
Ich bin schon ziemlich genervt. Und zwar von dem ganzen Rausch, der sich schon wieder um Weihnachten dreht. Erstens ist meine Weihnachtsstimmung bei null. Zweitens gehen mir die Meldungen mit “Erfolgreicher Einkaufssamstag – blablabla” auch auf den Nerv. Vor allem, wenn man sich bei der Kasse mal anschaut, was die Leute so kaufen. Eine CD, einen Mixer, eine Plastikbarbie-Puppe und so weiter und so fort. Lauter “Klumpert”.
Auch bei dem Lichterzeugs, dass man sich in die Fenster klatschen kann, dominieren anscheinend Plastikfarben – und der grausige und billige Weihnachtsmann, den man sich wie ein zerfetztes Geschirrtuch mit Plastikleiter auf’s Dach oder an das Fenster hängen kann, löst bei mir schon einen richtigen Schüttelfrost aus – und das trotz der warmen Temperaturen. Ich hasse diesen verdrückten, verformten Weihnachtsmann, denn man speziell bei Kleingarten-Siedlungen, Gemeindebauten oder einzelnen Bezirken Schwerpunktsmäßig sieht – ist jetzt nicht abwertend gemeint – aber der Kulturstatus solcher wirklich hässlichen Verkitschungen spricht Bände.
Getrübt wird das Ganze dann noch durch die Supermärkte, in denen man zerdrückte und zerfledderte Weihnachtsmänner aus Schokolade aufgestapelt hat, bei der Hälfte von ihnen löst sich die Alufolie ab und die meisten sind auch vom Aufdruck her so billig, dass man unwillkürlich an Fehlproduktionen denkt. Auch der “öffentliche” Weihnachtsschmuck in den Straßen oder zum Beispiel bei Tankstellen, führt das Ganze ad absurdum. Da gibt es zum Beispiel eine Tankstelle in meiner Gegend, wo der kleine Mini-Tannenbaum mit 40 Zentimeter Höhe von einer – gefühlten – 10 Kilo-Lichterkette umschlungen ist. In der Nacht ist das nichts anderes, als eine überdimensionierte Glühbirne, die da leuchtet – vom Baum keine Spur mehr, der verschwindet unter dem ganzen Plastikzeugs.
Irgendwie erinnert mich Weihnachten mehr und mehr an die heutige Generation an Pop-Musik. Einfach Schrott, was schade ist. Und wenn man dann aber mit Freunden zum Beispiel auf einen der Weihnachtsmärkte geht, die sich teilweise von den Standln sogar wieder gebessert haben, wird man von einer unglaublichen Masse an Menschen erdrückt, erschlagen, verschoben oder in seiner Bewegung eingeschränkt. Eine halbe Stunde lang angestellt stehen, dann wieder eine Viertelstunde um Becher zurück zu geben, und dann weder richtige Steh- oder Sitzmöglichkeiten und nur Großfamilien um einen, die sich laut schreiend und angeheitert auf 30 Zentimeter Entfernung unterhalten und dabei entweder tiefsten Dialekt oder deutsche Floskeln um sich werfen. Nein. Danke. Der Elan, der mich zur Weihnachtsstimmung früher getrieben hat, ist wirklich sehr erlahmt. Leider.
Mit Miaugotchi habe ich mich letztens bei einem gemeinsamen Abendessen darüber unterhalten. Und sie macht es richtig. In deren Familie wird zum Beispiel konsequent nichts untereinander geschenkt – was ich sehr befürworte und stattdessen gibt es nur einzelne, gemeinsam Treffen in kleinen Kreisen. Finde ich richtig… dieser Weihnachtstrubel in den Geschäften ist sinnlos – wenn man was schenken mag und/oder sich leisten kann, dann soll man das nicht auf diesen einen Tag festlegen (schon gar nicht sinnloses Plastik-Zeugs), sondern es dann tun, wenn einem einfach danach ist und man jemanden eine Freude machen möchte… egal wann (vermutlich würden sich die Menschen dann gar nichts mehr schenken – ahahaha).
Und nein – ich bin nicht gegen Weihnachten. Ich wünsche mir einen – sofern man sich was wünschen darf – Weihnachtstag, an dem es schöne, dicke Schneeflocken schneit. Der ruhig und still und entspannt ist. An dem es keinen Trubel und herum kurven durch die Stadt gibt (so etwas zerstört auch extrem die Stimmung, wenn man die halbe Nacht nur von A nach B mit der Bim und Bus herumkurvt – da ist man nur genervt). Wo es im Radio oder sonstwo beschaulich ruhige, klassische Weihnachtsmusik spielt und man mit (wenigen) nahen Menschen die Zeit verbringt… ohne Diskussionen, Streitereien, Problem-Wälzen, komplizierten Familiengeflechten oder sonstigem in diese Richtung. Einfach einen netten Abend, etwas Kerzenlicht und so was wie eine romantische Stimmung. Aber das ist gar nicht so leicht – denn die Weihnachts-Lemminge strömen überall laut quietschend in der Stadt herum…




geb ich dir ja recht. bloß. sofern nicht alle am selben ort wohnen , muss irgendwer dran glauben und sich in´s auto oder ubahn setzen, um die anderen treffen zu können. und: romantik muss von selber entstehen, kerzenschein kann helfen, aber brigt das noch nicht selbst mit sich…..
superschönes foto!