Dieser Eintrag ist aus dem alten Archiv meines vorherigen, statischen Blogs, welcher auf einer kleinen Seagate Dockstar sein Werk verrichtete. Nachdem ich festgestellt habe, dass viele Interessierte danach suchen und bzw. oder auch in anderen Blogs auf diesen Beitrag verlinkt wird, übertrage ich ihn in diesen Blog – der andere wird nämlich aktuell endgültig eingemottet. Also – dieser Eintrag stammte vom 14. September 2010!
Geschafft… und ich freue mich wirklich wie ein kleines Kind gerade, denn damit hätte ich wirklich nicht gerechnet. Das Ziel ist erreicht! Nach gerade mal zwei Stunden ist das – für mich waghalsige – Experiment geglückt und nun schnurrt ein Debian Linux samt Webserver in meinen vier Wänden.
Treue Leser dieses Blogs kennen die früheren Einträge, wo ich davon schwärmte, wie schön es doch wäre, so etwas wie einen Miniwebserver zuhause stehen zu haben – jedoch ohne Lüfter, ohne Lärm und mit nur geringem Stromverbrauch. Lange herumgesucht und nichts gefunden.
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Irgendwann vor einiger Zeit habe ich dann diesen Blog hier von WordPress auf das Ruby-basierende Jekyll umgestellt und mir dabei auch die Seiten von anderen angeschaut, die ebenfalls den Schritt gewagt haben. Und unter anderem dabei einige Jekyll-Blogs entdeckt, die laut ihren Schöpfern zuhause auf kleinen Mini-Servern laufen. Entweder auf diversen NSLU2s, SheevaPlugs oder ähnlichen Kleingeräten… alle leicht zweckentfremdet und modifiziert mit verschiedenen Linux-Varianten. Mh, da wird man schon neidisch.
Vor ein paar Wochen bin ich dann plötzlich in einem Forum auf den kleinen Dockstar Plastikschuh-Stecker für USB-Festplatten von Seagate gestoßen. Und einem User, der darauf seine Webseite laufen hat. Man kann sich vorstellen, wie meine kleinen Äuglein immer größer wurden. Vor allem aufgrund des angeführten Preises – umgerechnet ~20 Euro!!! Billiger wirds wohl kaum werden. Und verrückt auch noch… wer lässt schon ein komplettes Linux auf einem Plastikstecker für Festplatten laufen? Ist ja fast wie ein Handmixer oder Toaster!?
Damit begannen also die Herausforderungen, denn natürlich gibt es bei uns diese Teile nicht so ohne weiteres zu kaufen, sondern meistens im Handel nur als rare Import-Ware und zudem – sehr fragwürdig – wirklich sauteuer. Guten Connections grenzübergreifend sei Dank – und ich bin doch noch an ein wesentlich billigeres Import-Päckchen quasi zum Einkaufspreis gekommen – dafür musste ich jedoch eine längere (sseeehr lange) Wartezeit in Kauf nehmen.
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Seitdem kullerte das Teil bei mir unangetastet rum. Ein kleines, billiges, weisses Plastiketwas mit USB-Anschluss und einem Strom-Adapter. Wie da laut Forum-Anleitung ein brauchbares Linux drauf laufen sollte, war mir nicht ganz klar, dazu ist es doch zu unscheinbar und unförmig… und vor allem Lichtjahre von einem “Computer” entfernt, erinnert eher an die Ladestation vom Handstaubsauger – aber nur wer wagt gewinnt. Heute habe ich mir endlich dafür Zeit genommen – oder besser gesagt: mich endlich getraut. Gleich vorneweg die Warnung – wer es ebenfalls probiert – unbedingt sich im Netz schlau machen, vorher alles genau lesen und welche Möglichkeiten geboten und welche Anforderungen gestellt werden, System-Erfahrung mit Linux/Debian sollte natürlich mehr als klar sein… denn mit dem Vorgang kann man sich ausnahmsweise mal tatsächlich ein Gerät unbrauchbar machen und man muss es mit aufschrauben, löten und sonstigen Dingen wieder re-aktivieren – und auch das klappt dann nicht immer. Dass dann auch keine Garantieansprüche mehr bestehen, liegt auf der Hand.
Zuerst habe ich also das Teil mit meinem Router verbunden und über einen SSH-Zugriff die Anbieter-Funktion nach Forum-Anleitung von Seagate deaktiviert. Ich bin so böse und illegal, das Hersteller-Passwort dazu findet sich in einschlägigen Foren. Ein vorab beschriebener USB-Stick wird eingestöpselt – danach wird der Bootloader überschrieben bzw. abgeändert und direkt auf den angesteckten USB-Stick (mit ausreichend Platz) Debian Linux heruntergeladen, entpackt und installiert. Das dauert, ist fehleranfällig und benötigte mehrere Anläufe bei mir – denn es gibt zwar eh nur eine Handvoll Tutorials dazu im Netz, doch auch darin finden sich enorme Unterschiede und anscheinend auch verschiedene Ansätze. Vor allem fehlt auch eine vollständige und ausführliche Dokumentation, denn ich wäre fast daran gescheitert und verzweifelt, als die LED-Lampe nicht mehr aufleuchtete und gefühlsmäßig alles tot war – und plötzlich über die IP-Adresse keine SSH-Verbindung mehr möglich war. Dass das mit der LED keine Auswirkung auf die Funktion hat und sich die IP-Adresse im lokalen Netzwerk einfach geändert hatte, stellte ich erst später nur zufällig und leicht entnervt fest. Glück gehabt, doch nicht am Müll gelandet.
Danach ging es aber wieder munter weiter. Nach dem – mit zittrigen Fingern – erfolgreichen Booten von Debian, abändern der Root-Passwörter, anlegen eines neuen Users und der weiteren Installation von Ruby, RubyGems und Jekyll zum Bloggen, Proftpd als temporärer FTP-Server und Lighttpd als flotter und minimaler Webserver, konnte ich zum ersten Mal einen Test-Eintrag im Blog schreiben. Und es klappte – zügig und schnell. Mh, der Duft des Erfolges.
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Für den unbedarften Leser – was heißt das Gebrabbel jetzt im Klartext? Nun, dass ich mich jetzt von überall auf dieser Welt via SSH-Zugriff (also über eine Text-Konsole – denkt dabei ein wenig an das alte DOS bei Windows) in das kleine, unscheinbare Plastikteil einloggen und direkt auf dem Ding online meine Blogeinträge schreiben und auch publizieren kann. Aber auch einfach einen zweiten USB-Stick/Platte reinstecken könnte, um dann vom Büro oder sonstwo jederzeit auf z.B. meine Fotos oder dergleichen zuzugreifen. Aber es gibt noch viel mehr Möglichkeiten – ohne, dass ich dazu jedoch meinen großen Computer ständig laufen lassen oder einen speziellen Provider anmieten muss.
Denn – das Ding verbraucht nur minimal Strom, hat keine beweglichen Teile bzw. Lüfter, macht damit auch keinen Lärm und kann nicht verdrecken, braucht aufgrund seiner Größe auch praktisch keinen Platz – und mit Linux Debian stehen vielfältige Möglichkeiten zur Verwendung offen. Sei es um diese Seite hier zu hosten, Mailserver, FTP-Server, Online-Speicher oder sonstiges…
Kurz gesagt – ich bin gerade sehr glücklich in diesem Moment. Träume können wahr werden, wenn man nur hartnäckig genug ist.
EDIT: ich bin im Frühjahr 2011 wieder auf einen Online-Provider umgezogen, aber nicht weil die Seagate Dockstar nicht läuft, im Gegenteil – das Ding ist herrlich, unglaublich solide, robust und wird nichtmal handwarm im Betrieb… sondern weil meine Katzen alles und jedes als Spielzeug sehen, herumtollen und zweimal das Gerät quasi als Spielball mißbrauchten – Kabel, laufender Strom, ununterbrochen im Betrieb – alleine mit zwei Katzen ist mir das dann doch zu risikoreich… ich werde die kleine Dockstar aber bei Gelegenheit wieder einem neuen Einsatz zuführen.
Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.