Also. Es ist schade, aber meine weihnachtliche Stimmung ist irgendwie vollständig erloschen für dieses Jahr. Die Menschen und dieser Shoppingwahn ist wirklich einfach zu übertrieben schon. Mal eben am späten Nachmittag über die Einkaufsstraßen “flanieren” hat eher etwas von “kollektivem Lemming-Fieber”. Jeder läuft mit zwei, drei oder vier Taschen herum, steht jeweils dem anderen im Weg und ist genervt, hektisch, nervös und gestresst. Und man kann nicht mal einfach sagen, dass man sich von so etwas gar nicht beeinflussen lassen sollte, wenn einem im Alltag-Hamsterrad leider trotz aller Versuche nichts anderes übrig bleibt.
Immerhin gab es heute kurzfristig noch “Achterbahn” fahren mit Tofugotchi. Eigentlich war der Tag etwas anders geplant, aber irgendwann stand ich plötzlich in einem Geschäft, mit gefühlten tausend anderen Menschen. Tofugotchi neben mir mit zwei Errungenschaften und vor uns eine Warteschlange wie nach dem Zusammenbruch der UDSSR. Keine Ahnung wie und warum, aber wir waren dann doch schneller als gedacht dran. Also so circa im Jahr 4324. Danach ging es beinahe schnurstracks zum fahrbaren Untersatz und die lustige Achterbahn-Fahrt durch die Stadt ging los. Zwischen Handy, Fahrbahn, Handy, Achterbahn, Handy, Handy… aja, Achterbahn und Handy ging es nach einem kurzen Zwischenstopp durch das verstaute Wien, lustige Rot-Grün-Ampel-Wellen, zum Luft holen direkt hinaus in die Pampa an den Stadtrand von Wien, dort wurde mal die Gesundheit wieder aufgefrischt und danach ging es wieder zurück… genauer gesagt so wie die anderen Lemminge in die Welt von Glaspalästen und dem Glanz des Kommerzes.
Denn eigentlich wollte Tofugotchi ja nur mal ganz kurz was schauen. Also ganz kurz nur und eh ganz schnell, weil ja Zeitstress und so. Also wuchteten wir uns mal eben in eines der am schlecht besuchtesten Einkausfzentren ganz Wiens, fanden so natürlich mehr oder weniger auf Anhieb einen Parkplatz – und, ganz nach Tofugotchis Tradition immer prinzipiell den am weit entferntesten Parkplatz beim Einkaufen zu nehmen, parkten wir dieses Mal gleich am Dach oben… und fuhren dann wieder mit Aufzügen runter. Man kann es auch mal umgekehrt machen, Abwechslung tut gut.
Dann fand ich mich plötzlich zwischen unzähligen Reihen an textilen Stoffen wieder, versuchte dabei irgendwie mit Tofugotchi Schritt zu halten, die während Handy-Schreiben, Erzählen und Nachdenken, Telefonieren und zwischen den Regalen huschend, sich zielstrebig zu ihrem bereits lange im Vorfeld auserkorenen Stück ranpirschte. Das Gute an ihr ist ja, dass sie, im Gegensatz zu anderen Menschen, nicht zu denen gehören, die einfach in ein Geschäft gehen und dann völlig blindlings und von bunten Farben und der Fahrstuhlmusik verleitet einfach irgendwas kaufen, sich in den finanziellen Ruin stürzen und dann dick bepackt aus den Filialen wanken.
Nein, nein, das Gotchi läuft einfach in das Geschäft, weiß ganz genau was sie will, sucht sich das passende Teil aus und dann… ja, dann fragt sie, ob das Ding da drüben vielleicht nicht doch auch irgendwo ein klein wenig schön wäre? Und das hier? Und das hier auch? Und… Moment mal, das muss ich probieren… Na gut. Schließlich taucht sie dann irgendwann wieder wie aus dem Nichts auf und et voilá, schon sind wir bei der Kassa… und wanken, brav an die Welt der Lemminge angepasst, mit 3~4 Teilen wieder raus. Aja – das Teil, dass sie eigentlich wollte, blieb natürlich im Geschäft.
Danach fuhren wir nochmal eine Runde Achterbahn – überlebten es sogar – und kurz darauf war ich schon wieder an einem ganz anderen Ende von Wien. Schnell geht das immer. Die Achterbahnfahrten dazwischen wurden übrigens neben dem Handy auch mit Singen und Pfeifen von Weihnachtsmusik erweitert. So lobt man sich Autofahrten. Tofugotchi verschwand dann wieder in den Tiefen der Nacht und ich landete mit Katzenstreu und Futterzeugs in der Hand bei der nächsten Supermarkt-Kassa. Zuhause bastelte ich mir noch schnell Kartoffelpuffer und dann begann ich den Blogeintrag hier zu schreiben. Und jetzt bin ich hier. Tataaaa.

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.