Aus irgendwelchen Gründen bin ich heute Nacht mehrfach aufgewacht und habe mich dann aus Schlafmangel ein wenig durch die Blog-Landschaft gelesen und bin dabei recht ziellos via Handy im elektronischen Netz-Nirvana geschwebt. Über irgendwelche Ecken bin ich dann über diesen Eintrag hier gestolpert: Do People Really Want You to Be Honest?.

Zu sich und zu anderen ehrlich zu sein, gehört sicherlich zu den schwersten Dinge des Lebens. Und wie es im Artikel richtig steht, versucht man einerseits niemanden zu verletzen, andererseits schützt man irgendwie sich selbst und seinen Charakter damit. Diese Wegfindung ist eigentlich immer schwer, kompliziert und einen ehrlichen Mensch, der immer ehrlich ist… den gibt es nicht bzw. kann es gar nicht geben.
Aber das angeführte Beispiel ist gut. Ich kann mich erinnern, als zum Beispiel Sonnengotchi vor vielen Jahren mal bei einem gemeinsamen Café plötzlich meinte, dass sie offen sein möchte – sie mag gerade einfach nicht reden. Sie hat gerade keine Lust über das Thema zu sprechen, möchte einfach mal nichts sagen und die Stille genießen. Im ersten Moment war das natürlich so ein “Mhmmmmmmmm, ok?!? Was habe ich angestellt? Was falsches gesagt?”. Und da saßen wir und schauten schweigend durch die Gegend. Es war damals einfach ungewohnt. Genauso wenn man nach einem Treffen fragt und der andere antwortet “Keine Lust, mag heute für mich sein”. So was ist trotz aller Verständnis immer im ersten Moment so eine Stelle im Leben, wo man mal kräftig runter schlucken muss. Dabei war es rückblickend das Beste, was man in einer Freundschaft machen kann. Den anderen offen an einem selber teilhaben lassen.
Im Laufe der Zeit habe ich das immer mehr und mehr verstanden und auch bemerkt, dass es auch mir gut tun würde, einfach das zu sagen, was man sich gerade denkt. Ja, natürlich ist mir das eher selten als oft gelungen in den letzten Jahren, aber daran möchte ich auf jeden Fall stark arbeiten. Zwischen Sonnengotchi und mir hatte es sich damals dann gut eingespielt, weil wir bald wussten, dass es weder böse oder irgendwie unfreundlich gemeint war. Schließlich kennt das sicherlich jeder, wenn man unterwegs ist und dann gibt es einen Moment, den man einfach mal genießen möchte – ganz für sich… und ohne, dass man den anderen deswegen gleich los haben möchte oder wegschicken will.
Auch ein “Ich habe heute keine Lust auf ein Treffen” ist oder kann verletzend sein, andererseits kennen wir sicherlich alle so Tage, wo man wirklich einfach keine Lust, keine Nerven oder den Willen hat, jemanden überhaupt zu sehen – auch wenn man den anderen tatsächlich sehr gerne hat, sich auch sonst immer freut denjenigen zu sehen und dafür auch am nächsten Tag am liebsten umarmen möchte. Aber diese Moment von “Jetzt gerade ich nur für mich bitte” hat jeder. Es gehört zum Mensch sein dazu. Oder auch Einkaufen gehen – der andere möchte mit, selber aber wollte man doch ganz ungestört die Sache erledigen oder vielleicht sogar mit jemand anderen… das dem Fragenden und womöglich besten Freund oder Freundin zu sagen, ist mehr als nur ein Kunststück und kann auch belastend sein.
Und fast immer wird dann aus Respekt, aus Rücksicht und weil man nicht “böse” sein möchte, herumgedrückt, ein Vorwand gesucht oder sonstiges. Dabei ist es nicht richtig. Wenn man es mal schafft, hier offen zu sein, dann – glaube ich – kann das sogar Freundschaften und sonstige Beziehungen stärken, weil der andere dafür umso mehr weiß, dass man ihm gegenüber immer aufrichtig ist und er auch weiß, dass im Fall des Falles es tatsächlich nichts mit ihm als Mensch oder FreundIn zu tun hat. Das Verständnis zu solchen Situationen kann bzw. muss im Laufe der Zeit wachsen und sich gegenseitig einspielen – aber bietet einen viel besseren und lockeren Zugang miteinander – und schafft mentale Freiheit. Und was ist schöner, als wenn man zueinander ehrlich sein kann und dem anderen dabei vertrauen kann und darf?
Daran will ich arbeiten. Einfach mal das ausspucken, was ich mir denke – in der Hoffnung, keine Messerstiche zu verteilen oder das es falsch verstanden wird. Aber im Endeffekt kommt es beiden Seiten zugute und man muss keinen Spagat auf einem Seil balancieren. Denn das runter Fallen tut dann beiden weh.
Hier schreibt Emanuel-S aus Wien. Schoko-, Katzen- und Naturliebhaber, Mode-, Fotografie- sowie Linux-Freak und Blogger seit 10 Jahren. Wer noch mehr wissen will, findet in meinem Portfolio weitere Infos und ein paar meiner Arbeiten.
ja. so ist es.
ähm – kannst nicht mal eine aufstellung liefern wer welches gotchi ist?
Nein – sorry, das ist Privatsphäre und mehr Infos dazu gehören auch nicht in einen öffentlichen Blog.