Das geht ja schnell – ich habe vorhin per Mail ein Feedback bekommen zu dem Text rund um unsere Politik. Ich habe jetzt kurz überlegt, ob ich das schreiben oder veröffentlichen soll – aber man soll sich ja Kritik stellen. Also in entschäfter und eingedeutschter Form war die Frage oder Erkenntnis, dass ich ebenfalls “Nutznießer in unserem Land bin und genauso den Luxus beanspruche – beginnt bereits bei meinen Computern – ich als IT-Freak -, der auf Kosten von Billiglohn-Arbeitern in Armutsgebieten produziert wird” sowie dass man “mich selten wo auf der Bühne stehen sieht und ich dabei die Missstände anprangere”.
Stimmt. Das an die eigene Nase greifen, soll man nie vergessen. Aber das habe ich bereits schon mal früher geschrieben – ich gehöre tatsächlich, im Gesamten gesehen, zu den wenigen Menschen auf dieser Erde, die das Glück haben, NICHT in einem Armutsgebiet zu leben oder deren Alltag NICHT mit kriegerischen, politisch-, wirtschaftlich- oder religiös-motivierten Auseinandersetzungen gewaltsam durchsetzt ist. Ich lebe wie die meisten von uns in einem sehr ruhigen, wohlstandsgefütterten Bequem-und-Zurücklehn-Land und kann beispielsweise diese Blogeinträge schreiben, ohne verhaftet zu werden – wie es ja vielen Bloggern in anderen Ländern schon passiert ist (in China werden gerade SMS bzw. das Kurzwort “Jasmin” gefiltert und strafbar gemacht – das Wort steht als Synonym für Demonstration). Und nutze damit und dabei auch die materiellen und humanen Ressourcen, Menschen und Systeme anderer Länder, die auf Grund dessen arm oder leer gebeute(l)t sind und werden und kann groß über das “sich auflehnen” schreiben und darüber philosophieren.
Dabei beispielsweise auch der Hinweis auf meine Genießersucht in Bezug auf Schokolade und diesen [Videos](http://www.muli.nl/Diverses/2011-02-11-Schokolade.html) hier – eine große Diskrepanz der Ansichten und meiner eigenen Lebensweise.
Somit ist jede Kritik gerechtfertigt (man kann aber dabei bitte auch eine Spur höflicher bleiben
, denn sie gilt für uns alle – und ja, ich bin nicht die Person, die den nächsten Tisch schnappt und alias einem Lenin große Reden schwingt und die Arbeitermassen real mobilisiert… nein, das bin ich nicht. Aber ich versuche wenigstens, etwas vom System zu verstehen und schreibe und sage sie auch offen hier in diesem Blog. Diese Ansichten vertrete ich und stehe auch dahinter – auch wenn sie vielleicht mal widersprüchlich sind oder ich gar im Irrtum bin. Für solche Fälle ist es gut, dass es wieder Kommentare gibt – freier und auf Wunsch anonymer Diskussionsraum – solange es höflich und sachlich bleibt!
Wenigstens oder immerhin. Ist kein Ersatz oder Freischein wie in der Politik oder Wirtschaft oftmals, aber ich sage – etwas provokant: besser bisschen als gar nicht(s). Und dieses “gar nichts” ist hier bei uns und im Umkreis wesentlich stärker vertreten als das “bisschen”.
Tut es gut, über Politik offen in seinem privaten Blog zu schreiben? Oder über Bereicherungssysteme unserer Alltagswirtschaft? Diese Dinge könn(t)en mir privat als auch beruflich mal das Bein stellen… aber da wäre auch ein Punkt, wo ich sage – dann ist dem eben so. Das was ich hier schreibe, meine ich so – aber auch natürlich mit der Option es zu berichtigen, wenn ich im Irrtum oder auch mal geblendet bin. Und wäre ich eine Spur mutiger im Leben als Charakter, würde ich sicherlich wesentlich vehementer auf der “Lebensbühne” stehen (wollen) und versuchen zu mobilisieren – nur das ist tatsächlich etwas, das theoretisch hier im Blog gut klappt – in der Praxis eine enorme Hürde.
Aber wie unlängst von einem Krebspaptienten (?) bei einer Reportage angeführt – unheilbar krank, konnte kaum sprechen und liegt praktisch im Sterben – “Jeder von uns ist wie ein Tropfen. Fällt einer herunter, spürt man ihn nicht beziehungsweise ist er unbedeutend. Regnet es aber, spürt man jeden dieser Tropfen” und “Der Ozean besteht aus diesen Tropfen…. somit hat jeder seine Bedeutung”. Nicht wortwörtlich, weil ich es vergessen habe und an den Wortlaut nicht mehr erinnern kann (oder hab ich’s eh schon mal gebloggt?).
Umgeformt – kleine Tropfen können Flüsse füllen, die wiederum ganze Ozeane. Würde also jeder von uns ein bisschen “rumtropfen”, würde man es spüren…



