Es gibt so Momente im Leben, wo man sich denkt “Jetzt falle ich gleich tot um. Aha. Ok.” Akzeptiert es stillschweigend und fährt weiter. So wie gestern nach dem Dienst und am Fahrrad – gegen den Wind Sturm. In der Plastikjacke. Schwitzend und zugleich auskühlend. Keuchendes, kehliges Fluchen und schweres Atmen.

Zuhause angekommen ist man dann am Boden, völlig fertig und einfach nur müde. Aber es fühlt sich gut an. Und wahrscheinlich darf und sollte man das Leben so auch irgendwie sehen. Der größte Teil des Alltages ist oft mühsam und nicht immer leicht, aber wenn man es getan hat, dann freut man sich ja doch irgendwie.
Es gibt nur einen Theorie-Bruch, der alles in Frage stellt. Ich habe in der Früh nämlich auf einen verlinkten Eintrag irgendwo geklickt und es mir angetan, mich durch seitenweise Abhandlungen rund um die richtige Erziehung zu lesen. Abmühen. Das trifft es. Und bevor jemand fragt, warum mich das als Mann interessiert – tut es nicht, der Titel war aber interessant und dann war beim Lesen durchaus der Rest auch “interessant”.
Naja… und dann war es einfach nur mehr ein ständiges an den Kopf greifen, sich ärgern und aufstöhnen. Auch aufgrund der dunklen Erkenntnis, dass es solche Menschen en masse gibt. Da werden Fragen aus der Sicht einer – natürlich und sicherlich – liebenden Mutter gestellt, warum denn ihr kleiner Nachwuchs denn nicht einzigartig behandelt wird?!
Klar – ich, mein Kind und dann der Rest der Welt.
Wie? Wie soll das gehen? Im Kindergarten, am Spielplatz oder in der Schule sitzen Tag für Tag 20-30 schreiende Kinder, jedes hat sein eigenes, einzigartiges Bedürfnis genau in diesem einen Moment. Jetzt. Man KANN aber nicht ständig darauf eingehen. Auch wenn der Gedanke noch “so schön” ist, aber das spielt es einfach nicht – und je früher man einem Kind das klar macht, umso mehr kommt es dann später in der heutigen Welt zurecht, denn die dreht sich unabhängig von diesem Kind weiter. Die umfassende Entfaltung wird es nun mal nicht geben – nicht bei der kolportierten Zahl von 1,8 Milliarden – absolut einzigartigen und blabla – Kindern weltweit.
Wäre auch fatal. Man lege das mal auf Erwachsene um, wenn dann jeder völlig frei und beachtet seine Bedürfnisse auslebt. Man würde die Gesellschaft in den Abgrund stürzen. Wir leben nun mal technisch gesehen auf einer kleinen Kugel aus Erde, die begrenzten Lebensraum und Ressourcen bietet, eine Hälfte oder mehr der Weltbevölkerung ist am Rande der Existenz und der sozialen Elite ausgeschlossen und von den 1,8 Milliarden Kindern sind vermutlich mehr als die Hälfte gezwungen, völlig abseits jeglicher Wünsche und Bedürfnisse zu leben. Damit wir nicht endgültig den Bach runtergehen (was eh nicht tragisch wäre), dann muss man sich eben gewissen Regeln – egal ob geschrieben oder ungeschrieben – und vor allem auch in der Gesellschaft unterwerfen. Nur so kann das Gesamte und Große stabil funktionieren.
Möchte man wirklich was für die “Kinder” tun, dann setzt man dort den Hebel an und beginnt nicht sein eigenes Kind auf den goldenen Thron zu stellen und dann den Rest der Gesellschaft zu “befordern”. Und das sollte man sich überlegen, bevor man Kinder in die Welt setzt. Es gibt – die harte Wahrheit – bereits GENUG Kinder auf der Welt, um die man sich kümmern “könnte” und eigentlich dringend sollte. Da muss man nicht noch mehr in die Welt setzen.
Und so nebenbei – ich bin übrigens heute froh, dass mir meine Mutter in meinen zarten Kinderjahren Grenzen gesetzt hat, mir klar gemacht hat, dass es dies und jenes einfach gerade in diesem Moment nicht spielt oder geben kann (unabhängig von einem materiellen Hintergrund) und dass man sich gewissen Regeln zu unterwerfen hat – bei mehr als 7 Milliarden Menschen, von denen so nebenbei täglich 25.000 oder mehr verhungern – und die alle irgendwie Hand in Hand zusammenarbeiten müssen… kein Wunder. Auch wenn das als Kind oft hart ist und frustrierend… aber es ist das Leben. Da kann nicht immer alles nett sein, da kann nicht immer jemand zuhören, da ist nicht immer jemand da, der sich die Zeit nehmen will oder kann.
Das Leben ist grausam, genauso wie die Natur mit dem Motto “Fressen und Gefressen” werden. Und trotzdem hat sie ihre Schönheit in sich. Unberührte Natur ist hart und unnachgiebig, aber bringt schöne Dinge hervor. Wir als Menschen können das glücklicherweise abfedern, aber in den letzten Jahren kippt es in eine extreme Richtung. Entfaltung ist alles – und wer heute in neue Schulklassen schaut oder generell in die junge Generation, der kann live sehen, dass da viel falsch läuft. Entweder Kinder werden gar nicht umsorgt – pure Härte – und verkommen dann völlig in der Gesellschaft und fallen auf die dunkle Seite der Menschheit… oder sie werden umfassend gefordert, umsorgt und mit der Käseglocke geschützt – und laufen dann mit 18 zum ersten Mal zum Therapeuten, weil sie völlig überfordert sind, wenn sie dann endlich in der realen Welt da draußen ankommen.
Aber ich habe übrigens dann noch weiter geklickt und einen anderen Beitrag über eine Mutter gelesen, die der Meinung ist, dass Kinder unbedingt in die Natur gehören. Eine Spur ausgewogen – aus meiner ganz persönlichen Sicht. Natürlich nicht nur raus in die Pampa, aber schon auch klar, dass das reine Betonwüsten-Leben auch nicht ganz klappen kann.
Zudem wächst aus meiner Sicht aktuell sowieso schon eine Generation heran, der der Bezug zur Umwelt sowieso schon komplett fehlt – das ernüchternde, langfristige und teure Resultat kennen wir dann. Ah, ich habe ihn wieder gefunden – der Beitrag liegt bei der “Die Zeit”. Vor allem möchte ich etwas daraus zitieren:
Bei Freunden aus Berlin habe ich mir neulich gedacht: Wie stellt ihr euch eigentlich die Pubertät von euren Kinder vor? Am Prenzlauer Berg, wenn in zehn Jahren die vielen Kinder, die jetzt in den Kinderwägen sitzen, pickelig und motzend durch das Viertel rennen? Sie in Horden rauchend auf den Spielplätzen herumlungern, auf denen sie jetzt Sandkuchen backen? Wenn ein ganzer Stadtteil nur noch aus genervten Teenager-Eltern besteht?
Die Zeit / Landleben mit Kind
So weit so gut. Und so recht. Auch wenn man jetzt durchaus auch unterstellen kann, dass hier eine Lebensblase flattert, die eben den notwendigen und finanziellen Background hat und auch recht verträumt ist. Es kann nicht jeder am Land wohnen, da müsste man nämlich erst die Beölkerung weltweit dezimieren. Aber egal – weiter… der echte Fehler war, dann diesen weiterführenden Beitrag zu lesen… wo ich auch gleich mal zitiere:
Was machen Sie, wenn Ihr Sohn plötzlich sagt: Mama, ich will raus in den Wald?
Drust: Ich sage ihm, dass das nur in der Schrebergartenvariation geht, weil seine Mutter im Wald nicht glücklich wird.
Die Zeit / Wir sind keine Jack-Wolfskin-Eltern
Tja, auch die andere Generation. Und wo man fast sagen muss, da wurden wohl jemand keine Grenzen in der Kindheit gesetzt [sic!] und somit das Bewusstsein von “Das was ich will, ist das Richtige bzw. muss es sein” geschaffen. Das kommt dann eben raus. Trägt alles etwas Abgrundtiefes in sich. Entweder tendieren Mütter (und genauso Väter, eh klar) recht einseitig dazu, ihr Kind auf den heiligen Berg zu setzen und versuchsweise den Rest der Menschheit darum zu scharen und von denen ihren Tribut einzufordern – oder das Kind wird als kleines Hündchen und als Selbstverwirklichungsspielball gehalten und der 1:1 Maßstab der elterlichen Charakterbildung angestrebt.
Warum keine Mitte? Warum kann man nicht verstehen, dass man Kindern natürlich Zuneigung, Verständnis und was weiß ich was alles zukommen lassen kann, sollte und muss, aber zugleich auch klar machen, dass bei einfachen Dingen im Leben es eben auch Regeln gibt, die ja der gesamten Gesellschaft im System dienen und sie deswegen zu befolgen sind – und man die nicht immer in Watte verpacken kann (und auch nicht sollte).
Ein wenig mehr “harte Erkenntnis und frustrierende Eigenerfahrung” würde viele der heute abgehobenen Kinder auf den Boden zurückholen. Und das pure Selbstverwirklichung und gegen den Strom schwimmen auch nicht immer hilft, um was besonderes zu werden oder zu sein, sollte mittlerweile auch schon sichtbar sein. Denn das trifft auf fast jedes der vielen zigtausenden Kindern in den Privat-Kindergärten, Privat-Schulen und alternativen Einrichtungen und Wohlfühl-Kursen, Spezial-Training, Früh-Vorschul-Ausbildung und sonstigen “Ich fördere mein Kind ganz besonders” zu.
Die meisten dieser umsorgten Kinder werden sich nämlich den Kopf stoßen, während die anderen, bodenständig geblieben Kinder später ungehemmt vorbeiziehen. Und wer da jetzt der Meinung ist, dass ich damit der Kreativität, der Kunst und Entfaltung und dergleichen den Boden entziehe, dann ist er sowieso auf dem falschen Pfad.
Statt ein Kind in dutzende Kreativ-Kurse, Neigungsgruppen und Früh-Therapien zu schicken, einfach einen Berg Legosteine hinkippen (ohne den vorgefertigten Teilen) und damit spielen lassen. Da lernt ein Kind Kreativität. Und es einfach in den Wald mal schicken oder auf eine Wiese. Umwelt spüren und erfahren. Und da gehört es dazu, dass mal der Ast abbricht oder man stolpert, von der Biene gestochen wird oder sich einen Schiefer einzieht. Oder Kinder miteinander streiten oder sich nicht mögen. Oder das Essen nicht schmeckt, aber eben gesund wäre. Oder auch mal alleine über die Stufen irgendwo in der Stadt steigen und mal eben nicht immer mit dem Auto mit der Heiz/Klimaanlage abgeholt werden, damit sie sich nicht verkühlen oder arm schwitzen müssen.
All die Kinder und Erwachsenen, die ich so kennen gelernt habe im Leben und die diese “harte, böse und unvorbereitet Schule des Lebens” erfahren haben, sind glücklicherweise eben bodenständige und zugleich aber trotzdem auch genauso kreative Menschen geworden. Ja, da sind sogar Designer, Fotografen und sonstige darunter – und die wurden auch nicht speziell gefördert oder da war auch nicht immer jemand da, wenn sie jemanden gebraucht hätten.
Es muss also niemand um sein Kind Angst haben, dass es mal “nur ein Fabriksarbeiter wird”, wenn es halt mal nicht in einen therapeutischen Entfaltungskurs geht, sondern nur mit einer Handvoll Legosteine am Teppich zuhause spielt. Und auch Weinen gehört zum Leben. Das muss man nicht immer gleich “ersticken”, ängstlich umsorgen oder mit einem Kinder-Psychiater jedes Mal tiefgehend ergründen.
Der Erfolg hängt viel mehr von ganz anderen Faktoren ab – und die sind viel banaler. Ein Kind kann Kreativität und Selbstverwirklichung auch mit zwei Holzästen erfahren und von ganz selber erlernen, dazu braucht es kein spezielles ergonomisch-geformtes Spielzeug aus dem Art-House. Kinder einfach leben lassen, wie sie es möchten – und bei alltäglichen Situationen aber auch mal einfordern und auch mal wortlose Grenzen setzen. Die Kinder zerbrechen schon nicht wie Glas. Es sei denn man macht sie dazu.
Und man kann ihnen auch nicht immer zuhören. Das gilt für Kinder und Erwachsene. Aber deswegen geht das Leben ja nicht den Bach runter? Und deswegen ist das Kind ja auch nicht gleich geschädigt oder belastet für sein Leben lang… Ein bisschen mehr Nüchternheit wäre angebracht.
Beruhigt hat mich übrigens, dass eine Freundin von mir unlängst ihr Kind einfach im Weg-Schotter am Boden spielen hat lassen. Es wurde dabei dreckig, staubig und hat sich wahrscheinlich mindestens 8 Kiesel einverleibt und tausende Baktieren, Keime und sonst was auf den Händen verteilt. Aber so ein Kind hat eine erfreulichere Zukunft, als ein Kind, dass sofort aufgehoben wird, in den – nach neuesten Erkenntnissen geformten – Kinderwagen gelegt wird, mit einem Hygiene-Tuch gereinigt wird und sich kurz darauf in einer heilen Plastik-Bio-Holz-Spiellandschaft mit 5 Betreuerinnen wiederfindet.
Und bevor da jetzt jemand kommt und mir erklären will, dass ich das ganz anders sehen würde, wenn ich Kinder hätte, also Vater wäre, und der genetische Schalter umkippt… mag natürlich sein, aber umso mehr ist es dann auch wichtig, mal eine etwas emotionsfreiere Sicht mit Abstand zu berücksichtigen und die Käseglocke “Kind” auf dem Thron umzuwerfen. Zum Wohle aller und zugleich dem Kind.


köstlich! so sehr gebe ich dir da recht! wäre toll, wenn man das so manchen vor augen halten könnte… z b jenen eltern die abwechselnd mit allem bewaffnet ( tränen in den augen, unterwürfigkeit, sektflasche, aggression, drohungen, schokis…) in der schule antanzen und händeringend darauf hinweisen, dass ihre süße brut in seinem fortkommen im leben behindert wird, weil es jetzt neben einem patrick, fritz, hinz oder kunz sitzen muss und ebendieser grad so unruhig ist….
was der allerdings sein muss, weil ihn seine eltern permanent mit cola und globulis füttern, damit er ja fitt für die schule ist und zeigen kann, dass in ihm ein genie steckt, dessen iq schon gar nicht mehr messbar ist, weil so allesübertreffend…
;)
ohja! dazu könnte ich auch berge schreiben! super :))
Ich muss eh lernen, dass ich solche Texte gleich am Anfang aufhöre zu lesen… das kann einem den ganzen Tag versauen, wenn da Kampfmütter in ihrer Suppe schwimmen und jeden damit zulöffeln wollen. Man darf das n i c h t l e s e n, das kostet nur Nerven… :D
Hi!
such dir eine frau, mach ein paar kinder und mach es besser. nicht immer über andere reden.
“ist es nicht so wie man will, so muss man wollen wie es ist”
grisu
ich kenne dich nicht (gott sei dank :D) aber vermutlich bist du auch einer dieser mütter die sich mit dem mutterkult identifiziert und sich bei den Nazis für das Mutterkreuz angestellt hätte um dir deine “Euter vergolden zu lassen (http://wikimannia.org/Mutterkult) ” .
ich denke dass ist gerade ein wichtiges Thema wozu sich selbstverständlich jeder äussern darf und besonders auch kritisch,. Ich nehme an auch du wirst täglich über wem anderen reden, sei es die Kindergartentante oder die Nachbarin die zu laut ist weil dein baby schläft oder sonstwas.
Es ist traurig dass gerade solche Leute mit so dummen unreflektierten Aussagen sich vermehren und damit die Gesellschaft so dümmlich machen und ich muss gestehen dass mir leider diese fett-arschigen und hässlichen Mütter mit ihrem Superstolz auch schon ziemlich tierisch auf den Nerv gehen :D Lg an den drachen !
Nein, ich würde keine Kinder in die Welt setzen wollen – warum auch? Es gibt mehr als genug Menschen da draußen… also eigentlich zu viele sogar. Wozu das noch weiter auffüllen…? ;D
Und oja – klar rede ich über andere. Machen die anderen ja schließlich genauso – warum soll ich dann meinen Mund halten? :)
Zudem wollen die im Beitrag Erwähnten ja oft und zumeist gerne ihre Erziehungsphilosophie anderen vorsetzen bzw. als die einzig wahre Richtung durchsetzen und zelebrieren… hin und wieder mal ein bisschen dagegen Mauern und hinterfragen muss schon sein. Und zudem – ein wenig abseits der Nudelsuppe (was dann mit Kindern schwer ist) ein wenig die Sicht der Dinge zu tippen, schadet niemanden.
‘ist es nicht so wie man will, so muss man wollen wie es ist’ – der Satz gefällt mir nicht. Hat so was von “aufgeben” und Resignation an sich?!