Abgesehen von dem alten, ausgelutschten Thema, dass ich noch immer der fehlerhaften Manie unterliege, zu allem und jedem “Ja” zu sagen, damit man (also ich) es allen recht macht und man niemanden weh tut – und dieses falsche Neuronenmuster permanent im Hinterkopf vor sich hin grundelt – ist der heutige Tag ein Klassiker des “Nur nicht zu freundlich sein, es kommt nämlich nichts Nettes zurück”.

Kennt ihr solche Tage, an denen man eigentlich fröhlich rausgeht, nett sein will und es auch ist – man versucht den Menschen seiner Umgebung ein wenig Freundlichkeit mitzugeben – und wird gleich ab 6 Uhr in der Früh eigentlich nur mehr missbilligenden angeschaut und angekotzt? Man hält jemanden die Türe auf und bekommt nur ein verärgertes Kommentar alias “Warum hält man die Türe nicht ordentlich auf?”. Beginnt ja gut – und genau in dem Jargon ging es den ganzen Tag weiter. Man geht extra zur Seite auf der Straße und kann sich anschnauzen lassen, warum man jetzt erst recht wieder im Weg steht, man geht extra einen Schritt beim Einkaufen zurück und wird nur mit einem Seufzer bedacht, als ob man der letzte Trottel auf Erden ist, man lässt jemanden bei der Kassa vor und anstatt einem Danke bekommt man mehr oder weniger nur einen Schupser, als ob man sich nicht noch besser vollständig in Luft auflösen hätte sollen, man antwortet in einem Forum freundlich und wird angeschnauzt, warum man nicht die vollständige Lösung per Copy & Past zur Verfügung stellt und so weiter und so fort.
Liegt es am Tag, am Wetter oder an mir? Irgendwie wird man schon ärgerlich und ich denke mir immer öfter “Fuck drauf”. Tut man nichts, ist man sowieso nur ein Aas, versucht man freundlich zu sein, hilft man immer prinzipiell zu wenig oder man würde vermutlich noch mehr helfen, wenn man sich vermutlich gleich die nächste Brücke runterschmeißt – und versucht man engagiert zu sein, wird man ausgenommen bis auf’s letzte Hemd.
Und noch eines ist auffallend und ich werde auch immer allergischer dagegen… Da präsentiert man Ideen und dergleichen vor langer Zeit, die natürlich sofort und ohne mit der Wimper zu zucken abgeschlagen werden, zum Beispiel als sinnlos, idiotisch oder lachhaft. Monate später dann, wird einem von genau diesen Menschen dann die gleiche Idee präsentiert, ein wenig abgewandelt, aber mit dem selben Ergebnis – und selbstverständlich soll man sich dann mitfreuen, beglückwünschen oder freundlich sein und bleiben… schließlich ist ja die Idee auf deren Mist gewachsen. Und die meisten dieser Menschen glauben dann wirklich, dass ich die Vorgeschichte schon vergessen habe oder es eh wie immer still akzeptiere und abhake. Tue ich nicht. Mir sträuben sich mittlerweile die Nackenhaare, wenn jemand groß und breit diese und jene Rede-Argumente schwingt, nur um einige Zeit später genau die kritisierte Meinung zu vertreten – natürlich mit voller Vehemenz und aus tiefer Überzeugung. Das hat etwas von “mit gespaltener Zunge sprechen”.
Auch die Knopfdruck-Mentalität wird immer häufiger. Menschen – die von Natur aus beliebt sind – neigen gerne dazu, mit anderen zu spielen – vielleicht auch unbewusst. Quasi auf die Art “Wer was von mir will, muss mir nachlaufen – ich bleibe jetzt sicher nicht stehen”. Klar, jeder wie er will – und jeder darf oder kann freiwillig mitlaufen oder nachlaufen – das muss man selber entscheiden -, aber in mir ist mittlerweile ebenso einfach verankert “Ok, wenn Du Dir die Zeit nicht nimmst – es gibt noch andere Wege im Leben als Deinen – auch wenn Du das selber nicht siehst”. Auch ich mag nicht mehr nachlaufen und um Beachtung oder Gemeinsames betteln müssen. Tut der Gegenüber schließlich auch nicht. Es wird heute immer öfter nach dem Motto “Alle mit mir, wer nicht mag – Tschüss” durchs Leben gefahren – vom Prinzip logisch und sozial gesehen klar natürlich, sichert auch das Dasein der Menschheit – aber wenn das alle untereinander machen, ist die Sozialität nur mehr auf einen Wettbewerb ausgelegt. Nett, warum nicht – aber dann spiele ich in dem selben Muster. Wer nicht mit mir mag, der kann ja woanders laufen. Schade irgendwie, aber Einseitigkeit bewerte ich verstärkt negativ mittlerweile – ich habe auch zu lange nur alles geschluckt. Warum soll ich den Dackel spielen? Die Welt ist größer, als manche in ihrer eigenen Welt glauben.
Und es gibt noch mehr, das man zerpflücken kann… die verlangten Gewohnheiten. Nur weil man immer wieder mal was für jemanden macht – freiwillig, kostenlos und ohne Rückvergütung – heißt das nicht, dass man es einfach so immer weiter macht – warum eigentlich auch? Aber das wird – Überraschung – ungern gesehen und mit Unverständnis bedacht, sogar noch gestraft – alias “Wie kann man nur so selbstlos sein”!?! Genau. Es ist ärgerlich und ernüchternd.
Jeder strebt nach dem “Ich-Weg” und setzt es auch als Grundlage des Lebens ein, wenn man aber selber diesen Weg fährt, bekommt man nur Kopfschütteln zurück. Vermutlich würde das Ganze anders ausschauen, wenn ich schon viel früher sozial aggressiver, fordernder und bestimmter meine Umgebung bedacht hätte – wahrscheinlich würde das sogar Ansehen, Respekt und Anerkennung verschaffen, sozusagen einen Aufstieg in der sozialen Welt.
Fakt ist – ist man nett, dann ist man zwar “lieb”, aber irgendwie auch immer ein Loser, der im Abseits steht bzw. auch übersehen wird. Ist man arrogant und selbstlos, dann ist man zwar in der Theorie Abschaum und ein schlechtes Vorbild, aber in der sozialen Welt erfolgreich, widersprüchlicherweise beliebter und es wird dafür sogar Respekt gezollt. Verrückte Welt, aber sie funktioniert eben so. Es macht auch wenig Sinn, diese Grundlage der menschlichen Natur in Frage zu stellen. Man kann sich darin nur selber positionieren und muss schauen, dass es einem dabei gut geht. Anscheinend zumindest. Ich habe den Platz noch nicht gefunden – ich suche noch.
Zu dem Weg an sich – im übrigen sind das auch die Menschen, die immer gerne sagen, dass sie weit über den Tieren und dem ganzen “Kram aus der Biologie” stehen… vergleicht man aber den Handlungsstrang, dann herrscht fast reines, unverfälschtes bio-animalisches Gedankengut der höchsten Klasse. ”Der Stärkere überlebt. Wer gut beißt, die Schwächen des anderen ausnützt und sich sein Revier sichert, hat die größten Überlebenschancen im System.”
Blöd nur, dass wir kannibalisch veranlagt sind. Aber es ist irgendwie “natürlich”, man kann es nicht mal in Frage stellen – absolut sinnlos – wer die Natur kritisiert, stellt sich außerdem selbst auf ein zu hohes Ross – und das werde ich auch nicht (mehr) versuchen. Lieber bodenständiger bleiben. Meiner kleinen Schwester, die neu in der Welt ist, sollte ich das früh klar machen, dann hat sie es einfacher in der Masse – ich erkenne vieles zu spät.
Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.
bin ich diese art arsch den du so verachtest?
*haha* – nein, außerdem der Eintrag ist ja von Anfang der Woche und bezieht sich auf Montag!
Zudem – Du bist ja ein Braver, du “formulierst” nur die Sätze halt in Deinem Jargon beziehungsweise im Pampa-Slang, das klingt alles nur so “oarg”…
Aber dahinter steckt ja ein guter Kern – und wer mit einer süßen, grau-silber-metallic Katze spazieren fährt… der kann nur ein Netter sein. Katzenliebhaber unter sich halt, nicht!?