Eigentlich wollte ich ja einen kurzen Beitrag über die grassierende Kommentarlosigkeit bei vielen Blogs schreiben – ausgelöst einerseits durch die generelle Masse an Blogs sowie andererseits durch soziale Seiten wie Facebook und Co., die ja generell von fast überall User, Content und Diskussion weiterhin verstärkt absaugen.
Zufällig jedoch entdeckt – Behrens hat in ihrem Blog Nachgedachtes einen guten Beitrag über das Bloggen geschrieben. Unter anderem auch, dass auch sie in ihrem Umkreis zum Beispiel niemanden mehr zum Bloggen gewinnen kann… wo ich leider zustimmen muss – auch in meinem Freundes oder Familienkreis sind alle Ansätze recht schnell verschwunden oder gar nie aufgetaucht.
Zu groß ist die Angst einer inneren Offenlegung heutzutage, eine mögliche Angriffsfläche zu bieten, sich lächerlich zu machen oder “schwach” vor Bekannten, Kollegen oder der Familie zu erscheinen, vielleicht aber auch missverstanden zu werden und natürlich auch ein gefühltes zu wenig an Zeit und das generelle, geringe Interesse an der Verbreitung einer eigenen Meinung, wo man oftmals mit Repressalien rechnen muss. Zudem assoziieren viele das Bloggen noch immer fälschlicherweise mit Technik-Bastelei-Freak-Sein.
In den Kommentaren bei Behrens Beitrag findet man jedoch einen – für mich – schönen Grund, warum man seine Meinung (natürlich immer respektvoll) in Blogs wieder ausführen oder beifügen sollte… entweder mit eigenen Beiträgen oder eben mit Kommentaren.
“Früher” (…) trafen sich die Leute in Kaffeehäusern und diskutierten Pamphlete, Zeitungsartikel, Bücher oder was auch immer und konnten sich auch oft persönlich mit den Autoren auseinandersetzen, da diese an den selben Orten verkehrten. (…) Es geht hier nicht um eine Idealisierung “der guten alten Zeit” (…) sondern schlicht um ein Beispiel für die Möglichkeit eines öffentlichen Diskurses, den man zuweilen auch heutzutage in Weblogs wiederfinden kann. (dlog)
Ich möchte das ein wenig umändern und eher am Schluss sagen “könnte”… denn die wahre Diskussionskultur im Netz ist eben leider am Verschwinden. Es gab sie vor etlichen Jahren durchaus breitgefächert, umfangreich und ausführlich, doch einerseits hat die ständig wachsende Masse an Content im Netz in den letzten Jahren (“Uff, zu viel zum Lesen!”) und auch die oft vertretene und überall zu findende bürgerlich-konservative Kleingarten-Vereins-Mentalität, die einfach jeden Ansatz einer Diskussion abwürgt, vieles davon zerstört.
Das Facebook und Co. durch ihre simplen “I like”-Buttons die Diskussionen und den regen Meinungsaustausch mittlerweile abgekürzt und sogar oftmals völlig aufgelöst haben – ich sage vorsichtig und symbolhaft ausgedrückt “primitivisiert” – ist nur mehr das traurige Tüpfelchen auf dem i.
Ich hoffe ja noch immer, dass die heutigen Massen-User-Seiten wie Facebook und Co. langsam wieder von ihrem hohen Podest stolpern und sich die breite User-Masse auch aus mentaler Überlastung wieder mehr im Netz “verteilt” und ihre Gedanken, Meinungen und Ansichten wieder verstärkt differenzierter kundtun und ausleben – in Form von selbstgeschriebenen Texten, Blogs, Kommentaren und ähnlichem. Aber vermutlich bin ich da ein hoffnungsloser Optimist… oder welche Gründe habt ihr, nicht zu bloggen oder nicht (mehr) da und dort bei Blogs zu kommentieren?

Hmmmh….stimmt ja irgendwie….wobei ich die angeregten Kaffeehauszeiten (jupp die gab´es selbst außerhalb von Wien dem Nabel der geistigen Welt ;-) ) schon sehr vermisse ;-)!
Facebook finde ich jetzt mal nicht so dufte (nur gut dazu um dem Rest des eigenen Freundeskreises mal kurz etwas mitzuteilen….eigentlich gäbe es dazu ja auch ein Ding namens Telefon oder um noch weiter sinnflutlich vorzugreifen eine Sache namens Brief), aber gut wohl nicht mehr auszumerzen ;-).
Wobei ich als Außenstehende echt sagen muss (ich komme aus Bayern) ich freue mich immer wenn sich mal ein paar “Wiener” in unsere verschlafenes Nest verirren…irgendwie ist der Dialekt schon oberwitzig und der lockere Humor einfach angenehm bzw. was ein echter Wiener sagt mit seinem Dialekt durchaus mit einer Prise Witz zu “verkraften” ist, sagt´s ein “Landsmann” zu mir ist er kurz vor der Watsch´n ;-)…aber gut ich schweife ab vom Thema….
Ich finde Blog´s durchaus eine schöne bereichernde Sache und ebenso macht´s mir auch Spaß meine Meinung zum Thema kundzutun bzw. mich einfach am jeweiligen Thema zu informieren, jedoch heißt das nicht immer das ich automatisch meine Meinung dazu preis gebe.
Beispielsweise fand ich deinen Bericht : Lebendiger Pioniergeist wahnsinnig interessant, will mich aber nicht durch fachlich unzureichende Kommentare entblössen ;-) – also lese ich sie einfach nur…;-).
Weder bin ich ein kleinbürgerlicher Spießer, noch ein totaler Hippie aber zumindest erstmal offen für die meisten Meinungen (was nicht heißt ich fände sie immer gut – aber insofern es sich irgendwie lohnt bzw. ihnen irgendetwas abzugewinnen ist werde ich zumindest mal drüber nachdenken).
Das Problem ist meiner Meinung nach manchmal so ein Elite Denken in der manch´ außenstehender keinen Platz mehr findet sich noch auf normalem Wege zu beteiligen oder eben in manchen Blog´s (nein nicht in deinem dazu halte ich dich für zu gescheit ;-) und das ist jetzt keine Schleimerei! nur Käse über Mode, nette Kochrezepte oder die neuesten Nagellacke diskutiert wird ( nicht immer das schlechteste Thema …nur langweilig in seiner Ausschließlichkeit).
Ich finde das in Blog´s eben genauso schwierig wie in der realen Welt locker über manches zu diskutieren, ist vielleicht aber auch meine eigene Schuld…denn wer kann etwas für meine Menschenphobie – die ich aber nicht immer so verwunderlich finde!
Lg, Angi
Hi Emanuel.
Ich habe dich durch Zufall von der Elmastudio Seite gefunden. Zufällig das schöne Logo angeklickt und mal geschaut wer noch sein Blog mit dem tollen Theme ausgestattet hat. Und dann lese ich durch Zufall das du, wie ich, auch aus Wien bist :) Wie klein doch die (Internet) Welt ist :)
Ja die Kommentarlosigkeit ist leider sehr weit verbreitet.
Vor allem ist die Bequemlichkeit von den Social Networks auf einen Blog zu kommentieren nahezu verschwunden.
Da wird nur in den jeweiligen Social Networks kommentiert und geliked oder geplusst. Aber selten wird der Link bis zum Ursprung verfolgt.
Kommentare könnte man zwar durch Plugins in den Blog integrieren aber das ist nicht schön und schadet der Performance.
Besser ist es selbst in den Social Networks aktiv zu sein. Wenn das nicht schon ein “muss” ist. Ansonsten gehts einem wie mir bei fb.
Aber vielleicht wachst das Internet ja eines Tages zusammen und die Anwendungen sind untereinander kompatibel.
Liebe Grüße
Markus
Ps. Wie hast du den Weiterlesen-Link in einen roten Button verwandelt?
@Angi @Markus: ja, Facebook war anfänglich damals sicherlich ein kleines El Dorado – Freunde, Bekannte und Co. finden und sich mit ihnen austauschen, großartig vor allem auch die Möglichkeit um Interessensgruppen, Projekte oder ähnliche “Zusammenkünfte” und den Informationsaustausch zu organisieren. So gesehen hat Facebook sicherlich seine guten Seiten, wenn es eben nicht so sehr gekippt wäre (welche Plattformen kippen nicht?) – und zudem der “Stream” mittlerweile einfach nur mehr uninteressant geworden ist und vor allem als Self-made-Multi-Channel-personal-Marketing-PR dient. Wenn ich nicht zu sehr mit für mich wichtigen Menschen dort als Hauptkommunikations-Weg verbunden wäre, dann wäre ich schon lange weg.
Der Like-Button und die Möglichkeit, die Facebook-Kommentare direkt in den Blog einzubinden, waren die wohl größten Sensenschwinger für den regen Austausch in Blogs. Das Liken hat den Austausch extrem reduziert und der Rest landet bei Facebook im Nirwana. Ich frage mich eigentlich gerade selber, warum ich den Like-Button hier im Blog habe… aber man will ja dann jemanden, der wirklich interessiert ist und vielleicht auch den Beitrag teilen möchte, dann auch wieder nicht den Riegel vorschieben oder es ihm schwerer machen. Eine Abwärtsspirale eigentlich… :/
@Angi: Freut mich, dass Du uns als humorvoll und witzig siehst. :) Ich glaube bei uns im eigenen Senf tritt das biedere, morbide und sumpfige “Sudern” deutlicher hervor. Der Wiener grantelt gerne rum, will nie glücklich sein und der Charme ist immer so eine Mischung zwischen Höflichkeit und “Du Depp”. Zumindest unter Wienern untereinander.
@Angi: Ich verstehe was Du meinst, mit Fachwissen und elitärer Abgeschottenheit in so manchen Blogs, das ist leider in vielen Fällen so und verdirbt auch mir eigentlich zunehmend die Lust. Interessant ist aber dabei, dass es in englisch-sprachigen (egal welche Nation dann tatsächlich aktiv ist) Blogs oder Foren zwar genauso oft “hantig” zugeht, aber zumindest dieser dauerhafte Schrebergarten/Dorf-Mentalitäts-Kleingeist-Krieg weniger ausgeprägt ist, als im deutschsprachigen Bereich. Bei Wikipedia, wo ich selber Autor bin bzw. war, war es ernsthaft mühsam… wirklich unnötig mühsam. Da wird um kleinste Details gestritten, diskutiert und vor allem schnell und oft Diskussionslos von selbsternannten Experten gelöscht und verändert, dass man einfach die Lust verliert. (Natürlich ist’s in den anderen Sprachen halt oft einfach nur honig-süßer und schmieriger geschrieben, schmeckt aber genauso bitter – nur der Ton macht eben die Musik.)
In deutschsprachigen Blogs diskutiere ich fast gar nicht mehr, entweder weil gleich “Streits” vom Zaun brechen, Trolle unnötigerweise alles ruinieren und genügen Deppen drauf einsteigen jedesmal. Gilt auch für News-Seiten, wo man die Kommentare besser gar nicht lesen sollte, weil sie sowieso nur entweder unglaublich dumm, provokant oder rechts- oder links-lastig und politisch gefärbt sind… Endlosschleife.
@Angi: Menschenphobie – vermutlich leiden alle Blogger ein wenig darunter, deswegen kompensieren sie sich dann durch extrovertierte Blogs…. und verwunderlich finde ich da gar nichts… ich denke, solche Menschen sind oft normaler als so mancher Lebensgeist. :)
Aber ja, früher war es irgendwie einfacher, etwas mehr plauderhafter und inhaltsreicher in den Blogs bei den Kommentaren, heute ist es eigentlich tatsächlich so schwierig geworden wie im “echten Alltag”. Die mit der großen Klappe reden am meisten und wissen am wenigsten, die was wissen, sind oft zu ruhig und eingeschüchtert – oder zu verbohrt – und die anderen sind dumm oder klug genug, um sich raus zuhalten. So wie im realen Leben eben – und die meisten folgen aber denen im Fisch-Schwarm, die die große Klappe haben.
@Angi & @Markus: Danke für die Blumen! :)
@Markus: es gibt da und dort die erste, dezente Kompatibilität bei den Blogs und Kommentaren, wie z.B. die nahtlose Integration von Logins via Twitter, Facebook und Co. in die Kommentar-Sektionen, allerdings sträube ich mich die ganze Zeit schon extrem dagegen… hier läutet bei mir dann wieder der Sicherheitsaspekt und die Abhängigkeit, aber dieses Thema ist ja auch so ein hoffnungsloses Unterfangen. :)
Und ja – wer schwerpunktmäßig bloggt, Werbe-Kampagnen fährt oder sonstiges Marketing betreibt und auf Statistiken mit Leser-Reichweiten, Klicks und Co. angewiesen ist (oder sein möchte), dem bleibt eigentlich tatsächlich nichts mehr heutzutage übrig, als da überall ständig vorne mit dabei zu sein – bei Facebook, Twitter, Pinterest und Co… – ein virtuelles Gebiet in dem ich ja früher selber beruflich tätig war (u.a. Online-Marketing), aber mittlerweile (glücklicherweise) thematisch ausgestiegen bin. Tragischerweise erkennt man ja erst danach (wie immer) – und wieder mit gesundem Abstand – wie extrem viel Luft in all dem steckt und wie wenig in Wirklichkeit raus kommt unterm Strich… es aber augenscheinlich und anscheinend (noch immer) gut in der Masse funktioniert. :/
@Markus: habe gesehen, dass Du den roten Button schon umgesetzt hast. :) Vermutlich mit einem Blick in die gepfuschte CSS-Datei bei mir… es fehlt halt noch das Umsetzen auf einen farbigen Hover-Effekt, deaktivieren der Unterstreichung und so – aber das Vorhaben läuft mir eh nicht weg… irgendwann, irgendwo nehme ich mir die paar Minuten mal. Aber mit dem großen Lese-Button ist es das Theme wirklich einfach viel freundlicher und angenehmer… :)
@Angi @ Markus: So oder so glaube ich, auch dadurch, dass kaum noch richtig gelesen wird (lange Texte schon gar nicht), dass es mit der Diskussions-Freudigkeit im Netz auf lange Zeit vorbei ist (mit Schwerpunktblick auf Blogs natürlich nur)…. und die Vereinfachung mit Buttons wie “I like” und Co. sich fortpflanzt. Heutzutage schreibt und liest man nicht mehr, sondern man likt, plust, pinnt und toucht sozusagen. Mehr als ein paar Sekunden darf das alles nicht mehr dauern, sonst sinkt die Aufmerksamkeitsrate sogleich ins Bodenlose… :)