Wald, Wiese und das Reh

Ich habe mich also aufgerafft und bin schon um 5 Uhr aufgestanden. Eigentlich war der Aufwachvorgang erst eine Stunde später angesetzt, aber wenn man Katzen hat, dann klappt so was ja eher selten.

Wie auch immer, bin ich nun in der Straßenbahn gelandet und rolle meinem Ziel langsam entgegen. Im Gegensatz zu gestern schleppe ich heute meine unhandliche digitale Kamera mit mir rum und denke dabei aber sehnsüchtig an eine kleine, faltbare Karton-Lochkamera für die Hosentasche. Aber wir wollen’s ja digital haben… seufz. Ich mach’s mir selber im Leben eben immer extra schwer – im wahrsten Sinne des Wortes.

Noch ist es nicht heiß, sondern eher warm und erinnert ein wenig an einen Morgen auf der Terrasse irgendwo in Malta. Vorne plaudern zwei junge Mädchen, knapp und eng bekleidet und trotz aller Toleranz und Respekt muss ich unverweigerlich an Presswürste denken. Harter Alltagsrealismus.

Nachdem Dienstag ist, hoffe ich mal, dass wenig los sein wird und ich eher so einsam wie möglich durch die Wälder streifen werde. Schließlich brauche ich mindestens einmal in der Woche dieses Feeling von ‘Der Aussteiger’ und den Tagtraum von ‘Hey, ich bin mit meinem Wasserflugzeug irgendwo abgestürzt und kein Schwein wird mich je wieder finden – yeah!’…

Der Rucksack ist vollgepackt mit drei Getränken, obwohl es dort, wo es mich hinzieht, eh auch Wasser gibt – aber es fühlt sich dann irgendwie besser an – so als ob man einen ernsten, richtigen Ausflug macht, während man ja in Wirklichkeit einfach am Stadtrand zwischen Kinderspielplatz und Pflegeheim-Ausflugsgebiet rumstapft. Aber was soll man denn als Stadtmensch denn sonst machen? Besser als nichts…

_
3 Stunden sind seit dem Text oben vergangen. Leider war das genussvolle Wanderleben durch die Wälder und über die Wiesen durchsetzt mit Lärm. Erst war es ein Motorrad, das natürlich laut dröhnend durch den Wald kurven muss, dann eine kleine Baustelle mitten im kleinen Tal – natürlich mit LKW und Presslufthammer und dann selbstverständlich eine laute Horde an sich gegenseitig anlachenden und anschreienden Menschen – ich mag keine Menschen. Habe ich das schon mal erwähnt? Aso, vom größten Frust, den 30 Nordicwalkern, will ich erst gar nicht reden… die waren schon auf eine Entfernung von 2 Kilometer zu hören. Lästig.

Trotzdem – der Waldspaziergang hat gut getan. Ich habe wilde Himbeeren gegessen (das Aroma ist ein Wahnsinn), mich mit einem Reh ganz entspannt und sanft unterhalten, mit Baumharz gespielt, bin wie ein kleiner Schuljunge Schmetterlingen und Hummeln mit der Kamera nachgelaufen und habe jedes Mal glücklich geblinzelt, wenn eine Fliege oder Biene summend an meinem Ohr vorbei sausten.

Das Glitzern der Sonnenstrahlen durch das Blätterdach, Vogelgesang und ein großer Buntspecht, der leuchtend an mir vorbei flatterte – einfach herrlich.

Zweimal habe ich dazwischen Pause gemacht, ein wenig gegessen, viel getrunken und habe mir den Schweiß minutenlang von der Stirn gewischt, es ist heiß geworden. Noch vor weniger als einer halben Stunde war mein dünnes Leibchen komplett durchnässt und klebte am Körper… und ich habe deshalb festgestellt, dass der Rucksack von Haus aus zu schwer und zu ‘hängend’ ist. Das strengt unnötig an. Da braucht es was anderes…

_
Und wieder ist eine Stunde vergangen. Nach einem kleinen Mittagessen bin ich jetzt auf einer leicht abschüssigen Distelwiese gelandet, werde umschwärmt von Hummeln und drehe mich langsam in der Sonne, um wenigstens irgendwie einen kleinen Hauch an gleichmäßiger Bräune zu bekommen. Und blicke über die entfernte, aber doch viel zu nahe Stadt.

Aber ich muss zugeben – es ist mittlerweile extrem heiß. Die Wassertropfen am Körper sind größer geworden… Immerhin gibt es 10 Minuten von hier einen Wasserhydranten, dort werde ich mich dann etwas frisch machen. Mhhh, frisches, klares und kaltes Wasser!

Angenehm übrigens – es ist Mittag und ich habe seit der letzten Stunde keinen Menschen mehr gesehen… herrlich! Nur der leichte, warme Wind und das unermüdliche Zirpen und Summen aus der Wiese untermalen den Blick in die weite Landschaft.
_
Und wieder eine Stunde mehr. Nachdem mir nun bereits wahre Sturzbäche von meiner Stirn über den Bauch bis zu den Zehen laufen, beginne ich jetzt langsam den Rückweg anzutreten. Ich werde dabei noch eine halbe Runde durch den Wald gehen, vorbei an dem kleinen See und dann wieder zurück in die Zivilisation… leider.

Aber es gab schöne Momente, so gesehen hat sich der Tag auf jeden Fall ausgezahlt. Das nächste Mal geht’s wieder ab ans Wasser….!

Und wer sich jetzt fragt, was es genau mit dem Text so auf sich hat – ich wollte mal Evernote unterwegs testen. Der gesamte Text ist nämlich unterwegs am Handy getippt worden. So gefällt mir das!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. mmmhhhh- die kleinen dinge des lebens – nicht alle können sie sehen.
    schön, dass du diese gabe hast… !
    eine distel bewundern können ist etwas, das nur wenige erreichen.
    dabei ist es viel kostbarer als ein neues automodell toll zu finden.

Hinterlasse eine Antwort


Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>