Portables Leben

Nachdem entgegen der Vorhersage die Sonne natürlich nicht mehr bis jetzt aufgetaucht ist, bin ich halt online kleben geblieben und dabei auf eine Diskussion über ein neues Anti-Sigmund-Freud-Buch gestolpert, von dort dann belustigt weiter zur Psychologie und dann noch weiter zu seltsamen Eigenheiten von Menschen – wie dem Leben als moderner Nomade.

Da war ich natürlich gleich besser aufgehoben, denn die Diskussionen rund um Freud und dem ganzen hochphilosophisch verpackten Pornogesülze war eher amüsant als lehrreich oder dergleichen (ich wusste doch schon lange, dass das Nuckeln an der Brust auch schon im Kindesalter hochgradig sexuell motiviert ist) und habe mich damit entspannt dem Thema der elektronischen Nomaden der heutigen Tage beschäftigt. Sprich dem Minimalismus. Jaja, nicht nur beim Bloggen zählt der Minimalismus, die Einfachkeit und Effizienz sowie der Grundsatz “Less is more”, sondern man kann das auch auf das ganze Leben ummünzen. So zum Beispiel wie die ’21st Century minimalist’-Generation. Ein Beispiel hier ist Kelly Sutton, der alles verkauft hat und quasi aus dem elektronischen Rucksack lebt.

Wer mich kennt, weiß, dass ich solche Dinge als Gedankenansatz mag, nicht umsonst habe ich vorgestern [dieses Posting](Link folgt in naher Zukunft wieder) hier eingestellt, um mir dessen wieder bewusst zu werden, was ich so jeden Tag in der Hand habe – aber es gibt natürlich schon ein paar Dinge, die ich nicht mehr subtrahieren würde… dem gesetzten, emotionalen Alter sei Dank. Dazu zählen alte Fotos, eine handvoll alter Bücher und ein paar kleine Erinnerungsstücke wie kleine Figuren, persönliche Geschenke oder sowas. Passt aber trotzdem alles in einen Umzugskarton. Immerhin.

Vollständig elektronisch kann ich mir’s auch nicht mehr vorstellen, auch wenn ich es natürlich noch immer sehr gerne habe und schätze, dass ich beispielsweise meinen kompletten privaten Ordner am Computer aufgrund des optimierten Aufbaus und der regelmäßigen Reduzierung von Bildgrößen und Co. jederzeit vollständig auf jeden beliebigen kleinen USB-Stick aufspielen kann (1,92 GB) – fertig – und ich hab alles dabei. Das ist angenehm zu wissen… sprich, dieses gute Gefühl im Hinterkopf, keine Tonnen von Altlasten sein Leben lang mitzuschleppen und sie immer einkalkulieren zu müssen. Womit wir uns auch dem Kern des acho-so-interessanten heutigen Eintrags nähern… dem portablen Wohnen. Und schwupps – schon sind wir noch weiter bei meinem Lieblingsthema – Containerhäuser.

Bevor ihr das tiefenpsychologisch aufschlüsselt – absolut richtig: ich bin ein zurückgezogener, stiller und schweigsamer Nerd (wie man ja an diesem Blog deutlich merkt) und der geistige und emotionale Bedarf nach dieser Portabilität ist nur dieses innere Flüchten vor der Alltagsituation des täglichen Lebens mit dem falschen Bewusstsein und Glauben, dass dadurch alles besser wird, wenn man seine Wurzeln bricht, was aber nicht richtig ist – es aber dennoch eine gewisse, angehneme Anziehungskraft hat. Nachdem ich bei einigen meiner Lieblingsarchitektur-Seiten wieder aktuell auf diverse Container-Ideen gestoßen bin und ich in mir drinnen sowieso schon einen fertigen Bauplan trage (neben etlichen anderen) – man reiche mir zwei Schiffscontainer der größeren Klasse und einen LKW zum Transport… aso, ja und eine schöne Wiese mit Ausblick mit einer kleinen Fläche – habe ich mal paar Fotos gesammelt zur Verdeutlichung.

Früher habe ich mir immer gedacht – wenn ich dann so ein Ding habe, dann einfach absetzen und fertig. Aber nein, ich beginne mehr und mehr meine Meinung daraufhin zu ändern, dass man seinen ökologischen Fußabdruck klein halten sollte (Miaugotchi und ihr dezenter Einfluß), auch visuell nämlich und so würde ich den Container damit auf niedrigen Stelzen stellen (1-2 Meter hoch) – sobald man weiterzieht sind nur kleine, punktuelle Stellen am Boden “zerstört” und nicht gleich eine ganze Fläche (zumindest nicht so stark). Solarzellen – soferne sie in der Herstellung verträglich wären – auf’s Dach, das Metall des Containers würde ich mit Naturholz innen verkleiden (schönes Naturholz für den Boden und die Wände, zum Teil sogar unbehandelt) und auch diverse Möbel darin aus Naturholz anfertigen. Außen kommt eine bunte Farbe mit einem netten Muster, das jedoch nicht technisch wirken soll, sondern eher sich an die natürliche Umgebung orientiert und auch einladend, freundlich sein soll – und die man je nach Standort neu aufträgt. Hell für heiße Gegenden, dünklere Farben für kältere Regionen – geht ja leicht… mal schnell drüber sprühen/lackieren und fertig. Isoliert innen natürlich auch mit Bio-Dämm-Zeugs. Umziehen jederzeit mit einer oder zwei Fuhren mit LKW. Zentrale Anschlüsse für Wasser und Strom und sogar ein angehängter, integrierter “Komposthaufen” zur Wiederverwertung.

[ Foto ]

Schon nett, oder? Optisch sind viele Ideen, Konzepte und Co. leider nicht gelungen bzw. wirken sie oft eher nach “Coolness” High-Tech-Style, aber ich denke, man kann mit Holz, großen Glasflächen, viel Licht und freundlichen Farben und Stoffen sowas etwas sehr heimlig machen und den Container- und Camping-Faktor damit untergraben. Mhh.

Übrigens habe ich es noch nicht gebloggt – es gab letztens einen extrem spannenden TV-Beitrag über Styroporhäuser. Dachte erst an einen Scherz, aber nein – ist völlig ernst und auch bereits ausgereift. Dabei baut man sein Wohnhaus in der Legotechnik zusammen – man kann ganze Wände alleine rumtragen, zusammengesteckt wird alles mit so Legoartigen Noppen. Das Gewicht ist minimal, man kann damit schnell ein ganzes Stockwerk aufbauen – man stelle sich nur vor – keinen Kran extra, keine Anfahrts-Aufschüttungen für den tonnenschweren LKW, keine fünf Bauarbeiter um eine schwebende Wand einzupendeln und wenn etwas übersteht… eine Säge und das Styropor-Teil ab- bzw. zuschneiden. Feuerhemmend und selbstlöschend ist das Material ebenso. Und so konnte man einer Familie zuschauen, wie sie ein komplettes Wohnhaus selber zusammenbauten/stoppelten und mit überdimensionierten Styroporteilen rumliefen. Sogar die riesigen Dachgiebel können von ~2 Personen hochgehoben und eingesetzt werden, da alles im ~zweistelligen Kilobereich liegt.

Frage natürlich – und wenn Wind kommt? Naja, das Geheimnis war schnell gelüftet, diese Teile haben nämlich alle Hohlräume, die nach der Fertigstellung mit Beton ausgefüllt/ausgegossen werden. Und et voilá – man hat fertige Betonwände mit bereits fertiger Isolierung rundherum. Verputzen noch und aus. Man erspart sich also das Verschalen, Ausgießen, Fest werden lassen, Abbauen der Verschalung und Isolieren sowie Kräne und Co. Und billiger als ein normales Haus ist es ebenfalls. Noch recht neu, aber schaut nach einer neuen Zukunft aus… auch nett!

Aber ich bleibe bei den Containern – LKW rufen, aufladen und weiter geht’s. Oder aufeinander stapeln. Oder mal eben umstellen, um das Sonnenlicht im Winter besser zu nützen. Oder mal zur Seite stellen wegen einer Gartenparty. Oder mal für paar Wochen Urlaub machen – einfach mitnehmen. :)

Was habt ihr eigentlich so für verrückte, geheime Wohnideen – mal abseits der Norm? Jetzt sagt mir nicht das klassische Fertigteilhaus mit Ehemann/Ehefrau, Garten, zwei Kinder und Hund bitte – bisschen mehr Kreativität bitte!

(PS: Und ja, bitte keine Kommentare alias “Ja, nett aber unrealistisch, das geht ja nicht heute mit rumreisen so. Nein, wirklich? Pffff.”)


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


ÄHNLICHE ARTIKEL

Fortgehen
Sinnfreies um das Nichts
Purer Lifestyle
Stimmung
Mag das.
Geruchsblog



DEINE MEINUNG