Ich habe vorhin gerade wieder ein paar der alten Einträge meines alten Blogs gelesen – und ich muss sagen, dass sie mich wirklich selber berührt haben. Nicht weil ich so gut schreibe oder einen sonstigen Blödsinn, sondern aufgrund des Inhaltes… und weil ich die letzten Tage auch wieder vor so einer Entscheidung stehe… oder stand. Ich poste den Eintrag ohne besondere oder zusätzliche Kommentare – das Erstaunliche daran ist übrigens, dass ich ihn fast genau vor einem Jahr geschrieben habe. Damals hatte ich meinen Job gekündigt… dieses Mal bin ich aus einem liebgewonnen Projekt ausgestiegen:

“In den letzten Wochen hat sich in mir ein kleiner Keim gebildet, der unablässig versucht, sich an die Oberfläche zu bohren. Welcher Art er ist, vermag ich selber nicht zu sagen, aber ich spüre, dass er intensiv auf eine radikale Änderung meines Lebens drängt.
Ich denke oft an die alten Zeiten – die, wo ich damals noch meinen Träumen folgte und ich auch mehr auf mein Bauchgefühl hörte. Diverse Online-Projekte wie Fashionlabels, Frische Zitronen, Saforge und so weiter…. waren einer dieser Lichtblicke… kaum eine andere Tätigkeit hat mir so viele Türen geöffnet, mir neue Menschen näher gebracht und Wissen ermöglicht, das man in anderen Aufgaben kaum sammeln kann. Noch immer bin ich ein wenig stolz, dass ich damalig alleine oder in einem Team und ohne Vorwissen in technischer, inhaltlicher und menschlicher Form meine und unsere Plattformen und Projekte tatsächlich realisierte und kontinuierlich den Weg auch weiter verfolgte… bis heute.
Irgendwie hatte alles eine sehr eigene Dynamik. Ich und wir hatte zur richtigen Zeit mit den richtigen Themen und den richtigen Projekten begonnen. Den einzigen Fehler – sofern man es als Fehler sehen mag – ist, dass ich sie meinerseits nicht verkommerzialisiert habe, als ich die Möglichkeiten dazu hatte. Zu groß war die Angst, die eigenen “Babys” zu zerstören oder sich in eine Abhängigkeit zu begeben… aus heutiger Sicht natürlich der falsche Ansatz, denn es gab viele Möglichkeiten dazu. Aber dennoch bin ich heute für jede einzelne Stunde und Minute dieser Zeit dankbar… jeder mühsam erkämpfte Schritt war es wert.
Aber die Zeiten ändern sich auch und man kann die Uhr nicht zurückdrehen. Es macht keinen Sinn, alte “Dinge” wieder herzustellen oder wiederholen zu wollen und sie dabei so zurechtbiegen, dass sie die selbe Form wie früher haben. Ich bin meinen Weg damals gegangen, habe dabei viel Spass gehabt, viel gelernt, mir die Türen der letzten paar Jahre damit geöffnet – und stehe nun als Erwachsener im Leben und vor vielen weiteren Aufgaben… und im Laufe des heutigen Tages und der letzten Wochen habe ich beschlossen, wieder einen nächsten, neuen und großen Schritt vorwärts zu gehen. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass die Zeit dazu da ist – denn eckig und rund so wie zur Zeit passt einfach nicht zusammen. Das “Wie” ist noch offen und nicht deutlich definiert. Aber das “Was”. Meine Arbeit mit Computer, meine Hobbys – und mein berufliches Umfeld, meine Lebens-Ziele. Ich möchte nicht einem Standard folgen, nur um alle “Solls” zu erfüllen. Das hat bei mir auch noch nie geklappt und warum sollte ich das mit beinahe 30 ändern? Das erscheint mir irgendwie selbstzerstörerisch.
Ich werde diese Wende zumindest probieren, auch wenn das Vorhaben drastisch scheitern sollte – denn… wenn nicht jetzt, wann dann? Ich möchte nicht wieder Wendepunkte im Leben – ohne sie zumindest einmal zu probieren – vorbeiziehen lassen…”
Es ist interessant – aber ich hätte heute fast – mit beinahe 31 – das Gleiche 1:1 schreiben können. 6 Jahre lang habe ich mit anderen etwas mit aufgebaut und geformt, Leben eingehaucht – aber jetzt habe ich das Gefühl, dass der kleine Vogel in meiner Hand stärker geworden ist, als meine Finger zu halten vermögen und wollen – er möchte mit den Flügeln schlagen, sich losreißen – hochsteigen in den Himmel und frei sein, sein eigenes Leben führen. So fühlt es sich an. Ich möchte mit fliegen, ich will mithalten – merke aber, dass meine Energie woanders liegt. Auch ich werde losfliegen, durch die Lüfte segeln – aber an einem neuen, freien und ungebundenen Ort landen… und einen neuen Vogel füttern und ihm zum fliegen zu verhelfen.
Warum das so ist, weiß ich nicht – aber diese Tatsache – oder besser Mentalität – dass ich in mir eine ungebundene, freiheitsliebende Seele trage, wird sich wohl nie beschwichtigen lassen – auch dieser innere, eigene Vogel will frei sein und durch die Länder und Kontinente ziehen. Das bin ich. Und wenn ich etwas im Leben noch immer nicht richtig gelernt habe, ist es mich selber zu akzeptieren. Ich kämpfe zu viel dagegen an, versuche mich in andere Formen zu pressen… anstatt dem inneren Herz und Stimme zu folgen. Vor einem Jahr – nach diesem Beitrag – habe ich mein Leben jedoch tatsächlich neu gestaltet und mein Ich akzeptiert – neuer Beruf, neue Menschen, ein “neuer” Lebensstil und vieles mehr. Es war gut für das Innere in mir. Und jetzt ist anscheinend die nächste Etappe gekommen…
Der Flug geht weiter, nur wo ich lande, weiß ich selber noch nicht… aber ich sage “Danke” für die lange Zeit mit einem wunderschönen, kreativen Projekt und großartigen Menschen! Und versuche nach vorne zu schauen. Auch wenn das Bauchweh der Ungewissheit noch nicht weg ist.




sprachlosigkeit …..! warum immer radikal neu, anstatt auf einem fundament weiter aufzubauen?
1. Warum nicht? Gibt es ein Gesetz dafür?
2. Warum auf einem Fundament weiter bauen und Energie investieren, auf dem man sich nicht wohl fühlt? Erinnert mich an ein Grundstück, das man bebaut, weil man es halt jetzt hat… aber rundherum immer mehr und mehr Autobahnen und Bundesstraßen einem einkesseln. Wozu dann bleiben? Weil man es hat… und dann glücklich sein? Die Zeit läuft… und dann stirbt man. Es geht um das, was man gerade hat, nicht was man haben könnte.
3. Immer radikal neu…. ich weiß nicht, woher Du das hast Inasabi – aber ich habe gerade einmal in den letzten 10 Jahren etwas radikales gemacht und das war meinen Job zu kündigen damalig. Eine nicht schlechte Entscheidung würde ich sagen – ausgenommen der finanziellen Einbuße – abgesehen davon habe ich leider zu viel und zu lange auf andere gehört… es hat sich nicht bezahlt gemacht.
4. Und auch die “halb-radikale” Umstellung von Wohnung und Co. ist nicht unbedingt eine Verschlechterung, sondern Verbesserung der Lebensqualität. Auch ein Gewinn.
5. Zudem – nach 6 Jahren und hunderten und mehr Stunden kann man wohl nicht davon sprechen, dass es nur halbherzig war. Ich habe (m)einen Part geleistet, Zeit für das nächste Kapitel.
5. Wie heißt es so schön? “Stillstand ist der Tod… geh voran, bleibt alles anders.”
Aber noch besser ist das Zitat von Marti: “Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.”
Denke, damit habe ich Deine Frage beantwortet?
na dann – bleibt mir nur dir eine menge energie und viel glück für deine wendung, wohin und wovon auch immer, zu wünschen!!!