Je länger ich Katzen habe, umso mehr tun sie mir leid. Ich habe das eh schon auch mal hier angeführt, aber jetzt gerade in diesem Moment wird es mir wieder mal sehr bewusst.
Eines meiner kleinen Kätzchen klebt gerade an dem Spalt des gekippten Fensters und man merkt, wie sehnsüchtig es die frische Luft einsaugt – unabhängig davon, dass es eine Wohnungskatze ist. Sie sind hier eingesperrt, können nicht raus, sind den ganzen Tag abhängig von ihrem Besitzer – wann sie Futter bekommen, wann sie gekrault werden, wann sie da und dort rein dürfen und so weiter. Den Rest des Tages dürfen sie mit ein paar Spielsachen spielen, die sich spätestens beim dritten Mal erschöpfen. Also schlafen sie. Den ganzen Tag. Jeden Tag. Von einem zum nächsten. Oder schauen herum. Starren ins Leere. Warten sehnsüchtig, dass man sich mit ihnen beschäftigt, jagen erfolglos den Tauben von einem Fenster zum nächsten nach, welche sie dennoch nie fangen werden können.
Sie tun mir unglaublich leid. Und ich weiß, ich werde in meinem restlichen Leben mir nie mehr ein “Haustier” anschaffen. Ich habe schon so viele gehabt – Hamster, Hasen, Zebrafinken, Fische und Co. bis hin sogar zu einer Fruchtfliegen-Experimental-Zucht. Querbeet also. Und am Schluss war es jedes Mal so, dass es eigentlich eine mentale Qual ist. Mir kann keiner erzählen, dass den Tieren nicht bewusst ist, dass sie eingesperrt sind. Sogar Menschen wissen unbewusst und später irgendwie auch bewusst, wenn man sie einsperrt oder unterdrückt oder sie missbraucht oder was auch immer… Nur weil ein Tier nicht die Mathematik, Schrift und menschliche Sprache beherrscht, sind sie deswegen nicht dümmer oder naiver. Sie sind halt – platt gesagt – anders und funktionieren anders. Aber wenn ich sehe, dass eine Katze neugierig aus dem Türspalt blickt, sehnsüchtig und stundenlang die Nase in den Fensterspalt drückt und stundenlang versucht, durch die Glasscheibe den Vogel zu fangen oder in den Hof zu kommen… dann wird hier eine sehr klare und verständliche Sprache gesprochen.
Ich mag meine Katzen und ich habe sie gerne, sie machen viel Freude und wir haben auch gemeinsam Spass. Und dennoch maße ich mir “leider” an, sie hier einzusperren und sie hier zu behalten, sie meinem Leben und Rhythmus unterzuordnen und sie zu regeln. Mag sein, dass Katzen ortstreue Tiere sind, aber das ist auch der Mensch. Wer verlässt schon gerne seinen Grund, sein Land, seine Heimat? Und falls, will er fast immer dann doch irgendwie zurück eines Tages… zu seine Wurzeln. Aber dennoch – er will sich trotzdem ebenso frei bewegen, erforschen und suchen, auch mal Neues entdecken können. Und nicht nur durch eine Glasscheibe sein Leben lang eine Welt sehen und durch kleine Löcher von Zeit zu Zeit eine andere Luft atmen. Sie tun mir wirklich unglaublich leid.
Das wird das letzte Mal sein, dass ich von mir aus ein Haustier halten werden. Das verspreche ich mir hier und jetzt selber. Sollte mir irgendwann ein Tier von sich aus (!) zulaufen und mir signalisieren, dass es bleiben möchte und dann auch aus freien Stücken tatsächlich bleiben – dann gerne… aber solange das nicht passiert, ist das alles nur ein verblendeter und fast perverser, menschlicher Egotrip.



