Lust auf das Gleiche, aber anders…

Nach der Blog-Abstinenz der letzten Tage und einem wirklich guten Artikel über freie Schreiber, die in der Sonne sitzend die Welt in Worten festhalten, habe auch ich selber endlich wieder Lust auf’s Schreiben bekommen. Nicht zuletzt deswegen, weil ich so nebenbei wieder mal weitere Online-Geschichten meinerseits eingestampft und zudem diverse Online-Accounts abermalig reduziert habe.

Weg damit
Gutes Gefühl – meine privaten Aktivitäten im Netz sind jetzt tatsächlich nur mehr auf 3-4 Services beschränkt, der Rest wird mittlerweise nur mehr lesen oder schauend konsumiert. Auch habe ich übrigens zum Beispiel mein Last.fm-Konto gelöscht – obwohl ich dort im Laufe der letzten Jahre persönliche Playlists mit hunderten an Songs und Bands erstellt und unzählige Stunden mit guter Musik verbracht habe.

Nur – nachdem Last.fm ebenfalls unlängst gecrackt worden sind (eigentlich werden ja eh schon alle großen Services durchlöchert – im Schnitt gibt’s alle paar Tage irgendwo ein Datenleck) und ich immer weniger und weniger Lust habe, ständig und überall Passwörter zu erneuern und Accounts zu kontrollieren… ist das Löschen noch einfacher. Weniger Streß, mehr Sicherheit, mehr Freiraum abseits des elektronischen Nirwanas. Musik hören kann man schließlich auch viel einfacher und banaler – dazu brauche ich kein umfassendes Service (mehr) – und Text(e) rückt wieder in den Vordergrung für mich.

Sichtweisen
Besonders inspirierend war zudem weiters ein weiterer, wahrlich guter Blog-Artikel von einer südafrikanischen Schreiberin (finde den Link natürlich jetzt nicht mehr) über die Ur-Geschichte und Entstehung von Blogs, die Personen dahinter und so weiter – wirklich spannend – und ein anderer Artikel, der in zugegeben sehr blumigen und recht bunten Worten die Verwandlung von damaligen Erstlings-Online-Tagebüchern zu kommerzialisierten Massenblogs der heutigen Zeit und die zukünftige, natürliche Umformung zu einer hochwertigen Nischen-Elite beschreibt. Das Ganze hat aber nichts von “Blogs sind tot”, weil das ja Blödsinn ist, im Gegenteil – sondern eher mehr von einer vernünftigen, klaren Sichtweise… die Abspaltung von dem heutigen Begriff “Blog”.

Heute sind fast alle Online-Medien entweder Social-Portale, Online-Services in Kombi mit mobilen Apps, Foren (wobei die deutlich und relativ rasch weniger werden), News-Seiten oder eben recht spezifizierte Blogs, die meistens ja semi-professionell geführt und gefüttert werden – fast alle durchsetzt mit Werbung oder sonstigen ähnlich gelagerten “Incomes”… aber so der kleine, private Blog ohne spezifischen Bezug hat kaum noch Bedeutung bzw. eine Halbwertszeit von 3-5 Monaten. Ist so. Und gelesen werden sie kaum, die Klickzahlen sind generell durch die massive Streuung heutzutage einfach gesunken. Ist auch so, aber eigentlich ok, warum nicht? Ist ja nicht weiter schlimm.

Übrigens auch einer der Gründe, warum ich schon seit einiger Zeit keinerlei Besucherdaten mehr erfasse, weder Statistiken noch sonstwas… und dadurch keinen Einblick mehr habe, wer und ob hier überhaupt noch jemand mitliest. Und der Witz darin ist, dass es mir dann gleich wieder viel mehr Spass macht… womit wir wieder beim Stichwort “Freiheit” sind.

Sonnenstunden
Gestern Nachmittag war ich später noch auf einer Wiese, mit hüfthohem Gras rundherum – als ich mir dann eine kleine Liegekuhle in der weiten Fläche zurecht gedrückt hatte, war ich sozusagen komplett verschwunden (visuell) – und zugleich mittendrin im Leben und in der Sonne. Ein wahrer Genuss… und genauso will ich mein Online-Leben zukünftig handhaben. Irgendwo im tiefen Gras, kaum oder gar nicht sichtbar – aber trotzdem zugleich direkt damit in Berührung und umschwärmt von Insekten, Vögeln und den Blick auf den weiten, blauen Himmel. Ein Genuß!

Und jetzt?
Vor wenigen Tagen hatte ich bereits zum ersten Mal dieses “Ok, ich sitze vor dem Schlepptop. Mh, tja… und was könnte ich darin machen? Internet surfen… hat sich nach 10 Jahren nun fast irgendwie erschöpft. Was könnte ich noch jetzt machen? Projekte… schon wieder?” Und so ging es sicherlich fast eine Stunde weiter – schlußendlich entstand dann einfach eine nette Grafik mit Inkscape… und ich war glücklich. So soll es sein! Ich bin mehr und mehr am Ziel meiner eigenen Umwandlung von “Ich will in der Masse gut sichtbar vorne dabei sein” zu “Ich will einfach vorne in der unscheinbaren Nischenwelt sein”.

Und das ist ein wirklich gutes Gefühl! Auch wenn es Abstriche gibt und der innere Drang zu den früheren Interessen und Online-Aktivitäten immer wieder durchbricht und sich hochkämpfen will… nur weiß ich auch, dass sie mich nicht glücklich, sondern nur dauerhaft sehnsüchtig und frustriert gemacht haben.

Frei und unabhängig
Ich möchte bald so weit sein, dass mich Fotografie und Mode und all dieses Zeugs der damaligen Zeit nicht mal mehr ansatzweise interessiert… um genau darin dann wieder ein Glück zu finden. Keine Vorbilder, keine “Ziele” in dem Sinn, keine vorgeformten Etappen und keine anderen Eindrücke, die einem immer irgendwie beeinflussen – egal ob man will oder nicht.

So verlor ich mich bisher immer wieder in den Fotos anderer, war oft stundenlang auf Tumblr, bei diversen Online-Magazinen, bei eigenen Projekten und so weiter, immer so “Oh!” und “Ah!” – aber das Eigene ist da nie entstanden und es kostet unnötig Lebens-Zeit. Ich will zum Beispiel die Kamera in die Hand nehmen und dabei an keine Fotos mehr denken, die es woanders gibt, ich will den Blog hier befüllen, ohne sich an den Themen oder Online-Aktivitäten anderer zu orientieren und ich will das Leben atmen – egal ob es jemand sieht oder nicht.

Ein Lernprozess und auch oft gegen die innere Natur, aber deutlich wohltuender für das “Leben”. Ich mache es für mich ganz alleine. Und nicht für jemanden. Eine gute Entscheidung – soviel weiß ich auf jeden Fall.

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