Sonne, Wind und Dienstag

So stelle ich mir einen perfekten, schönen, klassischen Dienstag Vormittag vor… das ideale Wetter für mich. Auch wenn ich mich bisher dagegen wehre, dass der Sommer ja angeblich schon wieder vorbei sein soll und die Hitze sich in den nächsten Tagen verabschieden wird, muss ich unumwunden zugeben, dass das Herbst-Wetter (genauso wie im Frühling) genau meinem Naturell entspricht.

Weder zu heiß, noch zu kalt, man kann je nach aktueller Stimmung und Zustand sowohl ein kurzärmliges T-Shirt als auch ein Langärmliges anziehen. Kommt Regen, kann man eine Jacke überstreifen, ohne gleich in einem Bach aus Schweiß und Hitzewallungen davon zu schwimmen, kommt die Sonne unverblühmt raus, muss man sich nicht gleich mit einem Kreislaufkollaps bis zum nächsten Schatten kämpfen und das nächste Wasserreservoire aufsaugen. Kurz gesagt – Frühling-Anfang bis Sommer-Ende und eben Herbstwetter ist genau meines – da blühe ich auf, da verlasse ich das mentale Delirium, da beginne ich neugierig auf den Tag zu werden und plane wesentlich mehr Aktivitäten am Tag als sonst.

Auch bekomme ich dadurch fast immer irgendwie einen Kreativ-Schub. Zwar hatte ich mir ja unlängst vorgenommen, wieder mehr zu Zeichnen, bin aber schnell frustriert kurz danach wieder am Laptop gelandet, weil auch nach Tagen und Wochen noch immer alles nicht mal ansatzweise das Stadium von einem 2-jährigen Kind überschritten hat – kaum ein Strich sitzt so, wie ich ihn gerne hätte… nicht mal so, dass er wenigstens irgendeinen Sinn ergibt.

Dennoch – und Dank des Schubes – habe ich mir heute billige Wasser-Malfarben gekauft, irgendwie in der stillen Hoffnung, dass ich mit etwas mehr großflächiger Abstraktheit mich langsam und Schritt für Schritt an ein zufriedeneres Ergebnis herantasten kann. Ich werde mir – als natürlicher Minimalist – nämlich eine ganz kleine Pfefferminz-Zuckerl-Dose zu einem Mini-Mal-Becher umwandeln – mit 5~7 Farben darin, etwas, das man speziell bei den “Urban Sketchers” oft findet, die in selbstgebastelter Miniaturform ein komplettes Moleskin-Mal-Set in der Hosentasche mit sich führen, um überall und jederzeit – und in wenigen Minuten – eine Zeichnung anzufertigen. Dahin will ich – das macht Spaß, das nimmt die Scheu und vielleicht kommt irgendwann sogar was optisch ansprechendes raus. Besser als in’s Handy zu glotzen oder sich unterwegs mit einem Blick ins Leere zuzudröhnen ist es allemal…

Wo war ich…? Aja, bei dem perfekten Wetter. Auch der heutige Spaziergang quer durch die Stadt bei diesem Gemisch aus warmer Sonne, kühlem Wind, Wolkenfetzen und blauem Himmel, hat in mir ja generell die urbanen Lebensgeister geweckt – denn so gut hat mir die Stadt wirklich schon lange nicht mehr gefallen… zwar vermisse ich jetzt schon wieder die Wiese und den Wald, aber dennoch habe ich heute nach langem wieder so richtig das Innenstadt-Flair von Wien genossen, die historischen Fassaden und die begrünten Parks, die Menschen und alles mit weit offenen Augen und kräftigen Ein- und Ausatmen in mich gesogen. Herrlich!

Wenn der restliche Sommer und Herbst auch so bleibt wie heute – vielleicht noch 2-3 Grad kühler – dann beginnt für mich eine wirklich gute und kreative (Genießer-)Zeit. Bis auf die schmerzhafte Tatsache, dass Tofugotchi nun tatsächlich das Land verlässt. Dieses Mal nämlich so richtig und ernsthaft und schon in gefühlten wenigen Tagen – was natürlich mit einer riesigen, dunklen Wolke direkt vor der Sonne gleichzusetzen ist. Seufz.

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