Ich glaube ich bin anders als alle anderen… Aber – auch alle anderen glauben, sie sind anders als ich. Und alle glauben, dass sie anders sind als die anderen. Genauso wie alle ich’s glauben, dass sie anders sind, als alle anderen ich’s. Sinnloses Geschwafel. Warum komme ich überhaupt darauf… vermutlich weil ich im Browser eigentlich ein völlig anderes Video öffnen wollte, aber der Verlauf meiner besuchten Webseiten das hier aus spuckte:
Und ich dürfte recht alleine mit diesem “Mag das.” sein, denn schon vor etlichen Monaten konnte ich mir anhören, dass es praktisch allen anderen nicht gefällt. Weder die Musik, noch der Stil, noch überhaupt irgendwas. Ja, die Band noch deren Sängerin verkörpert weder das 14-jährige-Lolita-Upskirt-Image noch das Bon-Jovi-Coolness-Party-Leben. Es ist eben anders. Aber gut, Geschmäcker eben… so verschieden wie dunkle und helle Schokolade. Warum mir das Video gefällt ist recht simpel eigentlich – weil es einer Fotostrecke ähnlich ist. Ich sehe da immer Einzelbilder oder Elemente, die ich im Kopf dann neu kompositioniere und zu neuen Bildern und Filmen forme. Da macht es nichts, wenn wo mal etwas nicht perfekt ist, denn solche Elemente kann man ausblenden – oder sie bereichern es auf eine gute Art und Weise.
Vielleicht ist das auch ein Grund, warum mir das Video, oder besser gesagt die “Band”, aus dem vorherigen Posting gefällt (der und die südafrikanischen White-Ironic-Rapper da). Nicht weil es einfach nur anders ist, sondern weil es anders ist. Anders als das anders. Es ist ein Unterschied, ob man etwas nur anders macht, damit es eben anders als die Anderen ist, oder ob man einfach was macht – und egal was rauskommt, man das Ergebnis einfach akzeptiert. Und das ist dann meistens auch “anders” eben. Und die sind dann auch gut. Sei Du selbst. Oder so.
Ein weiterer Grund mehr übrigens, warum mir uncentral-uneuropean-unaside-Filme generell besser gefallen. Egal ob Musik-, Krimi-, Thriller-, Romanz- oder die dort vermehrt vorkommenden Es-ist-einfach-sein-Leben-und-mehr-gibts-nicht-zu-sehen-Filme. Kann sein, dass es auch einfach an den Landschaften liegt. Jeder der mich näher kennt, weiß, dass ich sofort in ein Landschaftsbild ziehen würde, dass aus einer Mischung von Malta, Südfrankreich, Kalabrien, Algerien, Afghanistan und Sylt besteht.
Ich mag sehr weite Landschaften, aber am besten solche, die recht nahe und unmittelbar majestätische, zerklüfte Felsen und Berge besitzen, wo dennoch weite Wiesenlandschaften mit einer Form von Kargheit und Pflanzenreichtum zugleich zu finden ist. Wo das Meer in Sichtweite mit Naturgewalt den Rand des Festlandes bearbeitet und zugleich stille Seen, eingebettet in sanfte Wiesentäler… durchsetzt aber genauso von der Hitze, Sand, Staub und braungefärbter Trockenheit, die ein südliches Flair verbreitet und zudem auch noch eine Mischung zwischen Einsamkeit und der Lebendigkeit einer kleinen franzözischen Altstadt wie Avignon verkörpert. Ein Wetter, das von Regen, tiefen Wolken und Nebelschwaden durchzogen ist und eine Ruhe und Stille mit sich bringt, abgelöst durch kräftigen Sonnenschein, der sich sanft und dezent-heiß auf die Haut legt und das Grillenzirpen in der Mittagshitze bei blauen Himmel am Meer verstärkt und wo die zerklüftete Landschaft in der Ferne flimmert und die Lippen vertrocknet.
Und ein weiterer Grund, warum mir Produktionen aus diesen Ländern besser gefallen, ist, dass deren Charaktere auf eine gesunde Art und Weise zumeist Versager oder vom Leben gebeutelt sind, ausgelöst durch die kulturelle Mentalität selber oder als Versinnbildlichung diverser Klischees – und dennoch die Hauptrolle spielen. Klar, tiefenpsychologisch gesehen kein Wunder, aber was solls. Hoffnungsfunken-Klammern tut schließlich jeder und hält ja auch die Menschheit am Leben.
Außerdem mag ich nordischen und südländischen Spiel-Filme, weil sie einerseits eine unglaubliche Ruhe und Nüchternheit ausstrahlen, die einfach dem Alltags-Realismus entspringt und damit unverfälscht wirkt, und zugleich aber auch die emotionale, entweder sehr tiefenwirksame, minimale Entfaltung, die mit der Psyche spielt oder das andere Extrem, die hervorquellenden Emotionen wie bei einem Gysir, die das ruhige Bild von einer Minute auf die andere sprengen können und den Abgrund dahinter frei legen. Aber das ganze mit viel weniger Make-Up als bei den Holly und Bollywoods. Aber klar – es gibt natürlich genauso katastrophale, schlechte Filme von dort. Egal ob sie von oben oder unten. sind. Aber so oder so, sie sind anders. Und das mag ich.
Und schon auch aus dem Grund – um beim Gebetsmühlen-Leiern zu bleiben – möchte und werde ich auch anders bleiben. Es soll mir schnuppe sein, was man über mich denkt oder sagt. Wie gesagt – “soll”. Lernfaktor. Ich bin wie ich bin und werde auch deshalb mein Ding machen. Und wenn mein Ding gegen die Wand fährt und ich daneben liege und nicht mehr aufstehen kann… dann weiß ich wenigstens, es war mein Ding. Wertvoller und damit – auch wenn es widersprüchlich klingt – entbehrlicher, als das Ding von anderen. Denn ist meines. Meine Sandburg. Und nicht Deine. Und wenn mal das Leben zu Ende geht, dann will ich sagen “Schau, das ist meine Sandburg, zwar klein und etwas schief und sie bröckelt überall und die nächste Flut wird sie auslöschen… aber die habe ich mit meinen Händen gemacht. Mit meinen EIGENEN Händen.” Und mich nicht bequem zu einer anderen gesetzt oder hineingelegt, die irgendwann jemand anderer gemacht hat, nur damit ich nichts tun muss. Wobei – jeder wie er will. Ich will quasi mein Leben zu 100% selber gestalten und nicht darin treiben. Sinnlos, ja ich weiß. Und ein “prinzipiell gegen die Wand fahren”. Ja, ich weiß. Und es tut nicht gut… dem äußeren Bild. Aber meinem inneren Ich schon. Und mit dem muss ich ja schließlich tagtäglich leben und auskommen.
So, wie man sieht, kann man mit einem nordischen Musikvideo mal schnell in den Süden stürzen und sich dann um sein Leben drehen. Vielleicht mache ich da mal besser Schluss… aja, und ich mag auch japanische Yakuza-Filme und Hello-Kitty-Schoolgirl-Pornos, aber das passt hier sogesehen stilistisch ja nun so gar nicht rein, deswegen blenden wir das mal ganz undezent weg. Soll ja schließlich elegant wirken. Redefluss Ende.



