The last of the summer wine

Ich muss ja mal ganz ehrlich gestehen, dass ich nicht erst mit meinem 30. Geburtstag in die Depression und Frustration gekippt bin und der Erkenntnis, dass man eh nicht weiter gekommen ist im Leben und man vermutlich auch bald in die Statistik der Drop-Out-Quote gehört – denn ab dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit enorm, dass man von einem Auto überfahren wird, einen Herzinfarkt hat, man Krebs feststellt, man über die Treppen stürzt, Gehirnschlag erleidet, Lähmungserscheinung hat, die Zähne ausfallen, Parkinson eintritt, man erblindet und all diese Dinge der “Erwachsenen”. Statistisch gesehen, müsste es langsam jeden 4. oder so treffen im privaten Umkreis – oder einen selber. Aber das ist noch lange kein Grund, gleich die Schlinge auszupacken, die ja auch in der porösen Altbau-Decke sowieso nicht halten würde – sondern besser ist es, geistige Abhilfe suchen.

Um also dem emotionalen Verfall entgegen zu wirken, schaue ich bereits seit dem Vorjahr immer wieder eine Serie auf dem englisch-sprachigen BBC-Kanal, die mich zugleich auch (wiedermal) endgültig als Nerd abstempeln wird. Und zudem ebenso meinen – mir nachgesagten – trockenen Humor (den keiner versteht) vollkommen bestätigt. Es handelt sich um “The last of the summer wine”.

Eine britische Serie (Sitcom), die man als extrem leichte, humorvolle, harmlose, genußvolle und sehr lockere Unterhaltung sehen kann. Und dessen Darsteller glücklicherweise aber keine 18-jährigen Botox-Girls sind oder trendige Hausmänner-Hollywood-Föhnwellen mit der zensierten Tschik im Mund und Pumpgun in der Hand, sondern fast durchgehend alte Haudegen, die bereits der Ära meines Großvaters angehören. Ungewöhnlich – nach anfänglichem Desinteresse und Skepsis schätze ich die Serie aber mittlerweile sehr.

Es ist leider schwierig, auf Youtube passende Ausschnitte zu finden, um den passend Eindruck vermitteln zu können – denn dort finden sich vorwiegend nur die kompletten Episoden – somit erschließt sich der “Style” nicht gleich, sondern erst nach einigen Folgen – aber ich zitiere einfach mal Wikipedia:

Hauptfiguren der Serie sind drei Rentner, die in ihrer Kleinstadt Holmfirth (in Yorkshire) eine zweite Kindheit erleben und mit viel Humor und Unternehmungslust durch die Straßen ziehen. Sie philosophieren über alltägliche Dinge und bringen sich durch irrwitzige Ideen in peinliche Situationen. Die Landschaftsaufnahmen und die innerstädtischen Schauplätze durchziehen die Serie mit viel Nostalgie. Die unkomplizierten Geschichten, der Wortwitz und die ausdrucksstarken Charaktere sorgen für gute Unterhaltung und erklären die lange Laufzeit der Serie.

Die Serie wurde übrigens 1973 das erste Mal ausgestrahlt, seitdem gab es 278 Folgen. Es ist eines dieser unscheinbaren Alltagsvergnügen im TV, in denen einem bewusst wird, dass man auch als älterer Mensch später nicht gleich der Depression verfallen muss. Man kann also die Serie als amüsanten, entspannten Hoffnungsschimmer sehen. Und wer die alten Folgen von Mr. Bean gerne geschaut hat und dessen britischen Humor mag, der findet das ebenfalls in der Serie – aber halt mit einem nette, nostalgischen Oldie-Flair. Ich mag das – und wer mal abseits im Sofa am Abend oder am Wochenende schmunzeln will, sollte einen etwas längeren Blick riskieren.

Ich werde mir übrigens heute abend ein Gläschen Rotwein gönnen… etwas Stil braucht das Leben.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Film-Leere
Freitags-Nostalgie und eine Frage
Abends…
8bit-Key-Chiptunes
Gepresstes Super Mario
Yps – wiederbelebt!



DEINE MEINUNG