Das Thema wiedermal. Jaja, der übliche Dauerbrenner. Heute hatte ich darüber eine content-bezogenen Diskussion mit Sonnenschein in einem amerikanischen Fast-Coffe-Shop mit dem grünen Logo in fetten Sofas. Worin liegt der Vorteil, worin liegt der Nachteil und warum ist es eh viel besser Single zu sein und überhaupt… Nein.
A) Es hat keinen Vorteil Dauersingle zu sein. Da könnt ihr alle daran herumschrauben soviel ihr wollt, der Vorteil ist zu gering. Natürlich, es kratzt niemanden, wann man aufsteht, wann man sich die Zähne putzt, wie oft man seine textile Beschichtung wechselt oder wäscht und man kann sich unterhalten mit wem man mag (sprich flirten und primitivst offenkundig angraben), man kann ruhige Stunden verbringen, ohne, dass man seinem Hasiputzimausi groß und breit erklären muss, warum man gerade so gar keinen Bock hat es zu sehen, man kann anderen wohlgeformten humanen Lebewesen nachblicken (also primitiv nachgaffen) oder blöde Frauen/Männer-feindliche Sprüche schieben, ohne sich in tiefenpsychologische Diskussionen von Gleichberechtigung und Evolution zu verlieren. Auch so ein Valentinstag oder andere soziale Party-Massen-Bangs gehen da angenehm an einem spurlos und amüsant sowie unberührt vorbei. Man muss sich nicht um unnötige Satzphrasen kümmern, nur weil der andere dann angebissen ist, weil das ein Um-vier-Ecken-Kompliment war, welches nicht verstanden wurde, man muss dem anderen nicht beim Nasebohren zuschauen oder mit einem “Fuck?” da sitzen, nur weil man im Browserverlauf unbekannte Pornoseiten findet – und man steuert keinem finanziellen Ruin zu, nur weil man mal in einer Therme alias Julius Cäsar zu zweit abchillt oder sich dort einen Kaffeeschlurf gönnt, der mit Blattgold beklebten Klopapier kostenmäßig gleichzusetzen ist.
B) Man weiß genau, von was man redet. Das von vielen Seiten geäußerte Argument “Wenn Du eine Beziehung hättest, würdest Du das angenehme Single-Dasein erst recht zu schätzen wissen” ist nicht richtig. Vor allem dann, wenn einem das viele Gesichter erklären, die selber zufällig fast durchgehend von einer zur nächsten Beziehung leben und wo schon sechs Monate ohne Sex und Bussi-Drück ein Fiasko ist. Genau. Single-Dasein heißt, an einer bescheuerten Grafik einen ganzen Tag zu arbeiten und sie am Ende des Tages wieder zu löschen – ohne, dass ein “Wow, toll Schatz – schön, da hast Du viel Zeit investiert hast, schaut nett aus! Weiter so.” kommt. Nein, denn da kommt nur der Blick in den Spiegel, der einem müden Wasserleichen-Foto einer Vermissten-Seite gleicht, da gibt es kein romantisches Abendessen mit Kerzenlicht in den Anfängen des behutsamen Kennenlernens, mit glirrenden Weingläsern, sondern nur das Gejaule, weil das Katzen-Tier-Depp wiedermal zu blöd war, um zu kapieren, dass man den Schwanz nicht auf die Teelichter legt und es dabei bitte nicht auch noch die Gläser runterschmeißt, da liegt man am Abend im Bett – alleine – und kann sich aussuchen, welchen der beiden vollgesabberten Polster man heute Nacht nimmt… anstatt sich in den Haaren des anderen zu schmiegen, da gibt es niemanden, der einem den Nacken krault oder massiert oder der in der Früh nackt vor einem steht, so dass man sich denkt, ach was – eine Stunde später los und dann wird mal halt gekündigt ist doch auch völlig piepegal, komm besser jetzt her, Du Kuschelkatze.
Und vor allem – im Gegensatz zum hochgelobten und gelebten Single-Dasein: eine Beziehung kann ich jederzeit beenden, wegwerfen, stilllegen, auslaufen lassen, per SMS kündigen oder öffentlich auf Facebook den Beziehungsstatus auf Single ändern und den anderen ein Messer in das Herz rammen. Man kann damit tatsächlich gesehen immer Schluß machen und jederzeit wieder in das freie, wilde Partyleben-ich-spiele-die-ganze-Nacht-Supermario-Games-und-keinen-kratzt-es zurückkehren. Da ist höchstens eine emotionale Ebene vorhanden, die es dann eventuell zu überwinden gibt… aber Fakt ist: man kann jederzeit eine Beziehung beenden und wieder Single sein. IMMER. Aber das “Singel-sein”, das kann man nicht von heute auf morgen mal so nebenbei schnell beenden. Abgesehen vom Straßenstrich, der meine Wohngegend kreisförmig flankiert und in der Dunkelheit lange, glänzende Beine, blutjunge Milch-Mädchen und blinkende Bar-Lichter sowie den in den Handtaschen steckenden kleine Radios mit dröhnenden Balkanlieder hervorblitzen lässt und wo deren in “Anspruch nehmen” jedoch aber sogar mir als Anti-Moral-Wo-sind-die-hot-Girls-long-legs-am-Cover-Mensch die Lust dran vergeht, wenn man so tagtäglich schaut, wie grausige primitiv fette BMW- und Mercedes-Familien-Väter-Fahrer sich dort ihren Lolita-Kick holen und diese armen Seelen ausbeuten, naja – dann bleibt nicht viel übrig. Und mal eben in die Stadt kippen und sich dort im Dreieck des Pseudo-Bermudas eine abgesoffene Schülerin-Schnapsdrossel holen, ist ja auch nicht das Wahre.
Eine richtige Frau, mit Verstand, Witz, Intelligenz, Eigenständigkeit, breitem Wissen und Offenheit für das Leben und Kulturen – und mit viel Bonus und Glück auch noch hübsch – sowas “hebt” man nicht einfach so nebenbei irgendwo auf und nimmt “es” mit. Sowas muss man kennenlernen, sich annhäheren, ein wenig spielen und flirten und mit noch mehr Glück gibts dann irgendwo diesen Kurzschluss und eine Berührung ist dann plötzlich wie ein abrauchender FI-Schalter, der sein Leben aushaucht und dessen Schein sich stattdessen in Kerzenlichter verwandelt. Aber – so eine muss man mal finden… und wenn man sie gefunden hat, dann muss die natürlich auch wollen. Und frei sein. Und so weiter und so fort. Tja… damit wären wir wieder beim Single-Dasein.
Nur eines stimmt – ich bin generell ein freier Wolf, der am liebsten alleine durch die Lebens-Wälder streift und am liebsten so ungebunden wie nur irgendwie möglich ist, ohne, dass einem jemand an der Leine führt oder verlangt, ich muss jetzt das oder das machen. Das geht nämlich schon gar nicht – ich alter Sturkopf. Insofern bin ich tatsächlich nicht Beziehungstauglich und kann die Vorzüge des Single-Daseins ernsthaft voll ausleben. Nur das ist wie mit dem Essen. Man kann sich auch sein Leben lang nur von Reis ernäheren und überleben und vor Gesundheit strahlen… aber hin und wieder zumindest ein Schokodessert tut schon gut. Und wenn es dann nicht aus den Händen einer Schoko/Menschen-Mafia ist, umso besser. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ja doch etwas wertvolles und eh nur temporär. Single sein geht allerdings immer. Kostenlos ist es auch noch.
Übrigens – weil es heute auch aufgeworfen wurde und am WE auch bereits… Nein, bitte – schminkt Euch das ab. Es gibt KEINE 100%-pure-Freundschaft zwischen Mann und Frau. Das ist ein Blödsinn und ein Pseudo-idyllischer-Moral-Glauben. Männer und Frauen können nicht miteinander NUR befreundet sein, sie können nur den aktuellen Ist-Stand des anderen tolerieren oder damit leben. In einer Freundschaft zwischen Mann und Frau spielt immer auf mindestens einer der beiden Seiten irgendein zusätzlicher kleiner Bonus-Punkt an “Wenn’s-geht-würde-ich-Dich-nackt-ausziehen-und-auffuttern” mit. Speziell von Mann an Frau. Und Frauen sind dann immer ganz oft verwundert “Ich war so überrascht, ich hab das gar nicht gemerkt, der? Der doch nicht… den kenne ich doch schon so lange, wir haben doch eine so schöne Freundschaft, usw….” – irgendwie lustig. Als ob das wirklich immer so eine Überraschung wäre!?
Also zusammengefasst: Dauersingle-Sein ist Mist. Dauerbeziehungs-wir-heiraten-und-sterben-gemeinsam-egal-was-passiert-und-betrügen-uns-aber-sowieso-trotzdem-reden-aber-nicht-drüber-um-den-Glücksschein-zu-wahren ist genauso Mist. Ein bisschen Single da, ein bisschen Sex da, ein bisschen Beziehung da – DAS ist der Stein der Weisen. Ungebunden gebunden ungebundenlos. Und Freundschaften haben zu 50% Freund und zu 50% “Zieh-Dich-bitte-endlich-aus” dahinter – wer dabei auf welcher Seite steht ist unterschiedlich oder auch mal durchschüttelt vermischt aufgeteilt. Im schlimmsten Fall 99 : 1. So… noch Fragen?!



