
Ich habe es heute wieder getan. Und mir was zum Essen bestellt. Nein, nicht weil ich so reich bin – im Gegenteil – sondern weil meine Küche aufgrund der Umbauarbeiten nicht gerade zum Kochen einlädt. So weit, so gut… nicht besonders spannend. Was ich aber interessant finde, sind die Lieferanten. Nachdem ich bei drei verschiedenen Lieferservices mal da und dort bestelle – und auch in relativ großen Abständen, denn schließlich ist es nicht gerade die billige Lösung für den Abendgenuss – wechseln sich die Liefertypen regelmäßig ab. Aber in einem erstaunlich hohen Maß… und in erstaunlicher Vielfalt.
Der erste, der mir je etwas geliefert hatte, kam keuchend und verschwitzt die Treppen im Stiegenhaus hoch… Schweißperlen auf der Stirn, das Essen in der rechten Hand, seine kleine Tocher in der Anderen. Die Kleine hat gelacht, ich hab gelacht, er hat gelacht – und ich war dennoch recht froh, dass er mir nur das Essen da gelassen hat. Beim nächsten Mal war es der – man muss es fast so sagen – obligatorischer junger Inder, der mir das chinesische Futter vorbeibrachte. An beiden Armen je einen Zierreifen, dazu noch einen Glücksarmreifen und eine sehr amüsanten Humor mit dem Spiel “Wooo ist das Essen?”. Der hat Spass gemacht und war dann längere Zeit immer wieder der Liefertyp.
Eines Tages dann tauchte plötzlich ein extrem großer Mann auf, den ich eher als Bauleiter eingeordnet hätte, der nächste war wieder ein Inder, der nächste ebenfalls – recht alt und einen langen, langen Bart – dann die große Überraschung… ein Chinese, der extrem nett, freundlich und höflich war und beinahe tatsächlich auf das Trinkgeld verzichten wollte, dann folgte wieder ein Österreicher, der mich an den Typen aus der Werbung mit der verkalkten Waschmaschine erinnerte, beim nächsten Mal dachte ich im ersten Moment, mein Nachbar steht vor der Türe… war er aber nicht – und so weiter… immer wieder eine neue bunte Mischung.
Und heute… es klingt blöd und es soll auch nicht verletzend sein, aber man hätte ihn wie frisch vom AMS halten können. Ein älterer, österreichischer Mann, vermutlich über 50 und keine Aussichten mehr auf Neuanstellung irgendwo, vielleicht ein ehemaliger Schichtarbeiter, höflich, freundlich und dankbar für das kleine Trinkgeld. Umso mehr würde mich interessieren, was so jemand verdient mit diesen Fuhren… und wie die alle dazu kommen? Und die noch dümmere Frage – warum ist der größte Teil mit Indern besetzt? Sind die billiger als Chinesen? Haben sie eher einen Führerschein hier? Woher und wie kommen die Österreicher zu solchen Jobs? Bislang habe ich noch nie eine Annonce für “China-Restaurant sucht Lieferanten” gesehen, außer auf vergilbten Zetteln irgendwo halb abgerissen. Hat wer da Infos oder sogar selber Erfahrungen damit?



