
Irgendwann – wenn man älter und gesetzter wird – beginnt man langsam aber doch zu merken, dass der Tag zwar noch immer 24 Stunden hat, man aber dennoch gefühlt nur die Hälfte davon nützen kann. Warum das so ist, weiß ich auch nicht – es läuft irgendwie einfach alles viel schneller. Und ehe man sich versieht, ist soeben wieder ein Tag, eine Woche und ein Monat um. Oder eben ein Jahr wie in diesem Monat… obwohl das doch erst vor kurzem begonnen hat?! Und man ist selber ebenfalls wieder ein weiteres Lebensjahr älter.
Nun, wie dem auch sei – Fakt ist, man beginnt mehr und mehr zu genießen (oder zumindest ich), beginnt “wichtige” Dinge tatsächlich nach ihrer wahren und echten Gewichtigkeit zu bewerten und sucht sich bewusst und unbewusst bequeme Alltags-Dinge, die das Leben ein wenig leichter machen.
Damit wären wir beim Lesen. Ich lese gerne. Ich lese viel. Ich hatte hunderte und mehr Bücher als Kind. Und jedes davon wurde etliche Male oder öfter verschlungen. Auch die Bücherei war für mich ein kleines, zweites Zuhause. Und seitdem war ich selbstverständlich – und wenig überraschend – immer ein Anhänger von geschriebenen Worten. Später dann folgten jedoch analoge Bilder, die Liebhaberei mit der Fotografie und der visuellen Ausdrucksform, später dann noch mehr an digitalen Bildern und heute nun kehre ich wieder mehr und mehr wieder zurück zu den Worten. Die ganzen schönen Fotos und Grafiken, die sich Millionen- und Myriadenfach im Netz verteilt finden, eines besser als das andere, ermüden mich zusehends. Es ist – einfach gesagt – wirklich schon zuviel irgendwie. Kaum eine Idee, die es noch nicht gab oder gibt, kaum ein Model-Foto, dass nicht bereits umgesetzt wurde – und entdeckt man ein wirklich herausragendes, taucht gleich darauf ein noch besseres auf. Es mag fast gar nicht mehr enden… einerseits schön, andererseits fehlt mir nun das “Eintauchen” in die Geschichten dahinter – bei der Masse der Bilder verliert sich das zusehends. Gilt auch für den geschriebenen Text, aber in Gedanken kann man jedes beschriebene Bild immer wieder aufs Neue selbst gestalten – Grenzen bietet hier nur die eigene Kreativität.
Und damit sind wir also bei den Büchern. Ja – ich lese seit längerer Zeit jetzt auch elektronische Bücher via E-Book. Aber mehr und mehr fehlt auch dazu die Zeit irgendwie. Obwohl sich am Tagesablauf nicht viel geändert hat. Aber die “unnütz verlorene” Zeit durch Arbeitsalltag, Anfahrtswege und dergleichen wurde mehr… und die gilt es irgendwie zu füllen.
Irgendwann vor einiger Zeit bin ich bei Amazon weiter über Audible.de gestolpert. Gleich vorne weg – ich habe keine Ahnung ob es das beste oder schlechteste Service für Hörbücher ist, ich habe keine Ahnung, ob die Autoren ausreichend entlohnt werden und ich kann mich nicht auf jahrelange Erfahrung oder sonstige Tests von irgend jemanden stützen. Und es ist keine bezahlte Werbung, noch habe ich etwas davon, wenn ich hier darüber schreibe.
Zehn Euro im Monat zahle ich jetzt – und kann mir in jedem Monat damit ein Hörbuch meiner Wahl runterladen. Klingt im ersten Moment wirklich nicht viel, aber wenn man sich die ungekürzten Hörbücher raussucht, dann wird man mit 15-20 stündigen Inhalten beglückt… und es geht sich recht gut aus im Alltag. Unter der Arbeitswoche zum Beispiel stöpsel ich mir meine Kopfhörer rein und tauche für die Fahrt zum Arbeitsplatz (und dann wieder beim zurückfahren) in eine andere Welt. Vorwiegend Krimis, Thriller und dergleichen. Mittlerweile bin ich bei Audible bei meinem siebten ~17 stündigem Hörbuch… und es war jedesmal wirklich gut. Und hat Spaß gemacht und lange Wege durch die Stadt verkürzt.
Obwohl ich mit Blick auf meine Haushaltskasse und auf Datenschutz und Co. nicht gerade ein Befürworter von monatlichen Online-Abos bin, zahle ich für sowas durchaus gerne. Im Gegensatz zu früher, muss ich nicht irgendwelche zusammengesuchten, “dunkle Download-Quellen” durchforsten - ja, man ist dort genauso schnell und bekommt das Gleiche ohne Ausgaben – aber wie es halt so klassisch ist… irgendwann merkt man auch selber, dass man nicht alles kostenlos haben kann – und auch nicht sollte. Und das sage ich nach vielen, vielen Gigabytes, Terrabytes und noch mehr an Downloads früher… aber mittlerweile geht sogar mir selber diese tatsächlich schon fix eingeimpfte Mentalität in der breiten Usermasse “Im Netz ist alles gratis” einfach extrem auf den Nerv.
“Wir” – heute alten Geeks – wussten in unseren jungen Jahren wenigstens noch, dass wir illegal Sachen zogen, aber heute fehlt sogar dieses grundlegende Bewusstsein. “Was ich sehe, kann ich einfach so haben” – so denkt der User heute. Ganz so funktioniert es ja dann doch auch nicht im realen Leben – oder besser: sollte nicht. Ob das daran liegt, dass ich jetzt älter geworden bin oder einfach heute selber weiß, was meine eigene ”elektronische Leistungsfähigkeit” wert ist, kann ich nicht sagen. Vielleicht liegt es daran – dann wäre diese Erkenntnis auch klassisch irgendwie. Aber eigentlich ist es egal – Fakt ist, ich zahle heute gerne (wenn möglich), wenn und sofern die Qualität stimmt. Egal ob Hörbuch, Template für den Blog oder dergleichen. Ich muss natürlich einen – gefühlten – Gewinn davon haben. Zum Beispiel weniger Code-Arbeit oder die Möglichkeit Bücher unterwegs zu konsumieren. Auch bei OpenSource-Projekten gehöre ich mittlerweile zu denen, die auch versuchen, mal da und dort eine Kleinigkeit für eine gelungene Umsetzung zu spenden – und ich kann bestätigen: es fühlt sich besser an.
Und was den Rest betrifft – ich werde da auch radikal – wenn etwas gut, aber zu teuer für mich ist, wird es einfach nicht angeschafft. Besser so – und es fühlt sich ebenso gut an. Das Leben läuft trotzdem weiter.
So – jetzt bin ich abgeschweift… wo war ich? Aja, Hörbücher. Auf jeden Fall gibt es dort einige gute Dinge – empfehlen kann ich nur das, was ich selber gelesen – äh, gehört habe – zum Beispiel: Formula, IceShip, Thunderhead und zur Zeit gerade Mount Dragon. Also – falls jemand gerne Lesegenuß auch gerne hört, viel zu Fuß, mit dem Auto oder den Öffis unterwegs ist und sich vor der grauen, dreckigen und lärmenden Stadt abkoppeln möchte – Angebote wie Audible und ähnliche machen es relativ bequem möglich. Man muss nur schauen, dass das Handy, der MP3-Player oder sonstiges elektronische Gerät in der kompatiblen Liste auftaucht – da es natürlich einen eigenen Player dafür gibt (der aber nicht schlecht ist).
Foto: Wikimedia Commons / Sinatra / Public Domain
Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.
wie geht sich das alles aus – 17 std hörbuch….?????
Wie meinst Du das? Wenn Du jeden Tag je eine Stunde unterwegs bist (und das zweimal), dann geht sich das im Monat recht gut aus…