Nachtmüde

Ausnahmsweise habe ich meine eigene Regel des täglichen Bloggens gestern gebrochen, aber gestern und heute blieb einfach keine Zeit dazu.

Es sind gerade die Tage, wo alles zusammenkommt und man praktisch 16 Stunden am Tag von A nach B unterwegs ist. Immerhin gab es jetzt am Abend ein schönes und entspanntes Essen (ich halte fest: vegetarisch) in der Nähe einer der alten Stadtbögen – gemeinsam mit Miaugotchi. Ein wenig abschalten. Eigentlich wollte ich von der Gemüselasagne ein Foto machen, aber so wie jedesmal wenn ich mit jemanden fortgehen, vergesse ich darauf. Manche Sachen ändern sich nie.

Und es sind auch die Tage, wo alles schief geht. Beispielsweise vorhin die Fahrt in die Stadt – erst die Straßenbahn versäumt, dann endlich kommt sie, dann gleich bei der nächsten Ecke verstellt ein Auto den Weg, ewig lange warten, es geht weiter, dann ein paar hundert Meter weiter prompt Straßensperre, weil ein Rettungshubschrauber landen musste auf der Straße, mitten in Wien und im dichten Verkehr, dann die U-Bahn versäumt, tausende Menschen stopfen sich rein und dann eine Station zu früh ausgestiegen. Die Rückfahrt war in etwa das Selbe.

Allerdings bin ich ein Stück zu Fuss heimgegangen durch die Nacht – mit dem Lied von Los Super Seven (das Video hier – aber natürlich die ganze CD auf dem MP3-Player- herrlich). Love it – es klingt jetzt vielleicht pervers, dumm und platt – aber am Abend entlang der Bahnlinien, den Brücken, durch den multikulturellen Straßenstrich und deren ‘Schönheiten’ die sich dutzendenfach um die Autos scharen und vorbei an den rosa und rot leuchtenden Bars, an den Kreuzungen, die von einsamen Neonlichtern ausgeleuchtet werden… und dann die Musik im Ohr und dabei ein leichter warm und kühlender Wind… das hat irgendwas von “Leben”. Eine Ich-bin-kein-Havana-aber-versuche-sowas-ähnliches-zu-sein-Stadt.

Das sind die Momente, wo ich gerne Schriftsteller wäre. Ein Hemingway und Co. – einer der es schafft, diese Szenerie in lyrischen und wohlgeformten Wörter lebendig zu malen, die Stimmung sozusagen aufzeichnen mit gesprochenen Phrasen… vielleicht schaffe ich das mal. Aber ich mag – obwohl ich ein Sonnenanbeter bin – im Frühling bzw. Sommer die Nacht als Stimmungsgeber. Und auch wenn die Gegend hier abgewohnt, heruntergekommen und die Illegalität blüht, schenken ihr genau diese Elemente das Leben. Und am Abend tauchen die Bar- und Straßenlichter das Ganze in eine unwirkliche und zugleich völlig reale Szenerie.

Ich mag es zum Beispiel auch, wenn die Straße staubig ist, ein der Straßenlaternen flackert und ein Zeitungspapier, angetrieben von Wien, leicht raschelnd sich einen Weg durch den Straßenzug bahnt. So eine Mischung zwischen minimalistisch, abgelebt, einsam und dennoch dann ja wiederum mit Menschen.

So, ich schaue jetzt kitschig “Tiger & Dragon” im TV – und werde wohl bald sehr müde einschlafen.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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