Ist schon komisch – nachdem ich heute bereits recht zeitig herum kurven musste (die Frühschicht lässt grüßen), sah ich damit nun die andere Seite von Silvester – also vereinfacht und heute ausnahmsweise reduziert gesagt als “Schichtarbeiter”, der zur Abwechslung sich auch mal damit beschäftigen musste, die Hinterlassenschaften nach der ganzen Böllerei, Knallerei und Geldverbrennerei zu begutachten, zu bewerten und zur Wegsicherung auch mal da und dort zumindest grob & notdürftig zu entfernen. Klingt jetzt etwas überspitzt, aber bei der ganzen Aktion ist mir heute eines sehr stark aufgefallen – je nach Stadtbereich und Gebiet gibt es unterschiedliche Überreste von Knallkörpern und dergleichen.
Je weiter man in die dicht besiedelten, grauen Wohnblock-Gebiete kommt, umso mehr finden sich Reste von “Piraten” und sonstigem (billigen) “Knall”-Zeugs, dass außer Lärm eigentlich keinen visuellen Eindruck oder ein sonstiges, besonderes “Aha”-Erlebnis bietet. Auch die Anzahl von Bier-Wein-Sekt-Flaschen und Vermüllung nimmt je nach Umgebung deutlich zu oder ab. Je weiter man jedoch in die “gehobene” und “ruhige” Gegend Wiens kommt, umso mehr finden sich eher Reste visueller Feuerwerkskörper, angefangen von diversen Bienen, Wespen, anderen Bodenfeuerwerken und den klassischen langen Boden-Luft-Raketen (also – äh – ich meine halt die, die am Himmel sich dann in farbenprächtige Lichtspuren aufteilen und dem ganzen Silvester-Pseudo-Kalender-Hype zumindest eine bunte und annehmbare Note geben). Die sind natürlich wesentlich teurer pro Stück im Gegensatz zu den billigen Hunderter-Schachteln an Knallern. Auch Karton-Überreste, Bänder, Luftballons sowie Flaschen finden sich in diesen Gegenden eher recht brav in den Müllbehältern, ganz im Gegensatz zum erstgenannten Umfeld.
So… damit behaupte ich damit jetzt mal recht naiv, dass man deshalb anhand der Überreste der Feuerwerkskörper durchaus recht grob in Wien geografisch je nach Bezirk in etwa die Einkommensschichten festlegen kann – auch wenn es eine gewagte Aussage ist, die da und dort nur schwer zu halten ist – aber ganz grob ist das sicherlich möglich. Man muss natürlich Faktoren berücksichtigen, so zum Beispiel dass man in den engen Gassen eher Knaller wirft, als Raketen in den Himmel steigen zu lassen – auch dass das visuelle Erlebnis in ruhiger und gehobener Gegenden durch die dort meist niedrigen Bauten auch sicherlich eine gewisse Rolle bei der Entscheidung spielt, was man sich für Silvester anschafft. Auch muss man die Dichte berücksichtigen – in einem Wohnblock ist die Anzahl an Menschen und deren Kinder wesentlich höher, als in einem Low-Dense-Gebiet.
Kinder und Jugendliche wollen schließlich das Abenteuer, sprengen gerne Flaschen, Schachteln oder Erdhaufen in die Luft, während die älterer Generation, die statistisch sicherlich dichter in den “reichen” Villen-Gegenden verteilt ist und das notwendige Kleingeld unter dem Kopfkissen hat, sich lieber das Schauspiel am Himmel anschaut und das Farbengeflecht in der Nacht genießt. All das und noch viel mehr muss man berücksichtigen – aber ich würde das in Form einer kompletten wissenschaftlichen Studie durchaus interessant finden. Das Ergebnis dürfte vermutlich trotz aller Faktoren keine besondere Überraschung sein. Niedrige Einkommen und mehr Kinder – eher Knaller, hohes Einkommen und wenige Kinder – eher “leuchtende” Raketen. Und damit lässt sich demografisch in Kombi mit den Feuerwerkskörper-Überresten schon ein wenig arbeiten.
Wohlgemerkt ist diese Bewertung meinerseits übrigens jetzt neutral zu sehen und nicht im negativen Sinn – oder einer platte Verteilung von roher Ignoranz gegenüber einzelner Menschen oder Gruppen, sondern einfach nur als auffallende, großflächige und nüchterne geografische Begebenheit und Beobachtung.



