Spanien, Wiener Glanz und konservative Mädchen

Gestern Abend war ich mit Miaugotchi im Kino und wir haben uns ‘Nur für Personal’ angeschaut – ein sehr netter, irgendwie auch recht harmloser Film. Gutmütig, sanft amüsant und nahe an dem fiktiven Leben der kleinen, dezenten und recht klischeehaften Alltagsfreuden sowie der Wiederentdeckung seines Ichs – gepaart mit dem spanisch-französischem Flair von Frauen, Musik und schöner Landschaft. Ein Film, aus dem man unbeschwert raus geht, entspannt und auch den Kopf frei hat – und danach auch mal in der Nacht irgendwo in der Stadt durchatmet und einfach die Atmosphäre genießt.

Ich bin nämlich nach dem Film noch einen großen Teil zu Fuss durch die Stadt heimwärts gegangen, in den Ohrstöpseln langsame, spanische Gitarrenmusik und habe die leuchtende Szenerie des heimischen Wohlstandes und des weihnachtlichen Kommerzes irgendwie genossen. Vorbei an den hell erleuchteten Ringstraßen-Hotels, den weihnachtlich geschmückten, um diese Zeit natürlich leeren, Einkaufsstraßen – und entlang den Fenstern diverser Innenstadtlokalen des gehobenen Ambientes.

Eine durchaus schöne Kulisse, wenn man sie in der richtigen Stimmung und abgelöst von der dunklen Wiener Seele und auch mit etwas Abstand betrachtet. Ich mag diese Momente, wenn ich durch die Straßen ziehe und den sich bewegenden, lachenden und sich gegenseitig anstoßenden Schatten in den gedimmten, exklusiven Lokalen zuschaue… das warme Licht, der Glanz des Reichtums, schöne Menschen und kleine Galadinner bei Kerzenschein – es hat etwas von diesem ganz bestimmten “wohlwissendem Genuß”. Ich genieße sozusagen den Schein dieses reichen Glanzes, bin aber froh, dass ich nicht selber aufgerichtet und mit feinen Bewegungen vorsichtig das Tafelsilber schwingen muss, dabei immer wieder dem Gesprächspartner anerkennend zunicken oder womöglich sogar dauerhaft die Haltung des konservativen Reichtums bewahren muss.

Diese Distanz tut gut und hat vielleicht auch etwas mit der Befriedigung zu tun, dass diese Menschen auch nicht unbedingt glücklicher sind als man selber – und dass man auf Dauer in diesem Flair des Ansehens irgendwann sicherlich verknöchert. Aber schöne Bilder schaut man sich halt auch gerne an, ohne sie selber malen zu können oder zu wollen.

Es ging dann weiter hinaus, an die Randbezirke, wo wie immer am Abend dutzende junge Mädchen da und dort mit Taxis und Co. in die Innenstadt strömen. Und bin jedesmal völlig überrascht, dass die heutige Generation im Alter von 14 bis 18 sich dermaßen konservativ kleidet. Fast alle haben diese kleinen, schwarzen Schühchen an, die mich eher an Tanzschulen oder ähnliches erinnern, fast alle transparente, matte Strümpfe, ein schwarzes kleines, schmuckloses Täschchen in der Armbeuge und das Kleid – meist auch schwarz – geht bis knapp an die Knie und ist ebenfalls eher schmucklos, fast unauffällig. Auch findet sich recht viel MakeUp (rote Lippen??? die waren noch nie schön in einer 1 Zentimeter Schicht) und idente, recht klassische, schulterlange Haarschnitte. Das Ganze lässt mich jedesmal fast unverweigerlich an die 50er, 60er oder so denken. Ich verstehe es nicht.

Wo sind die knappen Miniröcke hin, die High Heels und Pumps, enge oder knappe Jeans, Tops, bauchfrei oder hochgeschlossen, verschiedene Farben, das Partyfeeling, lange Haare, Ponys oder Kurzhaarfrisuren? Natürliche Ausstrahlung oder gefärbte Haare?

Bei der jungen  Innenstadt-Generation dürfte das irgendwie nicht gang und gäbe sein, man bewegt sich hier seit einiger Zeit immer mehr und mehr auf einem eher konservativen Parkett. Seltsam… wirklich. Warum ist das so?


Autor: Emanuel Sprosec

Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.


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