Dynamischer Text mit Emacs

Ich könnte mich ärgern. Wirklich. Seit Jahren (!) suche ich eine Möglichkeit, um schnell und bequem mit einfachen Textdateien arbeiten zu können. Man mag es nicht glauben… erst jetzt mit 31 Jahren entdecke (und verstehe) ich erstmals richtig Emacs. Einen Texteditor, den es schon seit 1976 gibt. Das muss man sich vorstellen… das Teil ist älter als ich, macht genau das was ich brauche (in meinem Fall mit dem “Org mode”) und bietet mir auch das, was ich seit langer, langer Zeit suche – und erst jetzt komme ich auf den Geschmack?! Pfff.

Dabei habe ich Emacs früher schon manchmal verwendet, vor allem unter Linux immer wieder mal. Aber gut, ich bin auch selber schuld… denn bisher bin ich immer nach wenigen Minuten wieder ausgestiegen, weil ich mir dachte, es ist zu kompliziert bzw. habe mir das Ganze nie näher angeschaut, sondern immer einfach überklickt – ständig auf der Suche nach einem anderen praktischen Programm, mit dem ich meine einfachen, schlichten Textdateien nicht nur bearbeiten, sondern auch zum Leben erwecken kann. Die Lösung war dabei die ganze Zeit direkt vor meiner Nase, sogar am Computer installiert und eingerichtet – und wieder vergessen.

Emacs mit dem Zusatz Org-Mode bietet mir genau das, was ich suche. Ich versuche es einfach zu erklären. Es ist eigentlich nichts anderes wie ein Textprogramm, mit dem man Textdateien erstellen, schreiben und speichern kann. Also zum Beispiel Notizen, Blog-Entwürfe, Geschichten, was auch immer… so was kann ich dann unter – zum Beispiel – “Dokumentation.txt”, “ToDo-Liste.txt” oder auch “Ein kleine Geschichte.txt” abspeichern. Wir wissen, dass solche kleinen Textdateien normalerweise ziemlich schlichte und einfache Dateien sind, sie haben keine besondere Formatierung und auch keine Interaktivität oder sonst was dynamisches an sich. Fade, einfache Textdateien. Aber genau deswegen mag ich sie so sehr – minimalistisch und so, ihr wisst schon.

Mit Emacs “Org-mode” schaut das Ganze aber noch besser aus. Zwar erstellt, bearbeitet und speichert man weiterhin simple Textdateien, aber innerhalb des Programms lassen sie sich zum Leben erwecken.

Man kann Überschriften bzw. Sprungmarken festlegen, Bereiche auf und zu klappen, nach Schlagwörtern suchen oder filtern, sich an kommende Termine oder wichtige ToDo’s erinnern lassen, Kalender-Übersichten anlegen, ToDo-Listen in Bereiche aufteilen, deren Einträge man abarbeiten beziehungsweise abhaken kann, die jeweilige Arbeitszeit bei einem Projekt oder eine sonstigen Tätigkeit erfassen, alte Einträge archivieren und verschieben und noch vieles mehr. Auch lassen sich strukturierte PDF-Dokumente oder auch Webseiten aus den Inhalten leicht erstellen.

Simple Textdateien als dynamischer Organizer für den Alltag. Kein leichter Einstieg, denn man muss sich etliche Tastaturkürzel merken und die Optik ist zugegeben etwas zu technisch bzw. text-lastig… es hat leider ein wenig den Nerd-Faktor – aber die Funktionalität darin ist extrem umfangreich, wirklich praktisch und alltagstauglich. Ich habe also wiedermal gelernt, dass man offen bleiben muss und nicht alles von vornherein ablehnen sollte, nur weil etwas “anders” ausschaut oder wirkt. Das hätte mir viel Zeit und Nerven erspart.

Übrigens – noch ein Argument für das “Warum?”. Mit Emacs kann ich nicht nur Texte schreiben und sogar direkt von dort hier in meinen Blog schreiben, sondern auch Termine, Notizen und meinen Kalender verwalten, zugleich Webseiten aktualisieren oder erstellen – und wenn man mag, kann man sogar seine Emails mit einem Zusatz damit erledigen. Alles in einem – man muss dazu nicht ständig zwischen verschiedenen Programmen wechseln. DAS ist der Bonus, der das Nerdige wieder wett macht. Effizienz.

Emacs Download: http://www.gnu.org/software/emacs/
Org-mode Download: http://orgmode.org/
Einfaches Tutorial: http://orgmode.org/worg/org-tutorials/orgtutorial_dto.html

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