Dienstag. Ein leerer Tag, der momentan noch recht ruhig und fad ausschaut – und wahrscheinlich so bleiben wird. Auch gut. Werde ich wohl dazu nützen, wieder mal ein wenig an Zeugs in der Wohnung zu minimalisieren und ein wenig Natur zu tanken – nicht besonders aufregend, aber dafür ist Entspannung angesagt.

Die letzten Tage hingegen waren wesentlich abwechslungsreicher, denn so ging es unter anderem nach gefühlten 15 Jahren wieder an die alte Donau, wo sich Tofugotchi, Bienengotchi und meine Wenigkeit ganz einfach kurzerhand und tollkühn ein Schiff ein Boot ein Tretboot ausliehen. Ja, richtig – ein Tretboot!
So gesehen eh ideal, denn ich mache ja sonst auch nichts anderes im Alltag, als in die Pedale zu treten – ob jetzt auf einem Rad sitzend oder in einem kleinen Plastikküberl ist auch schon egal. Feine Sache also und damit war mir das Ganze recht vertraut – aber Moment! Man muss sich so was ja erst ausborgen…
Gesagt, getan – wir hatten also beschlossen am Sonntag die See zu entern und rauschten gelassen am Donauinselfest vorbei (uff, geht da jemand wirklich hin?), weiter zu dem älteren Teil der Donau, wo wir einfach nach wenigen Metern schon unsere Schlüssel für das Boot in die Hand gedrückt… vor einer langen Schlange an Menschen standen. Nun – mal tapfer anstellen, warten, warten, schauen, warten, aber nein – ha, beim anderen Verleih drüben ist weniger los – also schnell die Straßenseite wechseln und los geht es. Kurz warten, anmelden und fertig.

Wir hatten ein Tretboot. Und wir hatten es, bevor es überhaupt da war! Soll heißen, dass wir eine Dreiviertelstunde lang stoisch bei einem kleinen Holztisch harrten, währenddessen einem kleinen, verschlafenen Welpen beim Abhängen zuschauten und von einer Mutter mit Kind genervt wurden, die der Meinung war, dass der schmale Platz, die müden, überhitzten Menschen rundherum und die engen Tische der ideale Raum sind, um dem kleinen Racker genau jetzt und da das Gehen beizubringen. Immer und immer wieder… “Ich und mein Kind kommen – Platz da”.
Immerhin war sehr deutlich ein Unterschied in der humanoiden Masse zu sehen – sobald Frauen um das Eck kamen und den Kleinen erblickten, hatten sie automatisch einen Grinser im Gesicht und versuchten sofort “Kontakt” mit dem rotzigen Kulleraugen-Ding aufzunehmen. Ganz anders die Männer… entweder sie bogen um das Eck und stiegen fast drauf oder sahen das kleine Wackelding mit einem kurzen Blick an, im Gesicht mit einer emotionale Gefühlsregung, die irgendwo zwischen einem leeren Pappteller und einem Zigarettenpapier lag. Tja – Evolution?
Nachdem schon Boot Nummer 34, 78, 99 und so weiter angelegt hatten, war es endlich soweit… auch unsere Tretwanne war am Steg angebunden. Sofort stürmten wir los, hinterlegten alle unsere Habseligkeiten (also Tofugotchi, Bienengotchi und ich schauten dabei angestrengt mit ernster Miene zu) und dann ging es endlich lo… und dann ging es erstmal auf’s Klo. Überraschung!

Auch gut, also wieder warten… in der Zwischenzeit saß ich aber bereits bei den Pedalen, Bienengotchi stand noch ein wenig unschlüssig am Steg herum, Tofugotchi war nun offiziell verschollen – also begann ich beschäftigungsweise so vor mich hin zu rätseln. Zum Beispiel ob der Bootstyp, dessen Aufgabe wohl nur aus dem Vertäuen der Boote besteht, tatsächlich von der Sonne so perfekt makellos braun war oder ob nur der südländische Einschlag da eine Rolle spielte. Aber dazu war der Hautton fast schon wieder zu “glatt”. Spannendes Thema!
Die Farbe hätte ich nämlich gerne – momentan wäre ich bei einem Teststreifen vermutlich mit dem aufgedruckten Skalawert “gestreiftes Wiesenhörnchen” und “Kamillentee mit Milch” einzustufen. Aber es wird langsam…!
Irgendwann war Tofugotchi auch da und somit ging es schwungvoll in die weite Welt der alten Donau. Leichtfüßig und elegant traten wir in die Pedale, untermalen von einem regelmäßigen Quietschen, weil natürlich die Plastiksportschuhe genau 2 Millimeter breiter waren als diese Gestänge. Quietsch, Knarz,….

Zuerst steuerten wir direkt auf die Badegäste zu, versuchten dabei Einige mit unserem Boots-Reißwolf zu tilgen, als das aber dann doch nicht gelang und das Ganze wohl spätestens nach dem 14. etwas zu auffällig gewesen wäre, zogen wir uns in einem eher abgeschiedenen Seitenteil der Donau zurück. Dort tümpelten wir dann still, ruhig, teilweise schlafend und ganz entspannt zwischen Hochhäusern, Luxus-Apartments und Algen vor und zurück und genossen unser luxuriöses Leben der Extravaganz mit dem Tretboot Nummer 75.
Während Tofugotchi und Bienengotchi ihre Model-Körper bräunten und der Sonne gekonnt trotzten, spielte ich mich natürlich ganz männlich und beschützerisch mit dem Tretboot und überfuhr immer wieder hilflose Blütenpollen, die uns abenteuerlich und aggressiv bedrohten. Ich Held!

So vergingen die Minuten Stunden und mal landeten wir da und dort beim Ufer, dann ging es wieder zurück zum großen Teil der alten Donau – also da hin, wo die angestammten Insulaner, die mit dem herrlichen heimischen Dialekt und ihren Ruderhemdchen, mit ihren Elektrobooten vorbeirauschten und drehten uns abermals langsam im Kreis. Sowohl Tofugotchi als auch Bienengotchi wagten übrigens den Sprung in das Wasser und wurden dann von mir zufällig gekonnt auf dem Boot gedreht, damit die Sonne alles trocknen kann… ein bisschen so wie der Drehteller in einer Mikrowelle.
Leider war es aber dann auch mal wieder zu Ende, es ging kurzerhand zurück an den Steg und schwupps – schon waren wir unser Boot wieder los. Jaja, so schnell kann es gehen mit dem Luxus. Vergänglich wie eine Zitronenmelissen-Eis. Nun gut, das hielt uns aber trotzdem nicht davon ab, dass wir uns noch ein wenig Freizeit-Extravaganz zu Gemüte führten…
Wir gingen Essen. Nicht besonders weit, sondern einfach um’s Eck und dort vertilgten wir dann einen Luxus-Fisch, der innen vermutlich mit Gold bestäubt wurde und einen Topfenstrudel mit Vanillesoße, wo ich nach 2 Bissen plötzlich keine Soße mehr hatte – kann aber auch sein, dass es einfach so lecker und deswegen so schnell leer war. Aber – nach Monaten war ich endlich mal schneller als Tofugotchi beim Essen. Ha!

Feiner Tag, zu schnell vorbei – vielleicht bei mir auch etwas zu viel Sonne, da ich schon auch tagsüber beruflich ständig im Freien war – und so war ich dann doch recht k.o. und ziemlich müde am Abend. Hat aber wirklich gut getan!






herrlich zu lesen :)