Schreiben und der Katzenjammer

Nach dem kurzen technischen Abdriften und dem sich sinnlosen Beschäftigen mit dem Nichts und einem hin und her, was in Wirklichkeit nur sowas wie eine Beschäftigungstherapie ist, weil man andere Sachen nicht erledigen möchte, wollte ich jetzt eigentlich wieder was gedankliches Schreiben. Aber das gelingt mir gerade nicht.

Einerseits bin ich zu müde, was natürlich einfach daran liegt, dass ich zu lange auf war letzte Nacht (wir reden hier von 2 Uhr Früh und einem sehr aktiven, munteren Gehirn) und ich durch einen völlig schwachsinnigen Film, den ich mir während des nächtlichen Abhängens anschaute, die Augen ein wenig runiniert habe (staubtrocken), und andererseits auch, weil ich mir abgewöhnen sollte, vorher andere Blogs durchzulesen – denn wenn dann jemand schreibt, wie er gerade mit seinem Sein und Leben umgeht – und man wollte genau das Gleiche schreiben… dann klappt das nicht. Man will ja jetzt nicht genau das Gleiche von sich werfen – auch wenn es keiner weiß, in sich drinnen funktioniert das bei mir einfach nicht.

Übrigens habe ich gestern in einem Kommentar auf einer Webseite das Zitat gelesen “Blogger sind sowieso nur eitel, völlig sinnlos und unnötig alles. Wer bloggt, bloggt nur um sich zu – zensiert -. Facebook, Twitter und Blogs – alle das Selbe. Unnötig.”. Mh. Ok. Das ist mal wieder die Würze des Alltags, die diesen leichten, bitteren Nachgeschmack verursacht, wenn man mit Kulleraugen zu Bett geht. Eigentlich würde ich gerne schreiben, dass man diesen ungebildeten Flegel einfach in ‘Mad Max’-Manier vorne an einen Trash-LKW schnallen sollte und damit dann gegen eine Wand fährt, aber so was gehört sich nicht online und eine solche Meinung offen in seinen Blog zu schreiben empfiehlt sich ebenso nicht, deswegen schreibe ich es auch nicht. Sondern, viel humaner, hinterlasse ich meine Senfspur, in dem ich sage, dass es vielleicht sogar stimmt, aber nicht aus Eitelkeit (na Mahlzeit), sondern des Teilens wegen. In erster Linie mit sich selber, aber natürlich auch – und jetzt aufgepasst – mit anderen, weil – festhalten – der Mensch sozial ist.

Ich weiß, ich weiß… eine kühne Behauptung. Und jeder der einmal beim Supermarkt einkaufen war an einem Samstag Vormittag in Wien, weiß, dass das Wort “sozial” nur so ein Pseudo-Nasales-Blabla-Gesülze ist. Da wird eher gemordet und geschlagen, bevor jemand den anderen bei der Kassa vorlässt. Aber dennoch, heruntergebrochen auf eine wohlgemeinte Weltanschauung, will man doch nur seinen Mist los werden, in der insgeheimen Hoffnung, dass ihn die anderen total super finden, und man damit etwas Zuneigung bekommt. Privates Bloggen hat also was von “Ich schreibe mir meinen eigenen Teddybären”, den Teddy, der durch die Leserschaft geformt wird. Gibt natürlich auch Masochisten darunter bei den Schreibern und noch andere, aber im Großen und Ganzen geht es doch nur um das “Och, lieb!”. Gut, mehr gibt’s da eh nicht zu sagen.

So, eigentlich – so ganz eigentlich – wollte ich festhalten, dass mich meine Katzen wiedermal fertig machen. Aber so richtig. Denn heute wurde beim Haus gegenüber der Baukran abgebaut – heißt detaillierter, dass tonnenschwere Bauteile nur einen Meter vor dem Fenster vorbei schwebten… stundenlang, Stück für Stück. So weit, so gut. Selber sitzt man Computer und versifft den Tag vor elektronischen Bytes, während die Katzen daneben auf kleinen Pölsterchen ihrem üblichen Ich-schlaf-mich-tot-Schlaf widmen. Zur Abwechslung – habe ich mir zumindest gedacht – wollte ich ihnen dieses tolle Abenteuer vor den Fenstern zeigen… das muss sie ja auch irgendwie beeindrucken. Dachte ich.

Aber keine Chance. Egal was ich angestellt habe, sie haben immer – IMMER – im genau falschen Moment weggeschaut. Man muss sich das vorstellen. Da schwebt ein Haken am Fenster vorbei, der alleine beinahe so groß ist wie ich selber… und die Katzen sehen es nicht. Oder wollen nicht. Das ging fast 20 Mal so und jedesmal schauten sie immer nur dann aus den Fenstern, wenn der mobile Abbau-Kran gerade ruhte. JEDESMAL. Ich habe dann sogar versucht – natürlich mit zarten Fluffi-Händchen – die Katzen dazu zu zwing…. bitten, JETZT hinzuschauen. Keine Chance. Immer um ein paar Sekunden zu früh oder zu spät.

Und ich kann Euch was sagen – sowas kann einem unglaublich fertig machen. Aber so richtig. Psychisch, mental, nervenmäßig. Am Ende sitzt man total fertig, angefressen, gereizt, zittrig und ermattet wieder da, schnauzt alle an und die Katzen schlafen bereits wieder fest und eingerollt vor sich hin – und das letzte Bauelement schwebt wie eine Taubenfeder am Fenster vorbei. Streßbedingter Hirnschlag lässt da grüßen. Ganz am Ende ein Erfolgsmoment, die Katze erhascht die Ketten, den Haken, das Gerüst… gähnt einmal kurz und schläft weiter.

Wie bitte kann das einer Katze, die sonst eh nichts erlebt oder kennt außer der Wohnung hier, sowas von egal sein bzw. so uninteressant? Das muss doch auch ein “Oha, was ist denn das sein”… Ist mir ein Rätsel, ernsthaft! Seufz. Immerhin habe ich jetzt doch noch was geschrieben…


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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