Ich habe leider den Fehler gemacht und bin einem Blogeintrag gefolgt, wo es darum ging, ob es *das* oder *der* Blog heißt. Bei uns in Österreich heißt es zumeist durchgängig *der* Blog, in Deutschland historisch abgeleitet von Weblog (Logbuch) *das* Blog. Das Blog ist so gesehen natürlich richtiger… Die Diskussionen und Initiativen dazu sind jedoch erstaunlich, belustigend, amüsant und auch nervtötend. Ich gebe nur meinen Senf kurz dazu ab, bei mir heißt es dennoch *der* Blog, ganz einfach weil es in meiner “Region” üblich ist und sich auch beinahe standardisiert hat – und ich es zudem als eigenständiges Wort betrachte. Als Fantasie-Kreation und Kurzform eines englischen Wortes, das ich auch als “neu” sehe – deswegen zerbreche ich mir da nicht den Kopf. Genauso wenig wie über den Unterschied von das Joghurt oder der Joghurt, der Quark, das Quark und vieles mehr.
Ich finde generell, dass dieses ganze Sprachregel-System einfach zu technisch und zu krampfhaft betrachtet wird. Sprache war und ist immer schon ein dynamisches Ding gewesen – das in ein Korsett zu sperren und Regeln zu unterwerfen finde ich traurig. Natürlich – Kulturen und Mentalitäten sind hier verbunden, historische Elemente wollen erhaltet werden – aber ganz ehrlich… da müsste man sich schon die Wiener, die Tiroler, die Bayern, die Schweizer und Co. mal schnappen und sich deren Satzbau und Co. näher anschauen und vergleichen. Alleine da gibt es unglaublich viele Varianten – und trotzdem sind sie nicht “falsch”. Es ist einfach Sprache, die auch leben soll und auch ruhig geformt werden darf… man findet schon zusammen. Und die “neue deutsche Sprache” und Regelwerke würden jemanden aus dem 18. Jahrhundert auch schmerzen.
Der Witz ist ja, dass sprachliche Missverständnisse eher dadurch entstehen, dass man sie zu starken, festen Regeln unterwirft – ich bin der Meinung bei mehr Dynamik werden oder würden die Grenzen viel offener. Außerdem ist der ständige “Flow” in der Sprache sowieso nicht vermeidbar und fast natürlich. Und die Natur siegt immer.
Abseits von diesem Thema, das man stundenlang diskutieren kann, bin ich bei etlichen der klassischen und grausigen SEO-Spam-Blogs über die belustigenden Einträge zu “Wie blogge ich richtig? Wie wird mein Blog zum Erfolg? Wie schreibe ich richtig Blogs?” gestoßen. Es tut so weh. Ich verstehe nicht, warum auch hier immer alle krampfhaft versuchen, Regelwerke aufzustellen. “Nur so bloggt man. Nur so wird es ein Erfolg. Nur so ist man ein Profi…” Hallo? Es gibt da kein richtig und falsch – warum will das niemand sehen?
Da stehen auch die Klassiker-Fad-Schnarch-Sprüche drinnen, wie “Schreiben Sie nicht zu lange Beiträge”. Die gehören ja überhaupt verboten – meiner Meinung nach. Ganz ehrlich – dieser neue Trend, dass nichts zu lange sein darf, bloß nicht mehr als eine Zeile lang sein soll und man unbedingt einfache Wörter verwendet – genau dieser Ansatz lässt alle “verblöden”. Die meisten, die zum Beispiel den Blog hier sehen, werden vermutlich überfordert sein wegen der “sooo langen Einträge”. Es ist etwas anderes, wenn man sagt “Ich habe nicht soviel Zeit, das alles zu lesen”… das ist ok und hat mein vollstes Verständnis. Aber viele scheitern eher daran, dass sie dem Text nicht “folgen” können, den Faden verlieren und bei Sätzen mit drei Zeilen nicht mehr wissen, was am Anfang stand. Sie sind einfach überfordert. Seltsamerweise war das in der vorigen Generation nicht so – da gab es auch noch richtige Bücher, Erzählungen, Geschichten, Romane und vieles mehr… die auch wertvoll in ihrem sprachlichen Aufbau waren. Man vergleiche einen Generations-Leser dieser Bücher und einen Nicht-Buch-Leser mal sprachlich in ihren Wort-Variationen… Lesen und Schreiben bildet, nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich. Und Bildung führt zur Erkenntnis.
Aber sinnergreifendes Lesen ist ja sowieso out. Beinahe verpönt. Fremdwörter und lange Wörter sowieso. Am besten einfach, kurz und in “Leichter Lesen”-Form. Habe ich eh schon mal beklagt hier im Blog – oder sogar öfter. Traurig – denn diese Generation stumpft ab. Und das sage ich als absoluter Anti-Grammatik- und Sprach-Regel-Gegner. Ich weiß bis heute weder was ein Substantiv, Adjektiv, Konjunktiv, Akkusativ und Co. ist. Ja, haltet Euch fest… wirklich…. und es kratzt mich auch nicht mal ansatzweise. Ich kann trotzdem schreiben, hatte in Deutsch sogar einen Einser und kann, wenn ich will, mich auch durchaus gewählt und nasal ausdrücken. Wozu muss man das also alles wissen? Einfach lernen durch Sprechen. Und aus. Im Gegenteil – mich hat in der Schule das langweilige Konjungieren (???) extrem gebremst und behindert… und den Spass gekostet. In der Zeit könnte man besser literarisch wertvolle und spannende Bücher in der Gruppe und Gemeinschaft lesen. Die Grammatik-Regeln haben mich auch in Französisch anno dazumal scheitern lassen. Jahrelang nur von einer Grammatik-Regel zur nächsten. Ganz ehrlich? Ich lerne in ein paar Wochen mehr “Sprache”, wenn ich mich in einem französischem Untergrund-Forum herumtreibe, in dem es um Mangas geht – als in einem klassischen Schuljahr mit einem Grammatik-Buch.
Aso – abgedriftet (abgetrieben) – bloggen kann man nicht lernen. Man kann bloggen nur “wollen”. Egal was man bloggt, welche Sprache man in welcher Form spricht… man kann immer etwas Schreiben und es wird sicherlich auch immer Menschen geben, die es interessiert. Das eine Thema mehr, das Andere weniger. Und wer Erfolg haben will, passt seinen Inhalt dementsprechend und mit Bauchgefühl an. Gilt für Anzahl der Absätze, Bilder und Formatierung genauso.
Nach den klassischen Ratgebern wäre dieser Eintrag übrigens zu lange, die Sätze sind zu kompliziert, es fehlt der Anfang, der Kern und das Ende im klassischen Sinn, es werden komplizierte Wörter verwendet und die Formatierung ist schlecht gewählt, ein Bild fehlt sowieso und das Thema ist sterbenslangweilig. Aber hey… ich blogge! Gröl!



