Wisst ihr, was ich gar nicht ausstehen kann? Wenn bei jeder Reise-Reportage, Dokumentation, archäologischem Bericht und dergleichen zu jedem Blödsinn verklärte, romantische und traditionelle Musik ertönt und alles immer mystifiziert wird.
Die Ausgrabung, die Familie vor ihrer Hütte, beim Kochen, beim Pflücken, beim Schafe treiben, beim Schlafen. Egal, was gezeigt wird – immer wird dieser Hauch von Mystik und Geheimnis und Besonderheit dieser anderen Kultur verkörpert. Prinzipiell ja nicht schlecht, aber doch bitte nicht bei jedem Blödsinn. Es tönt ja auch nicht die Traditions-Musik des Landes, wenn meine Großmutter ein Henderl ausnimmt. Oder den Müll runterträgt. Oder den Boden aufkehrt. Oder die Blumen am Balkon zupft. Oder durch den Kräutergarten spaziert. Ist doch Blödsinn.
Vermutlich habe ich das vor langer Zeit schon mal gepostet, aber auch bei Dokus rund um Ausgrabungen… oder generell bei der Wissenschaft. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass fast jedes Element der früheren Geschichte immer ein Symbol, ein Opfer, eine Mystik oder dergleichen in sich trägt? Da ist eine Schale keine Schale, sondern eine Opferschale. Eine Grabbeigabe, ein ritueller Kultgegenstand, DIE Schale. Und natürlich wird jeder kleine Knochen-Splitter, der als Verschluss eines Überzuges verwendet wurde, als Symbol für Männlichkeit, Weiblichkeit, einer Gottheit oder sonst was interpretiert.
Da ist jeder große Stein ein Platz der Gottheit, ein Opfertisch oder ein zentraler Ort der Gemeinschaft, wo über die Zukunft des Volkes entschieden wurde. Genau.
Würde heute Wien von einer Erdschicht bedeckt und man gräbt die Stadt erst wieder in 12.000 Jahren aus, dann würde man sicher jeden zweiten Supermarkt als “zentraler Sammelpunkt der Gemeinschaft, wo über das Geschick des Volkes entschieden wurde” interpretieren, die SCS Süd wäre ein großer Massen-Tempel anhand der Spuren und jeder zweite Second-Hand-Laden ein Ort der Opfergaben (*plong pling flöt – es ertönt mystische Musik*). Man stelle sich nur die Pyramide bei der SCS vor – vermutlich ein Platz der rituellen Zeremonien, der Baumarkt wäre ein Ort der höchsten Schmiedekunst und vollendetem Handwerk und die Apotheke um’s Eck wäre ein Sammelbecken der Druiden, Zauberer und Seher, kein Wunder bei dem Schlangensymbol über dem Eingang.
In meiner Wohnung wäre vermutlich die Waschmaschine im Badezimmer ein Ort des Kultismus, des Glaubens und der Anbetung einer Gottheit… habe ich doch schließlich Teelichter, Achate und andere gesammelte Steine dort liegen, sogar ein altes, kleines Holzkreuz und eine Holzkette – in einer ringförmigen Struktur aufgelegt. Und man berichtet dann bei meinem 10-Jahre altem Elektroherd, wie ich Kräuter und tiefgekühlte Teigwaren kunstvoll und mit Brabbel-Sprüchen zusammengefügt, dabei sinnierend die Teller kunstvoll in einer Zeremonie abgewaschen habe (Symbol der Reinigung) und vor dem Essen das Ritual des Gabel-Auflegens zelebrierte. Pfff…. pling plong klack flöt pling.



