Pseudo-Lebensweisheiten

Ich habe gerade beschlossen, dass ich mir ein Neues Lebensgefühl auferlege. Das wurde mir nämlich gerade beim Bahnfahren klar, als ich über die sonnige, flache Landschaft der nord-westlichen Pampa schaute, heimwärts fahrend in den Moloch der Großstadt.

Es ist endlich Zeit, in mir selber dieses “Pah, wozu mir die Welt erklären? Ich weiß alles…” endlich hochzustilisieren und als gelebte Anschauung des Alltags nicht nur zu philosophieren, sondern auch so zu handeln. Mit 31 Jahren auf dem durchhängenden Kreuz muss da nämlich mal Schluss sein. Vorbei mit der inneren Erniedrigung des eigenen Beileids zur Unterentwicklung innerhalb der Gesellschaft.

Zwar bin ich kein Geschäftsführer geworden und leite heute kein Großunternehmen, aber das macht nichts… so bin ich wenigstens nicht automatisch ein Arschloch in den Augen des erniedrigten und ausgebeuteten Volkes durch Konzerne, sondern kann mir so einen Ruf theoretisch immer noch bzw. erst selber erarbeiten oder darauf verzichten. Hat auch was.

Unscheinbar, unbedeutend und unspürbar – aber ab sofort vermehrt pseudo-arrogant und allwissend. Herrlich.

Übrigens, wenn wir schon bei dem Thema sind – und es mir gerade wiedermal hier in der Schnellbahn vortrefflich ins Auge fällt… Mädchen vom Land sind heutzutage irgendwie hübscher als die in der Stadt. Deutlich schlanker, augenscheinlich eine Spur sportlicher und haben noch immer eine große Klappe. Gefällt mir.

Es hat sich da auch wirklich viel geändert. Früher waren die Landmädls in den Augen unserer “zivilisierten” Stadt-Welt eher die “Naja… Land-Tussis” – und jetzt ist es umgekehrt. Gebildet, zielstrebig und wie man so schön bei uns sagt trotzdem weiterhin ‘goschert’. Die sagen einem den Trottel nämlich noch ins Gesicht und verbringen auch nicht wie Stadtgirls Stunden nagelfeilend online vor den Pseudo-Lookbooks der heimischen 7.-Bezirk-Modeszene, die sich sowieso immer mehr dem visuellen Genre von Ostblock-Putzfrauen in Klischee-Filmstreifen annähern. Lange Hemden mit Blumenlook und ein “Etwas” als Hose mit Windel-Effekt hat nichts mit Stilsicherheit zu tun, sondern eher mit geistiger Verarmung, ausgelöst durch die “Vermassung” von Fashion-Kommerz-Lookbook-Blogs und dem Drang sich international zu geben – mit einem Streusel an abgelebten Berlin-Bobodismus. Vergesst es, ernsthaft.

Übrigens rede ich zumindest gerade von den gebildeten Stadtrand-Land-Mädchen hier in der S-Bahn und nicht von Provinz-Girls mit Plastikfingernägeln und wartendem Golf-GTI-Habschi bei der Bahnstation. Sondern die, die es in die Unis der Stadt und der Welt verschlägt und trotzdem bodenständig geblieben sind.

So, genug geklopft – ich muss jetzt beim Sitznachbar die Zeitung mitlesen.

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