Essen und Frühlingsnachmittag

Momentan ist es wieder soweit. Es spricht mich nicht wirklich was an… ich wandere durch den Supermarkt, durch die bunten Regale, den farbenfrohen Plastikpackungen und dem glänzenden Obst- und Gemüseregalen. Nur was essen? Die Frage stelle ich mir fast immer und wiederkehrend jedes Jahr beim Beginn des Frühlings.

Irgendwie ist schon alles durch. Egal ob Suppe, Reis, Salat oder Teigzeugs alias Nudeln. Die ganzen Tiefkühlpackungen reizen mich immer weniger, Fertig-Gericht-Beutelware ist halt auch nur von Zeit zu Zeit mal drinnen, erschöpft sich aber auch schnell – nicht nur geschmacklich. Und alles andere erfordert längere Kochzeiten. Eine Zeit, die ich alleine für mich nur schwer aufbringe, da fehlt der Anreiz anscheinend. Warum stundenlang kochen, wenn man nachher das Ganze alleine aus der Pfanne kratzt, vielleicht sogar noch am Abend, wo es dunkel ist und man das liebevoll zubereitete Gericht nicht mal richtig sieht? Fleisch reizt mich auch immer weniger. Fleisch ist reine fette Stopfnahrung und so oder so – auch wenn ich kein Veganer oder sonstig radikales Etwas bin und nicht mal werden möchte – natürlich ökologisch ein Wahnsinn. Zudem – es gab eh gestern das letzte Mal eins… aber schon auch alleine deswegen muss ich das heute nicht wieder haben. Auch wenn’s gut schmeckt und ich es sicher nie sein lassen werde.

Heute Abend werden es aber trotzdem also wohl fade Spaghetti mit Salat und einer Bergkäse-Soße. Welche ein Abenteuer. Dazu noch einen Multivitaminsaft und noch mehr Wasser zur Abrundung. Und irgendwann in der Nacht stehe ich dann da und stopfe die zachen und salzigen Bio-Kernöl-Chips in mich, weil ich was deftiges brauche. Und schiele dabei heimlich auf den daneben liegenden Marsriegel. Essen ist fad zur Zeit.

Ich war heute übrigens dreimal draußen – weil das Wetter so schön war und ist. Sogar Windstille – so gehört sich das. Jetzt gerade habe ich mich in mein kleines Zimmer zurück gezogen, es laufen dezent und begleitend Kina Grannis-Songs im Hintergrund, irgendwie ist die Stimmung entspannt. Im Wohnzimmer freut es mich immer weniger, nachdem man mir diesen fetten Betonwohn-Block vor die Fenster hingepflanzt hat. Seitdem fühle ich mich wie in einem abgewohnten Büro im Erdgeschoss in dem Zimmer. Der liebliche Charme der Wohnung ist endgültig verschwunden und ich möchte tatsächlich sehr bald von hier weg. Wenigstens hier im kleinen Zimmer mit den Blick auf die Hinterhöfe, der untergehenden Sonne, die die Dächer und Rauchfänge gegenüber in ein sanftes Licht taucht, dazwischen die Amseln, die zwitschernd vorbei fliegen und singen – und man ganz leicht die Baumblüten riecht – da ist die Welt noch irgendwie in Ordnung. Das hat was nettes, ruhiges, schönes. Unten spielen zwei kleine Mädchen angenehme lebendig auf dem Mini-Mini-Spielplatz und einer der Satellitenschüsseln gegenüber wirft das Licht kegelförmig hier auf die Wand. Klingt blöd, aber es ist gerade sozusagen “beschaulich”. Ein kleiner Fleck der Ruhe in der Großstadt.

Und eben auch endlich wieder mal den ganzen Tag die Fenster offen lassen können – und wenn man dazwischen mal raus geht um komplett Sonne zu tanken, dann muss man sich nicht mehr mühselig umziehen oder dergleichen, man hat keine nassen Schuhe oder diverse Schals mit sich zu schleppen… man geht einfach rein und wieder raus. Ohne das viel Unterschied ist – das mag ich. Aus irgendeinem Grund habe ich übrigens leider mein Aufnahmegerät verräumt, sobald ich es aber wieder habe, gibt es hier mal einen abendlichen Amsel-Song als MP3 zur Untermalung…

So, mein Netbook, SNES Emulator mit Donkey Kong Country I und ich werden uns jetzt der verschwindenden Abendsonne widmen. Oder ich gehe noch eine Runde. Hey… es ist Frühling!!! Ich freue mich auch auf lange, schöne Sommerabende…


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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