Minimales Leben

Mh, ich bin doch nicht weiter gekommen, obwohl ich es zuletzt angekündigt hatte. Aber dafür habe ich gestern auf der Wiese (wiedermal) einen kleinen, feinen Blogeintrag vom Joshua gelesen – und zwar welche Probleme man unter anderem mit Minimalismus lösen kann. Und zwar auch ganz abseits von irgendwelchem pseudo-idiotischen und esoterischen oder Wir-retten-die-Welt-Philosophien. Ich bin mal so frei und schreibe einen kurzen Auszug hier.

Das Problem kennen die Meisten, vor allem heutzutage: Ich hab nicht genug Geld… ein relativ simples Problem, das sich allerdings recht schwer lösen lässt. Die einfachste Lösung ist aber natürlich, einfach weniger auszugeben. Ich schätze völlig blindlings, dass 30% das sowieso tun und nicht mehr können, aber die anderen 70% hätten da und dort sicherlich Einsparungsmöglichkeiten. Weniger Geld für sinnlosen Konsum ausgeben, lässt mehr in der Tasche. Weniger ist mehr.

Meine Wohnung ist immer so dreckig und chaotisch. Auch das kennen sicherlich die Meisten, aber auch hier die einfache Regel – besitze weniger Dinge und es löst sich von selber. Und dem muss ich zustimmen – seit dem ich meine Wohnung und vor allem das Wohnzimmer inhaltlich “reduziert” habe, ist aufräumen fast hinfällig und es bleibt nur mehr beim einfachen Aufkehren mit dem Besen. 5 Minuten und das Zimmer ist fertig. Nachdem wenig da ist, kann man naturgemäß auch wenig Chaos reinbringen.

Meine Wohnung oder mein Haus ist zu klein. Ja, das Platzproblem kenne ich nur zu gut von früher (noch gar nicht so lange her), wo sich Kartonschachteln und Co. da und dort türmten oder das Klo zugleich als Abstellkammerl fungierte. Tut es heute auch noch, aber dafür sind die restlichen Zimmer relativ leer geworden. Undurchsichtige Kartons, gefüllte Tragetaschen oder zugestopfte Kästen… was ist das? Beinahe alles ist direkt zugänglich und sofort auffindbar. Also – weniger haben, heißt auch mehr Platz, Raum, Freiheit und Luft.

Ich bin so gestresst. Ja, kenne ich… da spielt die Arbeitssituation auch eine große Rolle, ebenso wenn man Kinder hat und so weiter… wo man aber ansetzen kann, ist eben in seiner Wohnumgebung – denn ich kann das nur bestätigen. Reduzierte Einrichtung und weniger “Dinge” die herum kullern, machen das Wohnen gleich eine Spur stressfreier. Nichts, was man erst wegräumen muss, nichts, über das man stolpern kann, nichts was einem optisch auf den Nerv geht und so weiter und so fort.

Ich habe nicht genug Zeit. Detto – davon kann kaum jemand genug bekommen. Was allerdings (leider) auch stimmt ist, dass wir heute mehr Zeit denn je haben – zumindest im Gegensatz zu so manch anderen Generationen. Diese verträumte Retro-Romantik in der Arbeitswelt gab es so früher auch nicht, im Gegenteil – wir sind da heute sicher wesentlich behüteter… aber es stimmt auch, dass ein gewisser mentaler Stress gestiegen ist – kein Wunder, Informationen werden um einen x-Faktor schneller bereitgestellt und aktualisiert, als es je in den vergangenen Jahrtausenden der Menschheitsgeschichte möglich war – schneller, als wir sie verarbeiten können mittlerweile.

Minimalismus löst auch hier vieles… eine reduzierte Lebensumgebung benötigt weniger Pflege wie Putzen, Aufräumen, Sortieren und was auch immer. Ein Umzug geht ebenfalls um einen großen Faktor schneller, mal eben was umstellen in einem Zimmer ebenso. Es kommt Besuch? Kein Problem, man muss nicht stundenlang Platz schaffen. Man gewinnt viel mehr Zeit für andere Dinge.

Mehr von dem Ganzen könnt ihr hier nachlesen – aber eine kleine Anmerkung noch… etwas, das mir sehr hilft bei dem Ganzen, ist das Visualisieren unseres Lebensstiles.

Wohnblock
Wohnen in Wien – Foto von Grisei auf Flickr

Ich stelle mir immer zum Beispiel meine Stadt (Wien) vor, die Tausenden von Wohnungen, die wie Bienenwaben aufeinander gestapelt sind, jedes mit ein paar Fenstern, einer Türe und ein bis vier Menschen, die darin im Schnitt hausen. Diese Waben sind zu lauter kleinen, eckigen, meist grauen Haufen aufgetürmt und aneinander gereiht – in einem rechtwinkligen System. Schon da kann man sich wunderbar vorstellen, wie gigantisch und Ameisenhaft wir eigentlich sind. Wir haben auch recht viel von Termiten, nur scheinen die etwas besser organisiert zu sein.

Und nun stelle man sich auch noch vor, dass in jeder dieser unglaublich vielen Waben-Wohnungen jeder wiederum lauter kleine Haufen an “Zeugs” stapelt. Kästen, Kisten und so weiter mit Dingen, die irgendwie vermutlich sein Leben bereichern. Alte Zeitschriften, alte Kleidung, Elektrogeräte, Spielzeug und so weiter. Jeder einzelne von ihnen. In jedem Zimmer, hinter jedem Fenster. Wer eine gute Vorstellungskraft hat, wird merken, wie gigantisch dieser Haufen aus Plastik, Metall, Glas und Stoff wird. Und was wir alles in unserem Leben mitschleppen, um glücklich zu sein. Irgendwie verrückt.

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