Herrlich. Bei mir in der Gegend war ja früher das verruchte El Dorado der käuflichen Liebe, die Straßenzüge waren in fast jeder Nacht gesäumt von den so getauften Bordsteinschwalben, High Heels und Glitzerminiröcke, langen Ostblock-Beinen und kessen Pagenkopfschnitten in den zu jungen Gesichtern.
Dann wurde es politisch und seitdem ist das Schwalben am Bordstein verboten. Man hat es gesellschaftlich ausblenden lassen, jetzt spielen sich die Alltagsgeschichten eben hinter verschlossenen Türen ab.
Dazu gehören auch diese kleinen, unscheinbaren Lokale, die nur aus einer Türe und einem Fenster bestehen, die Fenster meist mit bunter Folie beklebt und ein ganz unauffälliges, dezentes 3-Tonnen-Licht weist auf die – in der hochrümpfigen Gesellschaft des Wiener Hochstandes genannte – Anrüchigkeit hin, die man sich dort holen kann.
Ich stapfe gerade Richtung Bahnhof. Vorbei an einer dieser Lokale. Junge Dame, High Heels, irgendwas eng Anliegendes oberhalb, das an eine Ummantelung von Schläuchen erinnert, ausnahmsweise etwas längere Haare, schlank durch die knappe Nicht-Minderjährigkeit, stapft aus der ersten Türe links – sichtbar genervt.
Kurz darauf der unglückliche Liebhaber, der aufgrund seines alkoholischen Zustandes nicht ganz wusste, wo er war oder wohin er wollte überhaupt. Des Zweifelfalles wegen kippte er der jungen Dame nach und wollte ihr durch die Türe folgen.
Oha – aber nicht so. Ein kurzer Blick des Mädchen auf diesen Lümmel und eine abweisende Handbewegung, die nicht eleganter sein könnte als eine minutenlange, spitzfüssige Pirouette im gehobenen Ballett der Oberschicht in der Staatsoper.
Doch Alkohol macht träge und so probierte der Vernebelte sein Glück nochmal.
Ein kurzes, überraschend fröhliches und langgezogenes – mit dem exotischen Misch-Einschlag von Slowakisch, Brasilianisch und Rumänisch – ‘Hey, du Arrrsloook!!!’, gefolgt von einem lauten Klatscher einer Ohrfeige… und er trollt sich.
Problem gelöst. Er verschwindet in der langen Straße und sie zündet sich fröhlich und augenscheinlich vergnügt eine Zigarette an. Zwinkert mich dann einmal lachend an und verschwindet wieder hinter der Türe in der anderen, sekundären Welt der Realitäten.
Und ich stampfe weiter zur Bahn-Station und bin auch irgendwie plötzlich fröhlich und genieße gut gelaunt die ersten Sonnenstrahlen des Tages.


:-))