Die andere Seite des Lebens

An manchen Tagen merke ich, wie sehr nahestehende Menschen wo ganz wo anders sind. Weit weg, in einer ganz anderen Realität, in einem ganz anderen Leben und dennoch im gleichen Alltag. Die Gespräche am Tisch sind vertraut, man kennt das alles – aber dennoch ist es nicht greifbar.

Die Dimensionen, mit denen hantiert wird, sind völlig unterschiedlich, eigentlich völlig fremd. Die Problemstellungen sind die Gleichen, aber dann auch wieder nicht. Schwer zu erklären.

Und schwer damit umzugehen. Wie spricht man mit jemanden, der das selbe Leben führt, aber trotzdem auf einem ganz anderen Level lebt? Und dabei ist das Level nicht unbedingt höher, sondern auf der gleichen Ebene, aber eben woanders. Wie erklärt man jemanden seinen Alltag, wenn der andere dabei sein Sektglas schlürft? Im gehobenen Ambiente noch dazu.

Menschen verlieren gerne den Blick über den Tellerrand, wenn sie zu lange immer im selben Kreis sitzen – ich sicherlich auch, wie jeder von uns – aber dann prallen kleine Details ab in Gesprächen, kommen nicht durch das feine Filternetz des Alltagstrott und es bleibt nur mehr eine dünne Suppe an gefilterter Information übrig, die den anderen vielleicht eine Spur beschäftigt. Die Meisten interessieren sich nur für ihren eigenen Alltag, reden am liebsten über sich selber – und das Nachfragen oder Erkundigen über das Leben der anderen spielt (immer mehr) eine untergeordnete Rolle. Und ich sage offen, dass ich solche Menschen nicht mag. Auch wenn es in sich Unstimmig und fragwürdig ist, so eine Aussage als Blogger zu tätigen.

Aber in einem persönlichen Gespräch erwarte ich ernstes Interesse und detailreiche Inhalte und nicht oberflächliche Floskeln… dazu gibt es Bekanntschaften. Nicht Freunde, nicht die Familie oder auch nicht die Weggefährten, sondern Bekanntschaften – die sind dafür da. Aber die interessieren mich eigentlich kaum. Aber gut, liegt auch an meiner asozialen Ader.

Nun gut… wie auch immer – über Menschen und ihre Eigenheiten kann man ja sowieso stundenlang, jahrelang und Generationen lang diskutieren und ausschweifen, aber ein Ziel gibt es da wohl nicht zu erreichen. Wozu auch? Deshalb belasse ich es dabei, werde aber auch – ironischerweise – wieder mehr Filtern, was meine Umgebung betrifft.

Themenwechsel – der anschließende und zufällige Spaziergang durch die Nacht jetzt hat gut getan. Buckethead mit Machete (amüsant!) in den Kopfhörern – irgendwie kann ich es verstehen, dass er immer mit einem Kübel am Kopf und Gesichtsmaske auftritt – und mit dieser Musik dann langsam durch die leeren Straßen von Wien ziehen. Das befreit irgendwie und man bewegt sich kurzzeitig in einer anderen Moment-Zone des Lebens, die einfach nur gut tut.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. die frage ist: wieviele menschen antworten denn ehrlich auf die frage : wie geht´s? meist kommt ja doch nur eine floskel wie: danke, geht so oder danke, es muss ja gehn. wollen sie überhaupt reden, mit dem, der sich eigentlich ernsthaft interessiert?
    und wieviele fragende sind bereit sich mit einer anderen antwort auseinanderzusetzen ?
    gar nicht so einfach

  2. Ja, es ist sowieso ein Teufelskreislauf – sagt man, wie es einem geht, interessiert es den Anderen meist nicht bzw. “bitte nicht zu tiefgehend und kurz” – belässt man es bei platten und Danke, gut-Floskeln, wird es oberflächlich auch für den Gegenüber und man wird selber Teil des Spieles/Kreises. Ende nie.

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