Ha, die Nerven und so…

Wo geht sie nur hin – die liebe Zeit? Ich bin doch gerade erst schlafen gegangen… und jetzt ist es schon wieder 5 in der Früh und ich mache mich schon wieder bereits fertig für den beruflichen Alltag??? Werde gleich in die Eiseskälte los stapfen, schlecht gelaunt in der Straßenbahn sitzen, genervt davon sein, dass der Straßenbahnfahrer nicht geschmeidig in einem Stück fährt, sondern vor sich hin ruckelt und würde am liebsten platzen und alle massakrieren, weil die Kopfhörer schon wieder an der Jacke hängen bleiben und sich der Wackelkontakt langsam und unhaltbar von hinten an mich und mein Hörbuch ran schleicht. Das Biest.

Es war doch gerade erst Abend? Ich weiß nicht mal, was ich so geträumt habe – habe ich überhaupt? Oja, der Mensch sudert ja auch im Schlaf vor sich hin, insofern stehen die Chancen hoch, dass ich durch irgendwelche quietschbunten Traumlandschaften gehüpft bin und dabei irgendeiner Hello-Kitty-Figur den Kopf abgebissen habe. Irgendjemand hat vor kurzem mal gesagt, nach 30 bzw. 40 ist die Zeit unaufhaltbar, rennt nur noch und lässt sich so gar nicht mehr stoppen – und irgendwie stimmt das. Kinder – in ein paar Wochen ist Weihnachten, dann gleich Silvester und dann sind wir schon wieder bereits im nächsten Jahr! 2012!!! Kirk und Spock warten da bereits bald auf uns zum hochbeamen, ernsthaft. Irgendwie macht mir der rasante Fortschritt schon Angst. Auch die Drop Out-Quote… mit 30 gehört man schon zur sekundären Risikogruppe, die an Infarkten, Hirnschlägen, geplatzten Adern oder an dem Abrutschen vom Sessel und dem anschließenden Genickbruch stirbt. Oder zu denen gehört, die dann plötzlich beginnen fett und träge zu werden. Ach ja – das Thema.

Das hat mich gestern in der Straßenbahn auch fertig gemacht. Tut mir leid – ich mag dünne Menschen. Ich mag manchmal auch Menschen, die dick sind und nichts dafür können, weil ihnen Mutter Natur nur den Körper ins Leben mitgeworfen hat, die tun mir leid – genauso wie Menschen, die sich verblendet zu Tode hungern. Aber was ich nicht ausstehen kann, sind Menschen die zwei Sitzplätze brauchen und mich dabei zusammenstauchen, als ob ich ihr kleines Handtaschen-Schoßhündchen wäre. Die dabei keuchend und schwitzend eine Wurstsemmel in sich stopfen und dann vor dem Aussteigen sich bereits die Zigarette in den Mund stecken um danach direkt zum nächsten Aufzug zu laufen – haha, der war gut, nicht laufen, nein “fallen” trifft es besser, nur um nicht einen Meter zu viel gehen. Beim trockenen Raucherhusten dann könnte ich ihnen am liebsten an die Kehle springen. Mich nervt das – ganz egoistisch unsozial und rücksichtslos, aber das ist mir gerade so ziemlich egal.

Bin seit gestern Abend in einer guten Stimmung. Ich mache meinen Mund wieder auf. Ich glaube, diese stille Phase ist wieder weg, ich habe wieder Lust auf Fröhlichkeit und Frech sein. Und auch auf Risiko… man darf nicht an allem und jeden klammern. Was soll schon passieren? Außer “Leben”?

Eigentlich wollte ich mal wieder was Modetechnisches schreiben, die Stimmung und die hyperventilierenden Nerven ausnützen – ein wenig was für das Team-Projekt schreiben… aber bitte… mir fällt echt nichts ein. Furchtbar. Gerade vorhin einen Modeblog gelesen und mir kommt das Würgen. Wenn kratzt es, ob es die L.V.-Tasche jetzt mit den Glitzerkügelchen ums Eck zum kaufen gibt oder nicht? Und wo man am besten diese und jene Jäckchen kaufen kann. Und wo geht ihr eigentlich hin um mal so richtig zu stöööbern? …ja, genau. Kotz. Ich will das gar nicht mehr. Frei raus gesagt – ich mag nur mehr stumpfsinnig und primitiv voller Freude auf halbnackte oder gleich nackte Model-Fotos schauen, irgendwas Trashiges und dann mich dann an bunten, lauten und überdrehten Videos ergötzen. Ich lese viel lieber, wann einer wo seine Windowskiste an die Wand genagelt und abgefackelt hat und sich mit Linux in die Badewanne setzt und welches Partygirl gerade “It” ist und dann dass die Supermodel-Ära endgültig dem Tode nahe ist. Aber ansonsten ist das alles nur noch so…. pppfffff. So zach.

Da lese ich in den internen Foren auf Facebook und entdecke, dass die gut gemeinte, ab- und geschlossene Blogger-Gemeinschafts-Gruppe der Modetrend-Opfer gut begonnen hat, aber jetzt nur noch so “Fingernägel-Lackieren” als Thema hat… bitte, Kinder?! Wo ist das sich Auseinandersetzen mit einem Thema, die breite Diskussion um Elementares und der Konflikt der Wahrnehmung der neuen Trends? Nirgendwo. Nagellack-Entfernen. Hust.

Und ich sollte auch schon wieder los. Ich bin genervt. Das ist gut. Da ist gleich mehr Stimmung da. Und müde. Das ist auch gut, weil da ist mir viel mehr egal, da prallt das Sensible tagsüber einfach an mir ab. Da fühle ich mich nicht so verloren in diesen weiten Lebenswelten da. Da kann ich auch mal gemein sein. Und Hunger habe ich. Das ist aber gefährlich. Da kann ich unwirsch sein. Mich nervt ja sogar schon, dass mein Magen gerade knurrt. Ich würde ihn am liebsten erwürgen dafür – muss das sein? Es ist gerade so nett still. Der soll sich zusammenreißen. Außerdem muss ich jetzt bei minus 80 Grad in die Kälte und dabei Fahrrad fahren. Es ist kalt? Ich werde noch einen Blog konsumieren, dann meine Hörstöpseln in die Ohren stopfen und hoffen, dass dieser Lebensflow jetzt recht lange anhält. Zeit wieder aufzuwachen und ein bisschen Emotionskahlschlag zu betreiben. Also nicht bei mir, aber rund um mich. Ha!

Ja ja, um die Uhrzeit ist mit mir nicht zu spaßen. Da wird die 70%-dunkle-Schokolade gleich mal unverkaut runtergeschluckt. Kauen – soweit kommts noch. Als ob ich nichts besseres zu tun hätte. Pah. Und dieses “neue und platte” Modeblog-Gesülze ist wie Salz auf der Schokolade. Grausig. (als ob ich es je besser gemacht hätte). Nein. Aber wen kratzt das? Mich? Kommt nicht in Frage… oder ach nee, mal etwas Deutsch gesagt: “Dat kommt aba garantiert nich in de Tüüüteee!”. Nein, das mag ich schon gar nicht – “Des is ma wurscht!”. Ja, das fühlt sich besser an. Danke, bitte weitergehen – hier gibt es nichts zu lesen, bitte weitergehen.


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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