Nicht schwimmen, sondern baden.

Da sitze ich nun mit einem Sonnenbrand vorne und hinten vor dem Schlepptop und überlege mir, wie ich besser mobil bloggen kann, bevor mir gerade bewusst geworden ist, dass ich ja eh einen Schlepptop habe – nämlich den, vor dem ich gerade sitze – und trinke einen wirklich grausigen 2-Liter-A+C+E-Saft aus dem Wühlkistenregal.

Der Sonnenbrand – man muss sich bitte vorstellen, dass ich mit Tofugotchi gestern nach gefühlten Jahrhunderten mal wieder an einem Ufer gesessen bin – also so richtig. In einer knappen und komischen Badehose, blendend weiße Haut, so dass die orange Warnboje drüben im Donaustrom richtig neidisch war, viel zu dünn – bin mir sicher, manche haben mich zwischen den ganzen Grashalmen und dem weiß-bräunlich-trockenem Schilf glatt übersehen – und habe meine weiße dünnhäutigen Füße in das Wasser gehalten, während kleine Fische rundherum schwammen und daran zu nagen versuchten. Dachten vermutlich, dass es sich hier um einen fetten Wurm handelt…

Während ich in den paar kurzen Stunden merkbar visuell errötete und farbig fleckig wurde, dabei auf einer Astgabel im Wasser sitzend-hängend, ringelte sich übrigens eine recht lange und große Ringelnatter am Ufer entlang, aber das hat Tofugotchi glücklicherweise eh nicht mitbekommen, denn die schlummerte im genüsslichen Tiefschlaf in der prallen Sonne und war dadurch sichtlich entspannt. Dachte zwar schon, dass die Schlange vielleicht sich in meinem Rucksack einnistet und ich zu Tofugotchi, die direkt daneben lag, rüber rufen musste, aber das herzige Ringelding hat sich dann doch ins Schilf daneben geschlagen.

Interessant war zudem, dass ich mal wieder feststellen durfte, wie beschi… toll meine Kamera ist – von den gefühlten 3246 Aufnahmen haben es 3240 Bilder geschafft, wirklich aber so was von gar nichts zu werden. Das blendend blaue Wasser schaut meist aus wie ein Tümpel, die glitzernden Wellen nach einer überblendeten Badeöl-Lacke im Sonnenlicht, das Ufer wie eine Gebüsch unter einer A2-Autobahn-Auffahrt.

Trotzdem – in der Realität war alles viel netter, wirklich fein und schön – und erstaunlicherweise heiß, aber nicht ganz so heiß, wie ich es befürchtet hatte… gerade mal 3 Liter Wasser sind gestern nur oben in mich eingeflossen – und dürfte wohl alles einfach verdunstet sein.

Mühsam an dem gestrigen Tag waren übrigens nur die lieben Kleinen, die von ihren Eltern überall abgelagert werden, genauso wie freilaufende Hunde, die unkontrolliert in Rudeln über die Wiesen fegen und dabei eine Geräuschkulisse eines Kampfstern Galacticas abgeben.

Wir hingegen sind da viel gesitteter und braver – bei uns laufen die Hunde nämlich an der Leine (andernfalls würden sie *hust* unkontrolliert im Rudeln über die Wiesen laufen und eine Geräuschkulisse eines AC/DC-Konzerts ausbellen). Aber sogar im Wald war es schwierig – man findet echt kaum noch Flecken, wo nicht andere Mitbürger sich einnisten oder durch das Gedicht stampfen… das nervt.

Das Nicht-Baden war sonst richtig angenehm, sogar mit Blick auf eine alte Burg, recht weit abseits der grausigen Stadt, somit also draußen in der hüglig-bergigen West-Pampa, blaues Wasser mit blauem Himmel darüber und die Sonne lachte wie ein 4500 Watt-Scheinwerfer aus 10 Meter Entfernung ins Gesicht. Herrlich! Ernsthaft!

Oh – warum nicht richtig schwimmbadentauchen? Tofugotchi wollte lieber knusprig braten und es war ihr außerdem zu kalt, um ganz einzutauchen – und ich bin leider so Gruppen-Domestiziert mit 31 Jahren, dass ich nicht aus diesem Schema ausbrechen wollte. Aber eh besser, vermutlich wäre ich sonst im knietiefen Wasser wegen des Kälteschock einem Gehirnfrost zum Opfer gefallen oder wäre in der Mitte des Sees ganz dramatisch an einem Wadenkrampf vor den Augen der ganzen Hunde und Kinder ertrunken.

Nein ehrlich – so kalt war es nicht, nach einiger Zeit war das im Wasser rumtümpeln sogar recht warm und angenehm. Und während Tofugotchi kleine Schafe im Wolkenland zählte, freundete ich mich draußen am Wasserbaumstamm sitzend mit zwei Enten an und wurde an das Kindheitserlebnis erinnert, als ich irgendwo anno dazumal im Süden von Österreich bei einem See saß – und beinahe frustriert in Tränen ausbrach, weil ich unbedingt eine Ente werden wollte und nicht konnte. Denn die wirkten damals in der Sonnenuntergangsstimmung so glücklich, frei und ungebunden – und mussten nicht in die dunkle Ära der Schulzeit.

Aber hallo – der gelebte Sommer ist da!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. ja – und um den ausflug beneide ich dich natürlich!! wo war denn das?
    (ich bewege mich ja ausschließlich in jeweils 70 grad heißen räumen zusammen mit schwitzenden, stinkenden, schreinenden, stöhnenden leuten und kindern, m ittels kleinem 100 grad heißem kübel, der dazu da ist mitzustauen…

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