Alternative Wehrpflicht

Habt ihr mitbekommen, dass es da wieder Bewegung gibt bei der Wehrpflicht in unserem kleinen Ösi-Staat? Da geht’s anscheinend schon wieder um eine Volksabstimmung und so weiter. Einerseits faszinierend und dennoch nur wenig überraschend, dass da bis jetzt noch immer nichts passiert ist, andererseits auch faszinierend, dass der eine oder andere tatsächlich glaubt, dass sich dadurch etwas “tun” wird. Es wird wiederum eher nur wenig – und wenn dann sehr langsam – passieren.

Bis heute ist mir die Wehrpflicht in Österreich nicht ganz klar. Also der Sinn dahinter. Natürlich – ein Eigenschutz eines Staates ist immer Vorteilhaft, speziell in “Zeiten wie diese” – wie das allerdings mit einem Haufen an rebellischen Jugendlichen – zumeist Männern – die vor Vorgesetzten sowieso kaum noch Respekt haben und eher auf die heimliche Bier & Kiff-Party am Abend warten, sich an Waffen und Panzern “aufgeilen” und sowieso alles entweder mit abstoßendem Würgen oder mit einem verblendetem Bild von “Battlefield und Counterstrike in Real” aufnimmt – funktionieren soll, ist mir ein Rätsel.

Unabhängig von Spezialgebieten, die es da und dort im alpinen Bereich gibt und die auf internationalem oder sogar noch höherem Niveau stehen und ihre Daseins-Bereichtigung natürlich durchaus haben, ist für mich die Wehrpflicht in der jetzigen Form völlig sinnlos und reine Geld & Zeitverschwendung.

Als disziplinäre Grundschule im Leben eines Jugendlichen verfehlt sie heute sowieso die Wirkung, das veraltete System dahinter fördert eher konservative und halb-mittel-rechts-gelagerte Gesinnungen und Kameradschaften (kein Wunder, wenn man hunderte männliche Jugendliche zusammenpfercht – da kommt speziell bei der heutigen, losgelösten und respektfreien Generation nur wenig sinnvolles raus, was aber ja auch irgendwie auf der Hand liegt) und auch sonst sind die grün-gefärbten, jungen und Testosteron-geladenen Männer und kampfbereiten Frauen in den Strampelanzügen zur realen Landesverteidigung eher unbrauchbar. Stelle ich als völliger Laie fest. Dazu sind die 9 Monate auch zu kurz, um hier etwas dauerhaft zu “festigen”. Sowohl körperlich als auch mental.

Stattdessen bin auch ich – so wie manch andere – für ein eigenes Berufsheer und statt der Wehrpflicht für eine vermischte, mehrmonatige Pflicht-Form von Zivildienst, Katastrophenschutz & Hilfe sowie technischer Ausbildung.

In das Berufsheer sollen und können alle, die sich dazu berufen fühlen – dieses könnte man als “strategische” Verteidigung deutlich verkleinern, dafür umso stärker modernisieren, spezialisieren und konzentrierter in ihrer Form umsetzen. Spezialkräfte umfangreich und professionell ausbilden – eine Einheit formen, die bei der Landesverteidigung (sofern sie jemals notwendig sein sollte) kompakt, vielseitig und schnell überall schlagkräftig eingesetzt werden und durchgreifen kann – ähnlich wie die damals geplante europäische Eingreiftruppe. Wurde die übrigens umgesetzt? Nein.

Abseits von dieser heimischen Eingreiftruppe und sonstigen unnötigen und militärischen Phallus-Spielereien wäre eine verpflichtende Alternative zum Zivil- und Wehrdienst wesentlich nützlicher. Für 10 Monate oder sogar 12, dafür aufgegliedert in mehrere Bereiche… einerseits eine umfassende “Ausbildung” im Bereich des Katastrophenschutzes und Wiederaufbau nach Vorfällen wie zum Beispiel bei der Lawinen-Katastrophe von Galtür anno dazumal, oder bei den unzähligen Überschwemmungen und Stürmen, die Jahr für Jahr über Österreich ziehen und neben Millionenschäden und zerstörten Dörfern und Infrastrukturen auch immer wieder Tote fordern… dort wäre ein Einsatz durch geschulte, tatkräftige junge Frauen und Männer notwendig. Für die Notversorgung der Bevölkerung, Bergung, Sicherung, Aufräumarbeiten und generellem Schutz vor weiteren Katastrophen.

Ein zweiter Teil dieses mehrmonatigen Pflichteinsatzes betrifft Aufgaben in Spitälern, Krankenhäusern, im Pflegebereich und anderen, sozialen Einrichtungen. Nicht nur um den ständig wachsenden Bedarf an Hilfskräften (“Zivis”) in dem Bereich (weiterhin) zu decken, sondern auch um den jungen Menschen soziale Kompetenzen und Einblicke in das Sozial- und Gesundheitssystem und dessen Bedürfnisse zu ermöglichen und zu eröffnen. Eine Sichtweise, die vielen Jungen heutzutage ja oft fehlt.

Und dann der dritte Part – eine technische Grundschulung. Sei es der simple Umgang mit Hammer und Nagel bis hin zu dem Bau von Behelfs-Brücken, provisorischen Einrichtungen von Not-Zelten, ein wenig Elektronik, ein wenig Physik und so weiter. Allerdings nicht im theoretischen Sinne wie in der Schulzeit, sondern ganz einfach in praktischer Form bei Alltagsarbeiten im Land.

Ein derart geschulte Jugend ist in der der späteren Generationsebene bei Katastrophen, anderen flächenhaften Zwischenfällen oder bei militärischer Bedrohung bzw. nach einem An/Eingriff wesentlich selbstständiger, kann sich auch in Eigeninitiative helfen, es ermöglicht strukturiertes und gezielteres Aufarbeiten und so weiter.

Wenn also jede Österreicherin und jeder Österreicher mal bei einem einfachen Brückenbau und Dammbau geholfen hat, mit Stromgeneratoren oder Bergeausrüstung zu tun hatte, umfassende erste Hilfe lernt und leistet, in einfache technische Vorgänge Einblicke hat wie Verbrennungsmotoren (Stromgeneratoren und Co.) oder geo-mechanische wie bei der Lawinen- oder Flutgefahr und ähnlichem, dann ist schon viel für die Zukunft gewonnen.

Denn wenn man sich jetzt so umschaut, dann können anscheinend nur die Wenigsten die allgegenwärtigen Umweltgefahren richtig einschätzen, vielen fehlt der physikalische Bezug bei gefährlichen Situationen völlig (Stabilität und Tragfähigkeit von Material, Befestigungen und so weiter) genauso wie bei Paniksituationen bei Menschenmassen oder bei großräumigen, technischen Unfällen.

Hier in jedes dieser Gebiete mehrere Monate hinein zu schnuppern – unabhängig von einer allzu großen körperlichen Anforderung und somit wirklich für jeden auch verpflichtend – sowie real dabei auch selber tätig zu sein, den Umgang mit Werkzeug und Material zu erlernen und Verständnis für das “Große” zu entwickeln, würde – meiner Meinung nach – den jetzigen und kommenden Generationen viel bringen.

Wesentlich mehr als ein reiner Zivi-Dienst und ein verkappter, unnötiger “Habt acht”-Wehrdienst, der dahin marodiert.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich muss übrigens noch nachträglich beifügen, dass zusätzlich in dieser Zeit ein dazu ergänzendes Fitnessprogramm dazugehören sollte.
    Grundlagen in richtiger und gesunder Ernährung sowie einfacher, aber dafür täglicher Sport. Sei es eine Runde laufen, eine kleine Strecke Radfahren und so weiter… von irgendwelchem Gewaltmärschen und tagelangen im Schlamm robben halte ich wenig, viel eher sollte das Ganze das generelle Körper-Bewusstsein und Verständnis fördern – und die langfristige Gesundheit der Jugend bzw. Folge-Generationen…

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