Ach – gestern war es sehr fein. Filmcasino und ein italienischer Film auf der flimmernden Leinwand… so gehört sich ein Abend in der verregneten Stadt. Ich muss ja ehrlich sagen, dass ich italienische und französische – und natürlich ebenso spanische – Filme schon alleine wegen der Sprache mag – auch wenn ich natürlich praktisch nichts davon verstehe und mich mit den Untertiteln jedes Mal anfreunden darf. Aber schon alleine das Ambiente der Sprache verführt einem zum Genuß.

Gestern gab es am Anfang des Filmes (siehe unten) einen Moment, wo es im Filmcasino dieses aufkeimende Flair von “Hey, wir sind gerade wirklich in den 70ern, sitzen in irgendeinem Kaff in Italien unten im Süden im Kino und schauen das Aktuellste, was man auf der Leinwand zur Zeit sehen kann” in mir aufkam. Es hatte etwas von einem Moment der mentalen Zeitreise… man lehnt sich zurück, neben mir Miaugotchi, die sich über die fußfreie Reihe freute und sich dabei dehnte und streckte wie eine junge Katze, rundherum um uns die Holzvertäfelung, der große, freie Flair von Bühne und Präsentation, den ja das Filmcasino schon alleine durch seine Räumlichkeit im Kino-Saal bietet, die – recht hohe montierte – kleine und dennoch ausreichende Leinwand, die Klapp-Holzsesseln und dann dazu das sich klassisch überschlagende Italo-Reden und Schreien im Film…. es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte mich wirklich nicht gewundert, wenn man danach aus dem Kino gegangen wäre und man wäre plötzlich direkt auf einer der Flaniermeilen am Strand in Grado, Chioggia, Rimini oder Acona in den frühen 70ern katapultiert worden.
Konnte ich mir so richtig bildlich vorstellen – ich mit so einem gestreiften, kurzärmligen 70er-Polo-Hemd, lange Haare mit Koteletten auf der Seite, dazu kurze Hosen und fleißig Kaugummi kauend, Miaugotchi daneben, die sowieso einen italienischen Touch von sich strahlt und ja sogar versteht, was auf der Leinwand so geredet wird – ganz ohne Untertitel – und rundherum auch Wuschelköpfe und der klassische 70er-Sakko-Anzugs-Style des älteren Publikums mit der üblichen Hornbrille. Herrlich! Ich liebe solche inneren Momente des Lebens…. Also – ins Filmcasino möchte ich auf jeden Fall wieder öfter gehen!



