Dachte ich mir zumindest, als ich vorhin gerade in der tiefen Nacht aufgestanden bin und überlegte, was ich jetzt am liebsten machen würde. Also statt all den anderen Sachen im Alltags-Leben, die einem – so wie heute – erwarten. Klar, irgendwo im Süden, möglichst Menschenlos sitzen, seinen Gedanken ganz frei frönen und einen hoffentlich blauen Himmel genießen.

So eine Reise wäre schon nett. Natürlich mit dem Zug. Das mit dem Rad wäre auch reizvoll, aber wie schon gesagt, diese ganze Misere mit den Blechkübeln auf der Straße und der Zuckerguß-Mentalität meiner körperlichen Knautschzone… irgendwie verträgt sich das nicht. Der Blechkübel als Reiseelement selbst fällt sowieso aus bekannten Gründen weg, bleibt neben dem begrenztem Wandern nur mehr das Zugfahren.
Aber ich habe da noch immer ein Problem. Ich hasse Hotels. Oder Pensionen. Oder überhaupt Unterkünfte, um die man sich kümmern muss und an die man gebunden ist. Ich bin die Sorte Mensch, die am liebsten aufspringen und selbstgefällig “Jetzt!” rufen und dann genau in diesem Moment losfahren wollen. Nichts da mit Planung oder Vorausschauen in die Zukunft, vielleicht sogar noch Überlegen, was und wo und wie vor allem… das bin ich in dem Fall gar nicht – sondern einfach jetzt zum Zug gehen, eine Karte in den Süden kaufen, den Rucksack mit ein paar Köstlichkeiten vollstopfen. Und dann geht es ab.
Irgendwo runter. Vor allem weiß ich jetzt schon – großer Plan, dass ich nächstes Jahr unbedingt wieder zur Biennale nach Venedig möchte, sofern ich mich nicht gerade mit dem Jahr irre? Das hat mir schon damals gut gefallen und sollte unbedingt wieder getan werden. Aber eigentlich ist das gerade nur so am Rande gedacht.
Viel mehr würde es mir heute gefallen, mit der Kamera durch den Ort zu spazieren, wo auch immer der beheimatet ist, und dabei viele Fotos zu machen, hier in den Blog zu klatschen, dazwischen sich irgendwo einen Straßenrand-Cafe zu genehmigen und auch sonst den Rest der Zeit dort nicht mit irgendeinem Touristen-Programm verschwenden, auch nicht mit einer organisierten Alternativ-Form, sondern einfach nur den Moment leben.
Am Meer gehen, in die kleine Altstadt spazieren, da stört mich nicht mal die Jacke, die wohl wieder erforderlich ist, das passt schon. Den Zip zuziehen und weiter im Sand stapfen, den Wind genießen und dann eine alte, ganz kleine Basilika besichtigen, irgendwo auf den Stufen sitzen und sich über ein kleines, sonniges Ruhe-Eck bei der Bucht freuen und die kleine Katze abfotografieren, die in den Tauen neben den kleinen, schiefen und abblätternden Holzfischkuttern schläft.
Das wäre es… und zumindest im Tagtraum werde ich daran denken, wenn ich im Zug stehe und nach wenigen Minuten wo ganz woanders wieder aussteige heute und meinen Tagesablauf absolviere.
