Ich und mein Rad. 1:1

Treue Leser können sich vielleicht noch erinnern, als ich wiedermal im Leben einen herben Rückschlag hinnehmen musste – und zwar beim Versuch mein Fahrrad platzsparend in der Wohnung unterzubringen. Es war ein Fiasko.

Aber man darf im Leben ja nie verzagen und sich von seinem Weg nicht abbringen lassen, auch wenn sich da und dort eine kleine Front gegen einen verschwört. Also habe ich in letzter Zeit wieder ein wenig mein Projekt zum minimalen Leben vorangetrieben und nun abermals deutlich mehr Platz gewonnen. Und siehe da – nun klappt es auch mit dem Fahrrad.

Zwar muss ich das Vorderrad aushängen, allerdings ist das mit den Schnellverschlüssen kein Problem heutzutage und innerhalb von weniger als einer Minute erledigt. Nun steht das Fahrrad abgestützt zwischen den Wänden und dem Türrahmen im kleinen Klo, nimmt dadurch kaum Raum mehr ein und ist zudem damit im heimischen Alltag komplett aus dem Blickfeld verschwunden. Angenehm.

In letzter Zeit hat mir das Radfahren übrigens wieder etwas mehr Spass gemacht – und bin auch hin und wieder in die Pedale getreten, ganz außerhalb meines Dienstes und so ganz freiwillig. Heißt zwar weiterhin hängende Zunge und kehliges Keuchen bei der 3% Steigung, aber dennoch – denn nur wer willig ist, dem ist auch der anschließende Schokoriegel gegönnt.

Wie es ja so ist, bekommt man bei der Lust auf mehr, immer auch gleich Lust auf das “noch mehr” an sich – und so habe ich mich ein wenig belesen. Richtig, belesen. Nicht um zu kaufen, sondern einfach um zu wissen, zu verstehen und ein wenig mehr an Ahnung in mein kleines, unscheinbares Leben zu bringen.

So habe ich zum Beispiel gelernt, dass es Trommelbremsen gibt, U-Bremsen, Cantilever-Bremsen, Bandbremsen oder Gangschaltungen, die heute modern mittels Fernsteuerung und einem kleinen Motor betätigt werden oder das Mutaped, Wabenstrukturen beim Rahmen oder der Komplett-Bau aus Holz und so weiter und so fort. Nicht uninteressant alles und macht neugierig – und macht erst dann langsam verständlich, dass man sich auch beim Fahrrad in die Tiefen des Nerdtums verlieren kann… bisher hatte mich so was nur wenig gereizt.

Unverändert gefällt mir aber weiterhin der minimalistische Ansatz – und da mir selber auffällt, dass ich in der Stadt selten schalte (eigentlich fast nie) und im Grünen auch nur ungern, würde mir ein 2-Gang-Fahrrad vollkommen genügen. Ein kleiner und ein großer Kranz – für die gerade, klassische Betonstrecke in der Stadt und für die diversen Steigungen auf den Ausflugsstrecken.

Ich plädiere in diesem Fall meinerseits sogar für eine manuelle Fix-Schaltung, die man händisch für den jeweiligen Einsatz vor Fahrtbeginn oder der Weiterfahrt beim Hinterrad setzt – man erspart sich damit diese von mir verhassten Seilzugsysteme über den ganzen Rahmen vor zum Lenker. Denn die mochte ich noch nie – man muss sie im Laufe der Zeit immer wieder nachspannen, nachziehen, manche fransen aus und so weiter… egal ob bei der Schaltung oder Bremsen.

Mehr ist da bei meinem gedanklichen Fahrrad nicht notwendig – eine wartungsarme, treue, solide und langlebige Rücktrittsbremse hinten würde mir gefallen und vorne eine pflegeleichte Scheibenbremse – ganz schlicht und unkompliziert.

Aber so nebenbei und ganz übrigens finde ich die Speedhub 500/14 auch nicht so uninteressant. Aber das nur am Rande.

Eine optisch-sportliche Mischung aus Weiß, Blau und Rot – in sanften und dezenten, langgezogenen Streifen verteilt über den weißen Leicht-Rahmen, weiße Felgenfarbe natürlich mit schwarzer Lauffläche und ein rot-weißes Lenkerband, vielleicht so nebenbei hydraulische Bremsen für die Scheibe – wobei mit Bremsen generell ja auch wieder die Optik leidet, denn eigentlich hätte ich es gerne minimalistisch und wartungsarm in dieser Aufmachung. Aber Licht, Reflektoren und Co., Kabel und Schläuche zerfressen sowieso den Hang zum Einfachen.

Auch wenn nicht leistbar und auch weder der Bedarf noch der Wunsch dazu da ist, macht es trotzdem Spass sich durch die heutige Vielzahl der Online-Konfigurationen bei Anbietern zu klicken…

…andererseits würde ein altes Rad mit einem alten italienischen 78er Rahmen auch gut gefallen oder ein Gazelle Champion Mondial – genauso aber auch ganz klassisch ein Hollandrad, um ein wenig der gemütlichen Nostalgie zu frönen.

Ach ja… man kann da sicherlich lang und viel darüber philosophieren, aber im hiesigen Stadtleben ohne ausreichender Rad- und Autotrennung macht all das keinen Spass und ist – je nach Strecke in den Betonschluchten natürlich – mit dem unangenehmen Stress des Sturzes durch den harten, metalligen Fremdeinfluss verbunden. Die beiden Seiten passen nun mal nicht zusammen und gehören auf getrennte Wege gebannt – und auch das fixierende Anhängen nach dem Absteigen da und dort ist gar nicht so leicht, wie man glaubt… zumindest wenn man der Gesetzgebung folgt oder es nicht verbeult und zertreten am Boden ausgeschlachtet vorfinden möchte. Schad ist’s halt. Alles zu sinnlos teuer und unauslebbar irgendwie.

4 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Nein, es steht vor einem… praktisch am Boden auf einer Unterlage, angelehnt an die Wand und eine ganze Armlänge entfernt. Da passiert nichts.

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