Ha – und wieder ist ein weiterer Schritt geschafft und ich bin wieder ein Stückchen näher an meinem Ziel vom einfachen, minimalen und ruhigen Leben. Nachdem ich ja schon seit Ewigkeiten auf alten, klobigen Trümmern wie Herd, etlichen Laden von einem Metall-Kästchen, Teile einer alten Matratze und so weiter sitze – und die schon seit langem ständig los werden wollte, war es gestern endlich so weit.

Geplant war, alles in ein Auto zu stopfen und zum hiesigen Sperrmüllplatz zu fahren… nichts besonderes also. Aber der Aufwand, die Zeit, das Herumschleppen, das Hinfahren und so weiter – das sind halt alles Dinge, die mühsam und anstrengend sind und mit denen man im Regelfall eigentlich nicht seine kostbare Freizeit vergeuden möchte. Aber irgendwann muss es einfach sein, um seine Etappenziele vom minimalistischen Leben zu erreichen.
Und so schleppten wir mühsam ein Teil nach dem anderen die Treppen runter, Stockwerk für Stockwerk, das Ganze auch noch bei strömenden Regen und gefühltem Hochsommer-Hitzeschwall über der Stadt. Unten ging es dann daran, alles in das Auto zu stopfen, was ebenfalls eine mühsame Sache ist. Sich seiner Dinge zu entledigen ist eindeutig wesentlich komplizierter, als sie zu kaufen – aber eh klassisch für unsere verkommerzialisierte und verwöhnte “westliche” Welt, in der man den Status meist anhand von “Besitz” misst.
Doch als wir bei der Heckklappe so rumschnauften, tauchten plötzlich Angehörige des – ich denke, die Bezeichnung trifft es am besten – fahrenden Volkes (hier vermutlich aus Rumänien) an, die mit einem klapprigen Kastenwagen ebenfalls gerade eine Haustüre weiter Sperrmüll einluden. Ein kurzer, zufälliger Blick von dem Kleineren der beiden genügte – und schon hatte er die alten Metall-Laden entdeckt. Zwei, drei kurze Worte zwischen uns und sie wanderten von unserem Kofferraum in seinen Kastenwagen.
Weitere 4-5 Minuten später lagen auch der alte Herd darin und mein Vorzimmer erstrahlte plötzlich in wunderbarer Leere. Ein Zufall, wie er einfach besser nicht sein könnte. Nach Monaten schafft man es, endlich den Schritt zu machen – und dann fahren genau in dem Moment – bei unfreundlichen Regen – mitten am Vormittag in den selben 10 Minuten direkt vor der Haustüre die beiden Typen vorbei und nehmen alles sofort ab. Kein zusätzliches Rumschleppen, Schnaufen und Abmühen mehr. Herrlich!
Damit sage ich “Danke”, die beiden haben sich natürlich ebenfalls über den Wertzuwachs ihrer Materialsammlung gefreut – und ich bin endlich die letzten, großen Blöcke los, die das minimale Wohnungsprojekt die ganze Zeit ja doch ziemlich belastet haben – vor allem auch, weil sie ständig in der kleinen Wohnung im Weg standen.
Was nun? Nun kann es endlich an das ganz Kleine gehen – an den Minikrimskrams, der sich in kleinen Schachteln, Folien und Hüllen und kleinen Säckchen befindet und endlich auch mal aussortiert gehört. Alte Hefte, alte Fotos, kleine Mini-Andenken, die man irgendwann irgendwo mal aufgesammelt oder geschenkt bekommen hat, weiter über hunderte alte SW-Foto-Negative, die ich damals noch per Hand selber entwickelt hatte – aber nun ein sinnloses und vergessenes Dasein fristen – und so weiter und so fort…

Es gibt tatsächlich noch viel zu tun. Überraschenderweise! Denn wenn man daran denkt, dass ich schon 2011 – genauer gesagt Mitte~Ende Sommer 2011 – begonnen habe, mein Leben zu überarbeiten, wird einem erst klar, wie viel realer Aufwand so ein Projekt ist.
Man geht schließlich nicht her und schmeißt einfach in ein oder zwei Tagen sein ganzes materielles Leben weg und alles was einem irgendwie unterkommt. Sondern man geht Schritt für Schritt alles durch, überlegt bei jedem Teil, ob man es noch brauchen könnte oder brauchen will, man entdeckt Dinge, die man schon vergessen hatte und plötzlich wieder “lieb” gewinnt, man räumt Kästen und alte Kisten aus und wird plötzlich von einer Masse an “Zeugs” überrollt, mit der man nicht mal ansatzweise gerechnet hätte… etwas, das vermutlich jeder kennt. Man räumt einen Kasten aus und fragt sich dann, wie konnte das alles jemals da reinpassen. Vor allem wenn er wieder voll ist, aber die Hälfte noch immer draußen liegt.
Aber auch wenn ich schon seit einem Jahr an diesem Projekt arbeite, merke ich – wie letztens schon erwähnt – die Früchte des ganzen Aufwands. Ein Beispiel ist das Wohnzimmer – nachdem außer Tisch und Sesseln sowie dem Sofa nichts darin steht (abgesehen von Kerzen, Fotos und dergleichen), lässt es sich in wenigen Minuten “aufräumen”, säubern, umstellen und so weiter. Andere benötigen für das Alles viele Stunden an Zeit und Mühsamkeit.
Und einen großartigen Aspekt gibt es auch – denn anfänglich tauchen natürlich so Momente auf, wo man sich denkt “Naja, eine minimalistische Einrichtung ist zwar nett und überschaubar, aber wo ist denn die Gemütlichkeit, das Kuschelige und das Heimelige dann?” – jetzt hingegen merke ich, dass man mit ein paar wenigen Bildern, Postern, Zeichnungen, einer Decke oder etwas Holz schnell und unkompliziert dem Ganzen wieder eine wohnliche Note geben kann. Das wird dann nämlich die nächste Etappe sein – klar, einfach, simpel… aber wohnlich und freundlich-einladend.
Jemand, der eine vollgestopfte Wohnung hat, kann das zwar auch – aber da gibt es quasi nur die eine Richtung. Mit weniger stehen viel mehr Freiheiten zur Verfügung. Wohnung mal eben komplett umstellen – kein Problem. Dem Ganzen eine kühle Note geben – kein Problem. Das Ganze freundlich-kuschlig-warm machen – kein Problem. Alles zur Seite stellen und räumen, um sich mal eben auszutoben (Fotos, Malen, Sport, Projekte machen,…) – kein Problem. Mal eben umziehen – auch kein Problem. Nicht mehr lange, und auch das ist dann gar kein großer Aufwand mehr. Paar Schachteln und kräftige Hände für den Holztisch und die Holzküchenplatte – und fertig. Beinahe eine Minuten-Sache.
Herrlich! Es geht also munter weiter… :)






ob sich das mal ändert, wenn du “angekommen” bist? Wo , wie müsste es denn sein, dass du “ankommst”?
Ankommen? Ich will gar nicht ankommen – ich finde das “Reisen” an sich ja viel spannender. ;)
Mag sein, dass sich das im Alter (also noch älter) irgendwann legt, aber aktuell und auf noch unabsehbare Zeit will ich mich noch weiter “bewegen” und mit mir selber Reisen… und wohin? Keine Ahnung. Da wo mich die jeweilige Etappe trägt, sozusagen immer eine Buchseite im Leben weiter…. wie bei einer Geschichte.
schön – so frei zu sein.
und mutig zugleich.
möge er belohnt werden, dieser mut!