus unserem österreichischen Alltag. Korruption bei uns? Ja – und zwar ständig und überall. Nur nennt man es bei uns freundlicher und verharmlost es mit dem Begriff “Kavaliersdelikt” oder einfach dem Klassiker “Freunderlwirtschaft”. Und dieses letzte Wort macht es tatsächlich etwas “kleiner”, schwächt es sozusagen ab.

Aber wenn man sich mal mit Vernunft und klarem Verstand so umschaut und die Augen aufmacht… welche der großen Vergaben an Bauaufträgen und Co. läuft denn wirklich sauber ab? Vergabe von höheren Posten? Dienstfahrzeuge? Firmenfusionierungen mit geschönten Eckdaten? Doppel-Förderungen? Steuerliche Vergünstigungen? Da und dort mal gegenseitiger Handschlag und am Fiskus vorbei? Gekaufte Gewerkschaften? Zahlenspiele bei den Behörden? Investitionen am Rande der Vernunft? Preiserhöhungen mit gleichzeitiger Gewinnerhöhung? Versteckte Boni? Rechtliche Verantwortung und Straffähigkeit nicht vorhanden? Jaja, all das ist nicht nur in Italien zu finden, sondern auch schon lange bei uns…

Bei uns in Österreich herrschen meiner Meinung nach völlig reale mafiöse Verhältnisse und Netzwerke, die beliebig an den Fäden da und dort ziehen. Einer der Gründe ist die Politik-Verdrossenheit… in Österreich lehnt man sich kaum auf, geht nur zaghaft demonstrieren und rechtlich hält sich sowieso jeder zurück und hakt einfach es als “Ist halt so, kann man eh nix tun” ab. Gegen die Behörden ebenso wenig, denn hier verstrickt man sich in der Bürokratie und einer Zweiklassen-Behandlung. Und im Firmen und Privat-Sektor ist sowieso die Vetternwirtschaft und der allgegenwärtige Grabenkampf zum Alltag geworden – und jeder Akteuer selber irgendwie mit dabei. Speziell in Österreich finden sich ja auch dieses “besonderen” Gruppierungen, geschlossenen Kreisen, Bussi-Bussi-Gesellschaften und “Treuer Gefährte”-Bündnisse… ja, die gibt es überall, aber da unser kleines Land hier so überschaubar ist und man so oder so recht schnell alle durch hat Kontaktemäßig, ist der Sumpf wesentlich kleiner… und umso mehr ist hier der Schulterschluss zu spüren und eigentlich auch zu sehen, sofern man auch hinschaut.

Und trotzdem hat bei uns alles immer dieses spielerische Nestroy-Stück-Feeling einer harmlosen Bauernstück-Bühnenunterhaltung… dieses “Jo mei, is so wies halt is, net!?” Würde man einige der aktuellen Fälle im Finanz- und Politik-Sektor heranziehen und in einer schriftlichen Zusammenfassung das Wort Österreich gegen zum Beispiel (bitte nur als beliebiges Symbol-Beispiel zu verstehen) Rumänien oder Süditalien austauschen – würde sicherlich jeder sagen “Eh klar – Mafia und Korruption, typisch für diese Länder. Dort würde ich nie wohnen wollen”. Dabei spielt sich alles bei uns vor der eigenen Nase ebenso ab und sind sogar im Theaterstück alle dabei – als Darsteller und als das belustigte Volk. Ist ja auch gemütlicher mit Bierbauch und Sudern und “Des woar imma scho so” dem entgegen zu treten.

Der Witz ist – wir gehören zu den reichsten Ländern der Welt und leben so gesehen (trotz aller Schwierigkeiten) noch immer im Luxus – und anstatt es bewahren zu wollen (um mehr davon zu haben), sitzen wir auf den gemütlichen, bestickten Pölstern und schauen zu, wie unser Land aufgezehrt wird, immer weiter da und dort zurückfällt, keinerlei politisches Gewicht nach außen hat in den meisten Fällen, immer auch mal abwarten, was Deutschland macht und wenn Millionen und Milliarden mal so eben schon wieder veruntreut und verspekuliert werden, Postenschacher betrieben wird und Gewerkschaften sich in politischen Theaterstücken herumtreiben, dann sitzen alle zuhause vorm TV-Gerät und lassen sich von poltisch eingefärbten Druckblättern der Boulvard-Presse berieseln – und sind ganz enspannnt, fast ein wenig amüsiert… Wegschauen – das tut man in Italien schon lange. Und wir Österreicher stehen da um nichts nach.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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