Und alle wollen das Gleiche. Erfolg, Geld, Glück, Liebe und Zukunft. Ich bin bei meinen morgenlichen Streifzügen in diversen Blogs heute auf das Youtube-Video bei Gilly gestoßen. Man vergisst wirklich schnell und oft, dass man sowas von *nicht unikat* ist, sondern wirklich nur ein kleiner Punkt in einer gewaltigen Masse. Und dass sich das Leben, die Menschheit und die Zukunft auch dann fortsetzen, wenn man als eigener Punkt mal nicht mehr ist.
Auf Wikipedia habe ich das Bild von Zara Seemann gefunden – es verkörpert recht gut, dass *da noch mehr ist*. Nehmen wir das Beispiel Wien – meine Heimatstadt. Man kann hier bequem durch die Innenstadt spazieren, dabei tausende und abertausende Touristen beobachten, die wie wild jedes Haus und jeden Fahrschein-Automaten abfotografieren. Die wuchtige, schwere Oper, das Parlament, die Kunsthalle, die Museen, die Pavillions… und auch die großen Events, Film-Festivals, Orchester, Bühnen, Opern-Aufführungen und so weiter und so fort. Wirtschaftsmetropole da, Kunst und Handwerk dort, Klassik und Innovation hier. Es gibt alles und alles und Wien ist sicherlich einer der Städte mit der besten Lebensqualität.
Aber man vergisst dann auch so nebenbei, dass wir zwar ein Sammelbecken vieler Kulturen und Gedanken, Träume und WÜnschen sind, aber diese “Welt” praktisch in jeder anderen Stadt ebenfalls vorhanden ist und ebenso gelebt wird. In jeder Stadt läuft ein kleiner Emanuel herum und sieht seine Umgebung als “den zentralen Punkt” seiner Erfahrungswelt und unbewusst damit auch als “Herz” des Lebens auf dieser Erde im Gesamten. Man muss sich das mal vorstellen – in unglaublich vielen tausenden Städten und Metropolen weltweit steht jemand auf in der Früh und sieht um sich den Kern der Menschheit – in seiner Wahrnehmung. Überall findet gerade gleichzeitig ein Konzert statt, eine Film-Prämiere, eine Sport-Veranstaltung oder auch einfach ein Ausflug am Stadtrand… und jeder dieser Besucher hat (hoffentlich) das Gefühl, dass er beispielsweise gerade das beste und tollste Konzert dieser Erde sieht.
Und praktisch jeder der 7 Milliarden Menschen steht in der Früh auf und hofft, dass er derjenige ist, der Erfolg im Alltag hat. Dass nur er die wahre Liebe gefunden hat. Das sein Gegenüber einzigartig und der beste Freund oder Freundin, Geliebte/r oder Ehefrau/Ehemann auf der Welt ist. Dass er oder sie am besten singen kann, am besten tanzen, schreiben, denken, organisieren und so weiter kann… genau er oder sie gerade jetzt die Idee hatte, die noch niemanden sonst gekommen ist. Oder das Verständnis der Welt erfasst hat… als Erster.
Es ist einerseits erschreckend und andererseits auch faszinierend, wenn man sich das mal wirklich bewusst macht und auf einen einwirken lässt. Jedes Leben und jede Stadt stellt seinen eigenen Mittelpunkt da, in jeder Sekunde streben alle nach dem gleichen Ziel und in jeder Sekunden denken sich Millionen oder Milliarden Menschen: “Ich… und die Welt um mich herum”. In jeder Stadt und jedem Land gibt es eigene Stars, Pop-Musiker, Film-Darsteller und politische Zentralfiguren. Eigene meistgelesene Zeitschriften, erfolgreiche TV-Sendungen und so weiter und so fort.
Wiedermal bewusst ist mir das auch unlängst bei einer TV-Reportage geworden, als eine “Stadt” gezeigt wurde, die mit all ihren Flächen und Ausuferungen und Umgebung (praktisch Fläche Österreichs) als einer der größten “administrativen Städte” gehandhabt wird: Chongqing mit knapp 32 Millionen Bewohnern. Schon mal davon gehört? Ich nämlich nicht… Auch wenn es sich hier nicht um eine direkte Stadt im normalen Verständnis handelt – Fakt ist: ich hatte weder den Namen noch deren Ausmaße bis dato je gesehen oder davon gehört. Dabei sind das jetzt nicht gerade wenige Menschen (oder sollte man sagen Mitbewerber?). Nimmt man eine richtige, klassische Metrople wie Tokyo (siehe Bild oben) dann sind es aber ebenfalls 37,5 Millionen Menschen dicht gedrängt. Und das sollte man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen und mal innerlich verbildlichen. Im Gegensatz dazu ist die “weltberühmte Wiener Metropole” wirklich ein kleines Dorf. Und alle paar Sekunden denken sich zahlreiche Mütter und Väter weltweit, dass ihr Kind das Herrlichste auf der Welt ist und ebenso zahlreiche, dass gerade einer der liebsten Menschen dieser Erde gestorben ist. Jede einzelne Sekunde. Weltweit.



