Minimalistisch Leben V

Mal wieder etwas ernsthafter hier… heute habe ich einen weiteren Schritt unternommen und mich von alten Gläsern, Tellern und Flaschen getrennt, die ich aus – zum Teil nostalgischen – Gründen aufgehoben hatte. Unnötig, denn seit dieser Zeit waren sie aus meinem Blickfeld verschwunden und bereits vergessen.

Foto: Manfred Fjellstedt @ Einfacherweise.com

Umso größer war die Wohltat, als ich heute vor dem Glascontainer stand und bei jedem Stück das Wissen in mir hatte, wieder ein wenig mehr Platz in der Wohnung zu haben – und damit wieder ein Stück weniger Last, die einem an einen Ort bindet.

Aber ich muss auch ehrlich sein… momentan stockt das Minimalisierungs-Projekt in der Wohnung etwas. Es gibt weiterhin genug zu tun, viele alte Mappen warten auf das Durchforsten – aber es ist zugleich auch schwerer geworden.

Die meisten der Dinge, die sich da und dort noch finden, will ich schon lange loswerden, schon lange vereinfachen und endlich loslassen können – sei es ein angeschlagenes Tongefäß, alte Fotos ohne besonderen Bildinhalt oder auch alte Zeitschriften und Bücher.

Zwar hatte ich die bereits alle deutlich reduziert, aber dennoch ist die bestehende Hälfte in Wirklichkeit noch immer unnötig und eher störend. Aber die Hemmschwelle ist nun irgendwie höher geworden, aber ich denke, es liegt vor allem daran, dass es sich um Dinge handelt, die ich oft schon in den Händen hatte und mehrfach bereits mal in die oder andere Schachtel verlagerte. Sozusagen eine visuelle Gewohnheit dieser Dinge, ohne praktikablen Wert und Funktion aber. Und es ist dadurch nicht leicht, sich davon zu trennen.

Dennoch – weiterhin gibt es kleine Früchte da und dort zu ernten. Immerhin ist das Vorzimmer bis auf zwei Dinge mal praktisch komplett leer und steht damit für eine Neunutzung zur Verfügung – bzw. auch symbolisch dafür, dass ich bei einem Umzug mich um diesen Raum sozusagen nicht mehr kümmern muss. In Relation zu früher (also voriges Jahr) bedeutet das sicherlich in etwa 5-6 Umzugskartons weniger.

Mein Wohnzimmer lässt sich bald auch recht gut komprimieren – vermutlich reichen (abgesehen natürlich von dem Tisch, Sesseln und dem Sofa) 1 bis 2 Umzugskartons völlig aus. Außer etwas Computer- und Kabelzeugs sowie so kleine Dinge wie Muscheln, Fotos oder Kerzen gibt es da nicht viel wegzupacken. Das gibt mir ein angenehmes, freies Gefühl.

Wer sich nun fragt warum wird in Umzugskisten gerechnet und darüber philosophiert… nun, ich weiß und spüre bereits auch, dass es sich früher oder später auszahlen wird und ich eines Tages noch dankbar sein werde, dass ich mit einem einfachen Auto mein Hab & Gut problemlos transportieren kann – irgendwie hilft es die Hemmung, generell Neues im Leben zu wagen, zu verkleinern und entschlussfreudiger zu werden.

Man wird einfach mutiger beziehungsweise stehen durch eine minimalisierte physikalische Last mehr Möglichkeiten offen, Experimente im Leben zu wagen. Das geht mit einer Wohnung oder Haus, für das man 5 Kleinlaster braucht und 4 Wochen für einen Umzug (oder Reise) einfach nicht.

Das Foto oben ist übrigens vom Manfred (wiedermal) “geborgt” (ich hoffe, er ist mir nicht allzu böse) aber gemeinsam mit einigen anderen Blogs, sind auch seine Berichte immer wieder eine kleine Inspiration. Vor allem seine Basteleien mit dem “Luftsonnenfänger” aus einem alten Fenster, Bierdosen, Holz und Farbe zum “Heizen” seines obrigen, kleinen Wald-Wiesen-Häuschen-Domizils im hohen Norden sind Dinge, die mir einfach gut gefallen.

Diese “Ich mach’s mir selber-Projekte” wecken in mir immer die Neugierde und bieten in regelmäßigen Abständen Inspiration, Neuland zu betreten oder zu probieren – oder zumindest sich damit zu beschäftigen. Man kann das Alles also sozusagen als entspannendes Hobby oder dergleichen bei mir sehen.

Aktuell habe ich mir übrigens ein paar Holzstämmchen zur Seite gelegt, damit wird ein kleines, völlig banales Hängeschuhregal und eine Mistkübelhalterung für das Vorzimmer gebastelt. Mehr und mehr gefällt mir nämlich der Aspekt von Wildholzmöbeln – auch wenn für mich eine funktionale Durchsetzung mit High-Tech wie Laptop, Digi-Cam und Internet im Alltag einfach dazu gehört. Denn ich habe nicht vor, komplett zu verwildern, sondern sehr wohl ein freies und modernes Leben zu führen – aber eben eines, das ohne “Last” auskommt.

Zumindest will ich es versuchen, denn das Leben hält so oder so seine eigenen, ungeplanten Überraschungen für jeden von uns bereit. Manche fallen von heute auf morgen aus dem Lebensraster, bei anderen Menschen ändert sich von einer Stunde auf die andere das komplette Leben, manche starten durch und anderen scheitern endgültig – und mit 31 entfernt man sich von der Jugend auch immer mehr und die Möglichkeiten nehmen ab. Es gilt also die Zeit, die einem aktuell durch das Leben (noch) geboten wird, zu nützen…

Übrigens – wenn wir gerade bei dem Thema sind – die Miete für meine Wohnung ist schon wieder teurer geworden. Damit hält mich hier also wirklich nur mehr die Gegend bzw. die gute Lage – und die generelle Preisexplosion und Befristungen bei (Neu-)Mieten in Wien, die einen Umzug ungenießbar machen.

Mehr zu dem Thema ‘Minimalistisch Leben’ im Blog hier.

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3 Kommentare

  1. Hej Emanuel

    Leihe Dir ruhig weiterhin Bilder von mir, das ist ganz in meinem Sinne. Und schön zu lesen, dass ich Dich hin und wieder inspiriere.

    Gruesse von der Nordsee

    Kap Horn

  2. inasabi

    ähmmm – und wo soll´s im falle des falles hingehen? womist der traumhafte ort an dem man weniger miete als bisher?????

  3. Manuela

    Hallo Emanuel!

    Minimalismus ist auch eines meiner Lieblingthemen.

    Es freut mich immer wieder über dieses Thema zu lesen, zu schreiben oder auch zu sprechen. Ganz besonders hat mich gefreut das es Minimalisten in Wien gibt, und noch viel mehr, dass diese dann auch noch im Internet zu finden sind!

    Solche Artikel sind für mich zur Zeit so etwas wie “geistige Suchtmittel”, da auch ich ständig dabei bin, meine Habseligkeiten auf ein Minimum zu reduzieren. Obwohl ich mich mit diesem Thema schon etwas länger beschäftige, scheint es seinen Reiz nicht zu verlieren. Im Gegenteil – irgendwie wird es immer interessanter.

    Vielen Dank also das Du uns mit so tollem, gutem “Stoff” versorgst!

    Liebe Grüße
    Manuela

    P.S. Falls Du wissen möchtest wie ich auf dieses Thema aufmerksam wurde…
    samia.meinBlog.at

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